Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1844-10-19 · 42 (19.10.1844) · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
42 (19.10.1844)
Date
1844-10-19
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8620046-8637379-8640872--617-8620537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16S tere, in seinen Vermögensumständen zerrüttet, um ein Darleihnn von tausend Piastern ihn ersuchte. Ich leihe nicht Ungläubigen, antwortete der Bigote, wenn du aber Muselman werden willst, so schenke ich dir die verlangte.Summe. Der Sohn Jakob's, von der Noth getrieben und übrigens charakterlos und ohne religiöse Grundsätze, willigte in den Vorschlag, wurde Muhammedaner und erhielt die versprochene Summe. Kurze Zeit darauf begegnete der Derwisch dem Neubekehrten, und als er erfahren, daß dessen Unternehmun: gen gedeihen, rief er aus: ״Habe ich dir nicht vorhergesagr, daß die Religion Muhammed's mehr werth sei, als dieMose's?" ,,Ich glaube es nichts' versetzte der Bekehrte keck. ״Wie, du Unseliger!" ״Es ist ganz einfach, und auch du denkest so, da du mir, als ich meine Religion gegen die deinige eintauschte, tausend Piaster dazu gegeben?׳ 2. Glaubensfreiheit. Maria von Medicis hatte einen berühmten Arzt, Namens Montalto, aus Italien holen lassen. Dieser war jü-, bischer Religion und gab seine Einwilligung, am französischen Hofe zu erscheinen, nur unter der Bedingung, daß er daselbst die Handlungen seines Kultus frei ausüben könne. Sobald er in Paris angelangt war, ließ ihn Heinrich IV. zu sich rufen und sprach zu ihm: ״Die Gewissensfreiheit ist eine heilige Sache, Gott verhüte, daß ich sie verletzte; übet daher Ihr und Eure Familie, den Kultus Eurer Väter ungestört aus; Euer religiöses Gewissen bürgt mir für dasGewissen des Arztes." Der König that noch mehr, er überhäufte den Montalto mit seinen Gnadenbezeigungen, und seine Achtung des religiösen Gewissens ging so weit, daß er ihm Vorspann geben ließ, wenn dieser Freitags entfernte Kranke besuchen mußte, damit er in Paris vor Sonnenuntergang anlangen könne und die Sabbatruhe nicht zu verletzen brauche. 3. Der Name ״NapaporL." Dieser Name hat sowohl unter Juden als Christen eine solche Berühmtheit erlangt, daß die Erklärung desselben ge: wiß nicht ohne Interesse sein wird. Der Vers, des Pentateuchkommentars מנחה בלולה (Verona, 582. 4.) unterfertigt sich: רופא פורטא. In vielen Gutachten (הסכמות) erscheint dieser Name auch unter: רופא מפורסא. Nun sinden wir das genannte Werk des }ר׳ אברהם מנחם הכה im Heidenheim'schen Katalog (Rr. 91) unter dem Namen: מנחה כלולה ר' אברהם כהן ראפאפורט. Der Name Rapaport ist daher aus רופא (Arzt aus Porto oder Oporto in Portugal) entstanden. Eine fernere Bestätigung ist, daß die Familie R. eine priesterliche ist. - S. G. Stern *). *) Der Herausg. des Parchon'schen Lerikons. Die Ned. 4. Mancherlei. a) Der älteste Abriß einer biblischen Geschichte in hebräischer Sprache sind die Kapitel 45:—50 im Buche Ben - Sira (geschrieben 192 v. Ehr.); denn bekanntlich hat Ben-Sira sein Werk in hebe. Sprache geschrieben. b) Das älteste Calembour in hebräischer Sprache ist uns in einem von Talmud (Ecubin, 53) aufbewahrten Spruche Ben - Sira's erhalten worden. Es heißt dort nämlich: -״ בשאול מי יורע לןIn der Unterwelt wer macht es dir bekannt" (ob nämlich die Kinder das Erbe behalten oder verlieren), was mit Psi 6, 6 {בשאול מי יודה לך) verglichen, ein Calembour bildet. c) Das lateinische Svrüchwort: in yino verilas (im Weine die Wahrheit) kennen Ben Sira (31, 33), der Talmud (נסנס יין יצא סור) und ein Apokryphon des Talmuds (בג׳ דברים ארס ניכר בכיסו בכוסו ובכעסו; Mas. Derech Erez). Vermischte Nachrichten. In London ist Hr. Salomons zum Alderman gewählt worden. — Unter der Geistlichkeit, die den König von Preußen bei seiner Ankunst in Berlin empfangen, bemerkte man auch den Rabb. Oettinger. Derselbe wurdd auch zur königlichen Tafel geladen. — In der Philologenversammlung zu Dresden waren auch mehrere jüdische Gelehrte (Fürst, Geiger, Freun b, Stern, Frankel, Landau, Steinschneider) anwesend. — lieber die galizischen Juden ist so eben eine treffliche Schrift erschienen, auf die wir bald zurückkommen werden. — Hr. E. Max in Magdeburg hat vom König von Preußen den Titel Kommerzienrath erhalten. Krakau, Sptbr. Auf dem Landtage zu Krakau soll der Beschluß gefaßt worden sein, in der nächsten Session (also nach einigen Jahren?) auf die Berathung über die vollständige Emancipation der Juden zurückzukommen. Bei dieser Gelegenheit wird erinnert, daß schon im Jahre 1788 der polnische Reichstag mit demselben Plane umging, daß aber derselbe eben so wie die Konstitution vom 3. Mai 1791 überhaupt an der. zweiten Theilung Polens scheiterte. Wahrhaft grausenerregend ist gerade jetzt die Lage der Juden in Rußland und Polen. Möchten doch bald Ereignisse eintreten, die jeden Zweifel an dem Siege der Gerechtigkeit bannen. Druck von I. H. Nagel in Leipzig. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.