Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1-3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 Wirren gewesen ist (Repertorium O 113, Aktenzeichen 550 des Amtsgerichts Breslau) heisst es, dass der Schwestersohn des Testators Heimann Lassal zum 2. Testamentsvollstrecker ernannt sei. Hieraus ergibt sich Folgendes: Ferdinand Lassalle war wahrscheinlich ein Namensträger seines Grossvaters Feitel Seine Eltern waren Heymann Lassalle und Rosalie, geb. Heitzfeld. Die Familie Heitzfeld ist aus Ologau hierhergezogen. Der Name Heitzfeld weist auf süddeutschen Ursprung hin. Bei den Juden hiess noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Ortschaft Heidingst'eld a. M., die zum Gebiet des ehemaligen Hochstifts Würzburg gehört hat, Heitzfeld. Der Mutter Vater war nach dem Oppenheimschen Testament der 1808 in Langendorf begrabene Mendel Oppenheim, ln welchem genealogischen Zusammenhang er mit der grossen Sippschaft Oppenheim steht, ist mir unbekannt. Im vorliegenden Fall sind die Nachfahren viel• leicht noch weltbekannter als die Ahnen. Die letzte Trägerin des Namens war die Baronin Cohn-Oppenheim, die in Dessau durch ihre reichen Vermächtnisse ihren Namen verewigt hat. Des Vaters Vater hiess nach der Aufzeichnung im Aufnahmebuch der Krankenverpflegungs-Gesellschaft Feitel Braun. Hier setzt nun meine Phantasie ein. Im Volksmunde wird heute noch die Stadt Berun, Kr. Pless, B’raun ausgesprochen. Unter den Abnehmern der Mendelssohnschen Pentateuchübersetzung erscheint im Pränunerantenverzeichnis unter der Ueberschrift Berun bei?1685^ר׳פייטל ב;ר וראלף• Diesen R. Feitel möchte ich für den Vater Heymann Lassalles halten. Dazu kommt, dass auf dem Grabstein dieser Chajjim Lassalle als der Sohn des R. Veitei Wolfs ohn bezeichnet wird. Die Annahme wird noch unterstützt durch die feststehende Tatsache, dass die wenigen, im südöstlichen Oberschlesien wohnenden reichen Grenzjuden (Oppenheim, Grätzer, Piessner, Skutsch, Marie usw) allesamt in der verschlungensten Weise miteinander verwandt und verschwägert waren, ln meinen vor Jahren erschienenen Aufsätzen über Abraham Muhr, Samuel Skutsch usw. habe ich wiederholt darauf hingewiesen und kann jetzt nicht näher darauf eingehen. Hier interressiert uns nur die Tatsache, dass eine Tochter Mendel Oppenheims an R. Feitel, den Vater Heymann Lassalles*), der, wie ich an- *) Ein weiteres Schreiben von Prof. Dr. Brann an den Herausgeber enthält'folgende hieher gehörige Steile: Es fragt sich nur noch, weshalb Feitels Sohn Chajjim oder Heimann sich nicht mit einem der schönen Namen ״Braun“ (Berun) oder ״Wolfsohn“ ״-־־- an dem letzteren Namen hielten seine Schwestern fest — begnügt hat, sondern sich den noch schöneren ״Lassal“ oder sogar etwas modern französiert ״Lassalle“ gewählt hat. Die Antwort liegt m. E. nahe. Herr Feitel, denn wir 1783 in Berun treffen, muss etliche Jahre später nach Los lau (Kr. Rybnik) übersiedelt sein. Denn hier wurde, wie urkundlich aus der mir vorliegenden Todesanzeige vom 21. Oktober 1862 hervorgeht, Heymann Lassel im Jahre 1790 oder 1791 geboren. Einen Geburtsschein habe ich bisher nicht auftreiben können. Den mehr oder minder guten Familieuüberlieferungen folgend, nach denen Feitel Wolfsohu sich von den Loslauern Feitel Braun nennen liess, bezeichnete sich nun sein Sohn Chajjim oder Heymann Woifsohn, als er hierher nach Breslau zog. hier als Heymann Lassel oder Loslau, weil er eben aus Loslau war. Quod erat demonstrandum. Wers nicht glaubt, beweis* mir, dass ich Unrecht habe, und ich will gern öffentlich mein Unrecht eingestehen und der Wahrheit die Ehre geben.