Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1-3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdischen Bewohner Pressburgs im Jahre 1736. Von Dr. Bernhard Wachstein. Herrn Dr. flliBGRT KUH in freuer Freundschaff zugeeignet. Das Alter der letzten jüdischen Ansiedlung, also der jetzigen jüdischen Gemeinde in Pressburg, reicht bis etwa in das vorletzte Dezennium des 17. Jahrhunderts hinauf. Die Kenntnis der Volkszahl, der ökonomischen Grundlage sowie der Zusammensetzung der Gemeinde in einem wenig mehr als 2 Menschenalter weiter liegenden Zeitpunkte ist gewiss nicht ohne Interesse. Die im folgenden zum Abdruck gelangende Konskriptionsliste aus dem Jahre 1736, deren Abschrift ich der Freundlichkeit des Hrn. Bernhard Mandl verdanke, macht uns mit dem Familien- und Hausstand der Mitglieder zahlenmässig bekannt, führt uns ihre Berufsarten vor und gibt auch zum Teil ihre Herkunft an/) In letztem Belange wissen wir freilich nicht, ob der Ursprungsort sich bloss auf die Personen, die Gegenstand der Konskription sind, bezieht oder auch auf ihre Eltern oder sonst die ersten Siedler. Sussmann Oppenheimer (1)**) und Samuel Low Oppenheimer (77), beide Urenkel des bekannten Finanzmannes Samuel Oppenheimer, kommen mit ihrem Vater Löw, der 1721 noch in Wien lebte, nach Pressburg. Als Herkunftsort wird Heidelberg, nach dem noch der Hoffaktor gelegentlich benannt wird, angegeben. Lehmann Herz (43), der Sohn des ebenfalls dem Reiche entstammenden Herz Lehmann, wird als „Origine Palffianus" bezeichnet. Hiezu muss allerdings bemerkt werden, dass Herz Lehmann bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Pressburg gewohnt haben dürfte, und dass die Familie in hebräischen Quellen durchwegs den Beinamen „Pressburg" führt. Diese verschiedenen Bezeichnungen könnten demnach das besondere Rechtsverhältnis zur Grundherrschaft andeuten. Israel Herlinger „aus Wien" (14) und Ahron Schreiber aus Gewitsch (15) gehören beide der Familie Herlingen an, nur dass der eine selbst der alten Judenstadt in Wien entstammt, der andere aber aus dem Einwanderungsorte Gewitsch nach Pressburg kommt. Aus der Bezeichnung *) Das ungarische Landesarchiv in Ofen besitzt einen Sammelband, der alle 1736 von den Comitaten eingeforderten Conscriptionslisten enthält. Herr Schuldirektor Bernhard Mandl hat in seiner im „Evkönyv" 1914 erschienenen „Geschichte der Juden von Scenicz" diese Conscriptionslisten benützt und damit weitere Kreise auf diese wichtigen Archivalien aufmerksam gemacht. Eine vollständige Veröffentlichung dieses für die Genealogie, Demographie und Kulturgeschichte außerordentlich wertvollen Materials wäre eine dankenswerte Aufgabe einer gelehrten Gesellschaft. **) Diese sowie die folgenden Zahlen beziehen sich, soweit aus dem Zusammenhang sich nicht ein anderer Sinn ergibt, auf die laufenden Nummern in der Konskriptionsliste.