Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 4, 5 und 6 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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45 Sie begrüsste im Namen der auswärtigen Mitglieder aufs herzlichste den Gedanken einer Familien Vereinigung und schilderte, wie sich die Tätigkeit der neuen Vereinigung denke. Nach einer Rede von Akiba Kornitzer (Wien), der das Wirken Akiba Egers- und seines Schwiegersohnes M. Sofer für die ungarische Judenheit pries, und nachdem Carl Lasch (Berlin) herzliche Dankesworte an die Einberufer des Familientages gerichtet hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Am nächsten Tage vereinte ein Mittagsmahl etwTa 60 Teilnehmer des Eger-Tages Auch hier wurden herzliche Worte in Rede und Gegenrede gewechselt. Die Herren M. H. Eiger (Zgierz), Simon Eger (Königsberg) und Wolf Rapaport (Przemysl). hielten Ansprachen in klassischem Hebräisch. Verschiedenes. Neue genealogische Literatur. Da infolge Raummangels ein Aufsatz über neuere jüdisch-genealogische Literatur ausfallen mußte, soll in Kürze darauf hingewiesen werden, daß in den letzten Monaten einige Bücher erschienen sind, die die einschlägige Literatur in erfreulicher Weise bereichern. Im Verlage W. Braumüller in Wien ist Dr. B. Wach st eins Buch über „die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien" erschienen, das in jeder Hinsicht als ein Standard work bezeichnet werden kann, in demselben Verlage auch Dr. M. Grunwalds Untersuchung über „Samuel Oppenheimer und seinen Kreis-', die viel wichtiges Material über die Wiener jüdischen Familien im 18. Jahrhundert bringt. Der „Jüdische Verlag" in Berlin hat nicht nur dem Familienforscher, sondern auch dem großen Lesepublikum durch eine Neuausgabe der „Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln" in der Übersetzung von Dr. Alfred Feilchenfeld, eine Freude bereitet. Der Berliner Verlag Louis Lamm hat sich durch Herausgabe zweier Werke sehr verdient gemacht: Die „genealogischen Studien über die alten jüdischen Familien Hannovers" von Dr. S. Gronemann halten viel mehr als der bescheidene Titel vermuten läßt und sind ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Juden in Nord Westdeutschland, während die „M emoiren des Ascher Lewy" (1598 — 1635), übersetzt von Dr. M. Ginsburger, uns mit den Elsäßer jüdischen Familien zur Zeit des 30jährigen Krieges bekannt machen. Für den jüdischen Familienforscher sind wohl alle hier erwähnten Werke unentbehrlich. K. Eine Familienbibel als Beweisdokument. Ein juristisch wie sozial interessanter Prozeß, der alle Instanzen durchlief, fand in Wien vor einem Senate des Handelsgerichtes unter dem Vorsitze des Oberlandesgerichtsrates S w o b o d a seinen Abschluß. Die allgemeine Versicherungsgesellschaft „Universale" hatte der Frau Regina Bauer die Auszahlung eines Teiles einer Versicherungssumme verweigert, weil das im Versicherungsvertrage angegebene Alter ihres verstorbenen Gatten im Widerspruch mit dem Geburtsschein stand. Die Klägerin legte dem Handelsgericht eine Familienbibel vor, in der in einer tortlaufend geführten Familienchronik das angegebene Geburtsdatum bestätigt war. Die Versicherungsgesellschaft verwahrte sich gegen die Zulassung von hebräischen Urkunden, zumal durch die Polizze ein anderer Beweis als Dokumentenbeweis ausgeschlossen sei. Das Bezirksgericht wies die Klage der Frau Bauer ab, da der Gegenbeweis gegen dei* Geburtsschein nicht gelungen sei. Das Handelsgericht als Berufungsinstanz bestätigte das erstrichteriche Urteil mit der Begründung, ein Gegenbeweis gegen den Geburtsschein sei durch die Versicherungspolizze vertragsmäßig ausgeschlossen. Der Oberste Gerichtshof hob jedoch die beiden erstrichterlichen Urteile auf und ordnete eine neuerliche Verhandlung an, indem er den Gegenbeweis gegen den Geburtsschein als zulässig erklärte.