Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- X (1911)
- Date
- 1911-08-09
- Page
- Seite 28 (sequence 37)
- Language
- German
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Zunächst haben wir des Hinscheidens einiger Männer gedenken, die für die zionistische Sache und die hebräische Kulturrenaissance zugleich von großer Bedeutung waren. In einem Jahre und last nacheinander wurden uns drei Koryphäen der hebräischen Literatur und Vorkämpfer der nationalen Idee durch den Tod entrissen. Es sind: Moses-Löb Lilienblum, Elchanan-Löb Lewinsky und Saul-Pinchas Rabinowitz (Schefer). Lilienblum, der Altmeister der hebräischen Literatur, war Jahrzehnte hindurch Führer und Bahnbrecher desChowewe-Zionismus,dem er bis zu seinem letzten Atemzuge treu blieb. Mit der ganzen Wucht einer stark ausgeprägten Persönlichkeit trat er gegen alles Morsche im Golusjudentum auf, wurde angesichts der krankhaften Auswüchse unserer inneren und äußeren Sklaverei zu einem Verneiner der jüdischen Tradition, die er einer durchgreifenden, allgemein menschlichen Kulturbildung preisgeben zu müssen glaubte, — einer Tendenz, die in der Haskalaperiode lag und durch zeitliche und lokale Bedingungen der russischen Judenheit in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts bestimmt war. Doch schon als Dreißigjähriger fand er, nach einer tieferschütternden Revolution, den „Weg zur Rückkehr" („Derech tschuwah") von seinen „Jugendsünden" (Chatat neurim*). Es war die Rückkehr zur mutigen Bejahung eines vollwertig nationalen Judentums auf historischer Basis. Mit der Leidenschaftlichkeit einer Prophetennatur und mit dem Scharfsinn eines eminent kritischen Geistes kämpfte er von nun ab gegen jede Art der bewußten und unbewußten Assimilation, gegen die weit um sich greifende Haskalabewegung, die dem Judentume viel Säfte und Kräfte entzog, und verkündete, voll schöpferischer Begeisterung für ein verjüngtes Judentum, die Idee einer großzügigen Kolonisation in Palästina. Durchdrungen von dieser Botschaft der Erlösung und Wiedergeburt widmete er sich ganz der planmäßigen Durchführung des Kolonisationsgedankens, in dessen Dienste er nicht nur sein schriftstellerisches Können, sondern auch seine große Tatkraft stellte, die, gepaart mit der Geradheit und Schlichtheit seines Wesens, die Vorzüge eines kritischen Scharfblicks und eines ausgesprochenen Sinns für das Reale in sich vereinte. Er war jahrelang Geschäftsführer des Odessaer Palästinakomitees, zu dessen Mitbegründer er gehörte und auf dessen Gestaltung er einen großen Einfluß hatte. Er starb in Odessa im Jahre 1910. Zu seinem Andenken wurde von dem Odessaer Palästinakomitee ein Fonds zwecks Herausgabe hebräischer Lehrbücher aus dem Gebiete der Landwirtschaft begründet. In der Blüte der Jahre folgte Lilienblum, sein gleichstrebender Freund Elchanan Löb Lewinsky in den Tod. Er war einer der ersten und besten Feuilletonisten der neuhebräischen Literatur und stand immer in den ersten Reihen unserer nationalen Bewegung.