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Sabbath-Blatt · 1844-12-07 · 49 (7.12.1844) · p. Seite 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
49 (7.12.1844)
Date
1844-12-07
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196״ einem tüchtigen Besen und fegte die Spinne mit ihrem kunstreich gefügten Systeme fort. Nur keine Systeme der Theologie und keine Theologen, die für Pfeiler des Erdenballs und der Menschheit sich ha'׳, len! Keine Drohungen, keine Bannstrahlen gegen Andersdenkende und Andersgläubende! 2. Holländisch-jüdische Soldaten. ׳ Im Jahre 1832 belagerte die französische Armee die FestungAn twerp en, welche von einer holländischen Garnison besetzt war, und nach einer langen und mörderischen Velagerung wurde die Citadelle eingenommen. Die Belagerter^ welche die höchste Noch erleiden gemußt und sich tapfer vevi! theidigt hatten, verließen die Citadelle unter den üblichen kriegerischen Ehrenbeweisen und nahmen die Achtung ihrer Siöger mit sich Als die Holland. Garnison, 50,000 Mann stark, nach Amsterdam,, wo sie eine begeisterte Aufnahme fand, zurückkam, bemerkte man, als sie am jüd. Quartier vorbeizog, daß die Reihe um ein Zehntel sich verringerte: uu: gefähr 500 Israeliten nämlich gehörten zu den tapfern Vertheidigern von Antwerpen, und diese waren in die Arme ihrer ז Eltern geeilt, welche, stolz auf ihre Söhne, sich heute noch rühmen, daß die modernen Israeliten ihren heldenmüthigen Ahnen an Muth und Unerschrockenheit nicht nachstehen. — Giebt es blos Schacherjuden, oder kann auch ein Schacherjude den Quersack mit dem Gewehre vertauschen, wenn dtzs Vaterland es will? Welche Stirne gekört dazu, den Abköwälingen der Makkabäer, der muthigen und unerschrockenen Kaufleute des Mittelalters, die Fähigkeit zum Kriege abzusprechen? Will man bessere Beweise von dem Muthe, der Ausdauer, dem Ertragen von Mühen und Entbehrungen der Juden als ihr Dasein trotz Verfolgungen und Anfeindungen? 3. Der Schreiber. Aus dem Persischen. Jemand ging zu einem Schreiber und sagte: ״Schreibe mir einen Brief." Dieser erwiderte, daß er Fußschmerzen habe. Da versetzte Jener: ״Ich will dich doch nirgendswo hinschicken, daß du dich auf diese Weise entschuldigst?" ״Du hast allerdings richtig gesprochen," antwortete dieser, ״allein so oft ich für Jemanden einen Brief schreibe, werde ich geholt, um ihn zu lesen, — da Niemand es im Stande ist." — Viele ׳Mitarbeiter an diesem Blatte könnten ein Gleiches sagen. 4. Die israelitische Freischule in Hamburg. Dieses berühmte Institut, unter der Leitung des noch berühmtem Hrn. Dr. Kley, steht, seinen Wirkungen nach, vereinzelt inDeutschland da. So eben wird uns aus Hambürg berichtet, daß ein ehemaliger Aögljng dieser Schule zur Vermählungsfeier des Hrn. Oberrabbiners I. Kahn zu Trier, eine dramatische Bibelscene ״Betuel und Rebekka" gedichtet. Obwohl jetzt Handlungskommis in Leer und daher kein Literat vom Fache, hat doch der ehemalige Zögling der isr. Freischule seinem Lehrer das Aeugniß gegeben, daß die unter dessen Leitung stehende Schule tüchtig durchbildete Männer entlaßt, die gediegene Arbeiten zu liefern im Stande sind. Wir wünschen Herrn Kley ferner Kraft zur Leitung und wollen unsere Leser auf die obengenannte Arbeit, die wir milcheilen werden, aufmerksam gemacht haben. Mögen uns noch mehre Beweise von dem Gedeihen des Schülwösens, der Wurzel, der Bildung unter den Juden, zukomMen! Vermischte Machrichten. Durch ein Dekret Napoleon's vom Jahre 1804 ist verordnet worden, daß kein Jude (in den Rheingegenden) irgend einen Handel oder irgend ein Kauf- oder Lauschgeschäftsbetreibe, ohne ein von der Administrativbehörde ausgestelltes Moralitätspatent zu besitzen, das jedes Jahr erneuert werden muß. Diese Verordnung hat noch jetzt gesetzliche Kraft, und nach der konstanten Jurisprudenz der hohen Gerichtshöfe sind Handelsgeschäfte von Juden, die jenes Patent nicht haben, null und nichtig. Dieses Judenpatent soll nun ausgehoben werden. — In Algier leben 11,248Sudey, die aus Europa hinzugekommencn nicht mitgerechnet. — Der Stadtrath Benda in Berlin ist als Deputirten des Magistrats bei der Staatsschuldentilgungs-Kommission erwählt worbe«. Hr. I. Lehmann ist als Translator im Ministerium der auswart. Angelegenheiten angestellt worden. — In dem Kanton Uri ist den Juden verboten worden, Zeitungen zu kolportirm. — Aus Berlin wirb über die wohlthätige Wirkung der B. A u erb ach'schenWaisenhäuser berichtet. Der bekannte jüd.Schriftsteller Baruch Lindau ist jetzt zwischen 90 und 100 I.׳ alt und noch immer rüstig. — Unter der Leitung des Rabb. Hirsch in Luxemburg gedeiht das Schulwesen und erblüht ein neues, kräftiges Gemeindeleben. — Bemerkungen. Den Hrn. H. Gold st ein und A. Fuchs in Gleiwitz meinen Dank für das Interesse, das Sie an der literarischen und materiellen Förderung dieses Blattes nehmen. Der dritte Artikel, weil zu groß, kann erst im künftigen Jahre fortgesetzt werden. Gründliche, von Persönlichkeiten freie Besprechungen des jüd. Schulwesens werden stets Aufnahme finden. — Von den HH. C—n und M—n in H—g erwarte ich Antwort. — Den Beiträgen des Hrn. M—z I—k in N—l sehe ich entgegen. — Auf mehre Anfragen, die beiden Nummern des S.-Bl. betreffend, in welchen das treffliche Gedicht״׳Israel" abgedruckt ist, erwiedcre ich im Namen der Verlagshandlung, daß die betreffenden Nummern ü 2 Sgr. zu beziehen sind. Die Redaktiok. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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