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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1913-01-01 · 4, 5 und 6 (1913) · p. Seite 18

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
1 (1912-1913)
Issue
4, 5 und 6 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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L8 Der Geburtenrückgang der deutschen Juden in familiengeschiclitlicher Beleuchtung. Von Dr. Georg Herlitz, Berlin. Es ist schon viel länger als ein Jahr her, seitdem Dr. Theilbaber durch seine volkswirtschaftliche Studie: ,,Der Untergang der deutschen Jaden"1) die aligemeine Aufmerksamkeit und im besonderen die der jüdischen Öffentlichkeit in Deutschland auf die Frage der rein physischen Fortexistenz der deutschen Juden gelenkt hat. Auf Grund eingehender statistischer Untersuchungen versuchte er den Nachweis zu führen, daß sich seit einem Menschenalter in dem jüdischen Bevölkerungselement Deutschlands Erscheinangen geltend machen, die, wenn nicht stark retardierende Bewegungen einsetzen, die Zukunft der deutschen Juden aufs schwerste gefährden. In diesem Sinne war Theilhaber's Buch als ein Warnungsruf in letzter Stunde geschrieben, und sein Verfasser durfte wohl hoffen, daß wenigstens diejenigen, um deren Schicksal es sich handelt, «eine Aufstellungen nachprüfen und wenn sie deren Richtigkeit erkannt, umfassende Maßnahmen treffen würden, dem drohenden Untergang der deutschen Juden entgegenzuarbeiten. Theilhaber hatte sich gründlich getäuscht. Nicht nur, daß von den von ihm am Schlüsse seines Werkes gemachten Vorschlägen auch nicht ein einziger von den leitenden Persönlichkeiten der deutschen Judenheit in Erwägung gezogen worden ist nicht nur, daß man sich mit einer allen Verantwortungsgefühl Hohn sprechenden Oberflächlichkeit mit schönen Redensarten und mit Volksversammlungsphrasen über den Ernst der Situation hinweggetäuscht hat; nein, auch der einzige Versuch, die wissenschaftlich gestützten Argumente Theilhabers wissenschaftlich zu untersuchen und zu kritisieren, auch dieser Versuch bewies mehr den Wunsch, die für die deutschen Juden ja gewiß betrüblichen Tatsachen zu beschönigen und zu verschleiern, als den ehrlichen Mut zu sehen und zu sagen, was ist. Dr. Segall veröffentlichte in der Zeitschrift „Im deutschen Reich"3) eine Kritik des Theihaber'schen Buches, in der er sich bemühte, der Wucht der Tatsachen durch allerhand wissenschaftliche Ausstellungen und Einwände Abbruch zu tun. Da er den massenhaften Verlust, den die deutsche Judenheit alljährlich durch Taufe und Mischehe erleidet, als ein feststehendes und allgemein bekanntes Faktum nicht gut ableugnen konnte, wandte er sich mit umso größerer Schärfe und anscheinend glänzenden wissenschaftlichen Rüstzeug gegen die dritte der von Theilhaber festgestellten Tatsachen, gegen die Behauptung, daß im deutschen Judentum ein beständiger Rückgang der Geburten zu beobachten sei. Er warf dem Verfasser des Buches vom „Untergang der deutschen Juden" die Verwendung unrichtiger Zahlen in seinen statistischen Tabellen vor, beschuldigte ihn, in Unkenntnis der statistischen Forschungsmethode aus seinen Zahlen falsche Schlüsse gezogen zu haben, und konnte so bei der Mehrzahl seiner Leser den Glauben erwecken, der Bestand des deutschen Judentumes sei von dieser Seite her nicht bedroht, das von Theilhaber ausgerechnete Minus an Geburten sei nicht vorhanden. Theilhaber wehrte sich seinem Haut und unterzog die Kritik Segalls in derselben Zeitschrift3) einer meines Erachtens treffenden Antikritik, ohne jedoch seinen Gegner — oder besser seine Gegner, denn hinter Segall stand und steht geschlossen fast das ganze offizielle deutsche Judentum — zu überzeugen. Auch einem zweiten Versuche Theilhabers, einem Aufsatze im „Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie"4) gelang das nicht, konnte es freilich auch nicht gelingen, da Theilhaber sich in ihm an einem Beispiel mehr mit der Frage des Übertritts der Juden zum Christentum und ihren Mischehen beschäftigte und den *) München 1911. *} Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens 1911 Septemberheft. 5) Dezemberheft 1911. 4) IX. Jahrgang 1912, Heft 2.

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