Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 50 (14.12.1844)
- Date
- 1844-12-14
- Page
- Seite 200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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200 ' schriften aus dem Korün angenommen uud nicht aus dem väterlichen Gesetze geerbt. Die Fasten halten sie wie die alten Juden. Wie tbir es von den Pharisäern wissen, so fasten auch sie ״zweimal die Woche" und legen ein großes Gewicht daraus. Die Nestorianer selber anerkennen den israelitichen Ursprung dieses Gebrauches. ״Bei einer Gelegenheit" — schreibt mein Freund Hr. Stocking — ״hörte ich den Bischof und Priester im Neuen Testamente lesen und die Rede kam auf die Mishelligkeit zwischen den Gläubigen aus den Juden und denen aus den Heiden , veranlaßt durch das Festhalten der erstem an ihren väterlichen Gebrauchen. Da bemerkte chic einer der Priester, dieselbe Verschiedenheit finde auch zwischen uns statt. Wir — sagte er — sind ursprünglich Juden und halten unsere Fasten, ihr aber seid Christen aus den Heiden und denket nicht darM, unsere Gebräuche anzumhnehmen." '! Unter den Festen steht ihnen das Oster- oder Pässah-Fest oben an. Sie nennen es mit dem alten Namen wie die Juden, Pascha, in der Feier desselben hat aber der Glaube an Christus bei ihnen die Aenderung veranlaßt, daß sie statt des Osterlammes im Abendmahle die Zeichen seines Fleisches und Blutes genießen. Im Uebrigen ober wird das Fest großentheils nach den alten israelitsichen Vorschriften begangen, was denn auch überhaupt von allen ihren Fasten und Feiertagen gilt. Die Beschneidung haben die Nestorianer nicht, ind-m sie erkennen, daß dieselbe durch die Taufe aufgehchen sei. Sie taufen die Kinder am achten Tage, oder auch spater, nie aber früher. Es findet bei der Taufe meistens, doch nicht überall, die Untertauchung statt. Lese -Zimmer. Schemuel Alvalensi, der tapfere u. treue Kaid. *) Schemuel Alvalensi war einer der aus Spanien vertriebenen Juden. Von seinem Vaterlande durch eine beschränkte, pietistische Politik ausgestoßen, wanderke er nach Afrika und erwarb sich die Liebe und die Huld des Königs von Fez, der damals aus der Familie der Merines war. Spater ereignete es sich, daß die Scherife wider die Merines sich empörten, sie tödteten und der Königswürde beraubten. Dieses Ereiguiß machte einen so schmerzlichen Eindruck auf den dankbaren und treuen Schemuel Alvalensi, daß ec, sein Leben, Vermögen und alle Habseligkeiten einer offenbar ren Gefahr preisgebend, mit andern von dsn Merines gewählten Kaid's sich verband. Diese rüsteten einige Schiffe aus, und wählten den tapfern Alvalensi zu ihrem Anführer *) Nach dem Spanischen. Bergl. Nomologia, S.306—305 ׳. gegen die Scherife, die damals die Festung Ceuta (bei den Spaniern Cepta) belagerten und die Vertheidiger derselben, die Unterthanen des Königs Don Manuel, harr bedrängten. Die Schiffe unseres Alvalensi langten indessen im Häfen von Ceuta an, und nachdem er die Mannschaft an's Largesetzt, wartete er die paffende Nachtzeit ab — und rm vierhundert Mann griff er das Heer, der Scherife an, das mehr als dreißig Tausend Mann zählte. Mehr denn fünf.Lausend der Feinde hatte ec getödtet, ohne nur einen . Einzigen seines kleinen Heeres verloren zu haben. Am folgendem -Tage hob das Heer der- Scherife die Belage: rung auf und zog sich nach Fez zurück. — Dies die Heldenthat, die Treue, die Ergebenheit^ die Aufopferung eines Judenfür seinen König; .dies war ein jüdischer Krieger, dem vielleicht die Schleswiger,-Wenige aus ihr§r Mitte an die Seite setzen können: - Schleswig ist ein Herzogthum ' - .Bon gar feinen Nasen;. . . In dem ganzen Judenthum' . - ■ Wittern sie .blos HaseG , . Ei, die Herr'» könnetz Mir ° Auf die Jagd doch gehen: ■׳ ־ Statt der Hafen würden sie Juden wohl nur sehen, . . , Vermischte Nachrichten. Aus Schub in wird über ein wohlorganisirtes Gememdeleven, Schul - und Kultuswesen berichtet. Auch kleine. Gemeinden sehen wir aus dem Schlamme der Borurtheile sich emporarbeiten. In Detmold war den Juden seit den 13. Marz 1843 erlaubt, mit Oel und Branntwein en gros Handel zu treiben. Durch den Neid christlicher Kaufleute gab die Negierung die Erklärung, daß sie unter Handel en gros blos den Verkauf an Händler und nicht an Konsumenten verstehe. Das Recht hat eine wächserne Nase! — Einem jüd. Arzt in Königsberg wurde die Erlaubniß zu einer ge-- mischten Ehe verweigert. — Der edle und freigebige Hr.To des ko in W i e n ist ausder Mitte der Lebenden geschieden. Die Armen .haben an diesem Manne einen ihrer edelsten Beschützer verloren! In dem Herzen derer, denen seine Güte in so reichem Maaße zugeflossen ist, lebt er immer fort. — Dr. Frankel in Dresden hat den Eid als Staatsgeistlichec abgelegt. Bemerkung. Die Redaktion des in Hamburg erscheinenden ״Telegraphen" behauptet, das ,.Sabbath-Blatt" hätte einige Seiten aus der Schrift: ״die Juden in Rußland" nachgedruckt, ohne daß es ausdrücklich bemerke worden wäre. Dies klingt sehr sonderbar, indem in Nr. 45 d. Bl. die Quelle vollständig angegeben wurde. Daß der Ausdruck ״vergleiche" nicht genüge, erfahre ich alis dem ״Telegraphen" zum ersten Mal. — Uebrigens ist, nach mehrernJournalen, HerrLouis Simon der Verfasser jener Schrift. Die Red. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.