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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1916-01-01 · 1-3 (1916) · p. Seite 44

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
2 (1916)
Issue
1-3 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 44 (sequence 44)
Language
German
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44 von adeligen Gütern führte. Dies trifft auch bei den Galliffets zu; sie erwarben die Herrschaft Tholonet, sind bald mit dem proven9alischen Adel versippt und wenden sich nun der militärischen Laufbahn zu, in der es ihnen gelang, sich hohen Ruhm und Ehre zu erringen; eine ganze Anzahl von ihnen erlangte im 18. Jahrhundert die Generals- und Admiralswürde. Doch neben den Haudegen gab es auch fromme Gottsucher, wie jenen Joseph de Galliffet, der Jesuitenprovincial in Lyon war und dann 1726 in Rom das berühmte und weitverbreitete Buch „De Cultu Sacrosancti Cordis Dei ac Domini Nostri Jesu Christi" veröffentlichte. In seine Heimat zurückgekehrt wurde er, unterstützt von seiner Nichte, einer Äbtissin, ein Apostel des Sacr6 coeur-Kultus, der von Frankreich aus seinen Weg durch die ganze katholische Welt gemacht hat. Neben den Heiligen und den Helden erscheintauch ein grosszügiger Händler, Simon Alexandre de Galliffet. Er war Grossunternehmer der Tunfisch- und Stockfisch-Fischerei und erwarb dabei ein gewaltiges Vermögen. (Sombart dürfte sich herzlich freuen, wenn er von. diesem Rückfall in „händlerische Instinkte" lesen wird.) Im 19. Jahrhundert gehört Gaston Marquis de Galliffet zu den ruhmreichsten Heerführern Frankreichs, der dem König, dem Kaiser und der Republik mit gleichem kriegerischen;Geiste diente. In der Krim, in Italien, in Algier und Mexiko erwarb er sich Lorbeern, im deutsch-französischen Krieg für einen kühnen Reiterangriff sogar'die Bewunderung Kaiser Wilhelm I. Nach Paris zurückgekehrt ist er eine Haupstütze der Regierung und unterdrückt mit schonungsloser Strenge in Strömen von Blut den Aufstand der Commune Als er dreissig Jahre später Kriegsminister wurde, tönte ihm von den Bänken der Sozialisten hundertfach der Ruf: „Mörder und Bluthund" entgegen und im Parlamentssturm musste der alte Kämpe seine Demission geben. In seinen letzten Lebensjahren galt er als Hoffnung der Royalisten, die der Meinung waren, dass der kühne Reitergeneral wieder einen König nach Paris zurückführen werde. Welch seltsame und sonderbare Schicksale haben doch die Nachkommen jenes Mannes erlebt, der einst den Weg aus der Judengasse von Carpentras in die Kirche gefunden hatte. *) Als Gabriel de Oaliffet, ein Sohn des Jacques de G. und ein BruderMes Jesuiten Joseph de G. im Jahre 1695 in diesen Orden eintreten wollte, leistete ein Commandeur Widerstand, „ . . . il pretendoit que cette branche, etablie en Provence, avoit une na che, qui n'est connue que dans cette province"; doch war das Ansehen und der Einfiuss der Familie bereits so gross, dass sowohl diesmal als auch 1741, als Paul Alexandre de G. sich um die Aufnahme bewarb, dem Begehren stattgegeben wurde.

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