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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1913-01-01 · 4, 5 und 6 (1913) · p. Seite 3

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
1 (1912-1913)
Issue
4, 5 und 6 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 rexekutionsarmee. Er scheint in grosser Gunst bei Kaiser Franz L, dem •Gemahl Maria Theresiens, gestanden zu sein, der ihm auch nach Beendigung des Krieges den Titel eines Hofagenten verlieh. 1769 hatte er die wichtige Erlaubnis erhalten, auch unter Christen wohnen zu dürfen, was ja den übrigen Juden noch verwehrt war. Als sein Sohn Naphtali Herz die Tochter des Baron Calmer v. Picquigny, des Vorstehers der deutschen Juden in Paris, heiratete, war dies eine Verschwägerung von zwei gleichangesehenen Familien. Sein Ansehen bei Hof und Regierung war so gross, dass seine gesellschaftliche Stellung durch seinen Übertritt keine wesentliche Veränderung erfuhr. Er convertierte am 17. Februar 1776 und nahm nach seinem Taufpaten Karl Grafen Pälffy den Namen Karl an.4) Kurz darauf richtete er an den Kaiser folgendes Gesuch 5) : .Allerdurchlauchtigst Grossmächtigst und Unüberwindlichster Römischer Kaiser. Allergnädigster Kaiser, König und Herr Herr. Euer Römisch Kaiserlichen Majestät! Alle weitläufige Umstände zu vermeiden und damit ich meine dem allerhöchst Kaiserlichen Hof allerunterthänigst geleisteten Dienste in möglichster Kürze darbringe, so ist es ohehin schon allergnädigst bekannt, wie ich als Entreprenneur die Kaiserliche Reichs Executions Armee im letzt Preussischen Krieg mit denen benöthigten Naturalien in einem solch erleichterten Preiss verpfleget, dass in anbetracht des vor mir gewesen Entreprenneur von Ö 11 i n g e n durch mich alleinig dem Allerhöchsten Aerario eine Ersparung von Millionen* zugewendet worden; wie ich auch weiters Zeit dem letzt erfolgten Frieden her die Einzahlungen deren geistlichen Decimal und Trouppenreluitions Gelder — dann Römer Monate — auch Rückzahlungen deren aus der Kaiserlichen Reichs :F e 1 d Kriegs Kasse wehrend für gewesenen Preussischen Krieg geleisteten Anticipationen in dem Heiligen Römischen Reich übernehme und zugleich in beträchtlichen Summen vor den Nuzen des erstermelt allerhöchsten Aerarii mit einer sehr geringen Provision in Euer Römisch Kaiserlichen Majestät und die auch Kaiserliche Reichs Feld Kriegs Kasse anher über mache und abführe. Sowohl .über die Zufriedenheit meiner aufgehabten Besorgnissen als auch obermelter Nuzens 'Verwendungen kann ich mich auf noch inlebende Zeugen Schäften den Kaiserlichen iReichs Vize Kantziern Fürsten vonColloredo Hochfürstlichen Gnaden :auch den General Feld Marschallen und Hof Kriegs Raths Presidenten Grafen von H a d d i k dann den Generalen Feldzeug meistern ■Grafen von Wilzek Excellenzen beziehen. Ich erhielte zwar schon damals gleich nach erfolgten Frieden von E. Kaiserlichen Majestät Francisci ]mi Höchstglorwürdigen Angedenkens den Charakteur eines Kaiserlichen Hofagenten wie .ich auch in eben demselben von Euer Romisch Kaiserlichen Majestät weiters allergnädigst bestätigt worden und ich wurde zu dieser Zeit wie viele andere die sich zum Dienst und vor den Nuzen des allerhöchsten Hof verwendet auch noch besonderer 4) Lange Jahre nach seiner Taufe schreibt Mozart, den Carl Abraham Frh. v. W. sehr förderte, folgendes über ihn : „da fällt mir eben ein, dass ich Ihnen immerzu schreiben vergessen habe, dass ich seit anderthalb Monathen ein anders Logis habe — aber auch auf der hohen Brücke — bei Herrn v. Wetzlar, einem reichen Juden. Ludwig Nohl, Mozarts Leben, S. 341. — Das in Mor. Bermanns Roman „Maria Theresia und der schwarze Papst" (Wien 1871) über Carl Abraham Frh. v. W. mitgeteilte, ist sicher eine Erfindung. 5) Wir bringen den Text nach einer alten, offenbar aus der ersten Hälfte des 19. Jahrh, stammenden Abschrift, die uns frdl. zur Verfügung gestellt wurde.

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