Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1844-10-12 · 41 (12.10.1844) · p. Seite 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
41 (12.10.1844)
Date
1844-10-12
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8620046-8637379-8640867--612-8620533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1317. Kaiser Ludwig von Baiern verpfändete der Stadt Speier die Juden oder Kammerknechte, für die Summe von 4000 Pf. Denare, die beinahe 17,000.Franks ausmachen. Kraft einer Bullendes Papstes JohannXXII., vom Jahre 1317 und an die Inquisition Frankreichs gerichtet, entscheidet das Oberhaupt der Kirche, daß es kein Asyl sür geraufte zum Judenthum zurückkehrende Juden gebe, und daß sie allenthalben wo man sie finden würde, selbst in Kirchen und andern heiligen Oertern, wo die Schuldigen vor dem Arme des Kirchengerichts gewöhnlich geschützt sind, verfolgt und ergriffen werden sollen. Philipp der Lange erklärte in einer Ordonnanz von diesem Jahre, daß die Juden nicht mehr Untcrthanen todter Hand (d. h. als immer fortdauernde Stiftungen betrachtet) sein könnten, und daß ihnen das Erbrecht nicht entzogen werden könnte. Dieser Fürst entschied auch, daß sie in der Champagne und anderwärts nur nach Maaßgabe ihrer Güter besteuert werden., und daß sie nur dem Gerichtszwange ihrer Baleien unterworfen sein; daß sie, im Falle sie Vergehungen halber eingesperct werden, eine Kaution geben können; und daß ihre Personen, Güter und Bücher nicht eher in Beschlag genommen werden können, bis die Landvogte und Baleien der Gründe der Beschlagnahme gewiß sind; es wurde ihnen ferner eingeschärft, gute Waaren zu verkaufen, unter Androhung der Strafe der Pflichtvergessenheit im Falle der Betrügerei. Unglücklicherweise waren diese günstigen Maaßregeln des Gesetzes im Widerspruche mir den Sitten des Volkes und in Lsmselben Jahre, wo der König von Frankreich diese Vorrechte ertheilte, nöthigte man die Jsr. zu Montpellier, ein Abzeichen an ihren Kleidern zu tragen. 1319. Die Juden zu Breslau, auf deren Rechnung der Pöbel Feuer anlegte, wurden aus dieser Stadt vertrieben. (Fortsetzung folgt.) 2. Gutachten über die Eidesleistung der Juden. (Fortsetzung.) Daß die durch die Typographie ausgegebenen Bibeln, jenen auf Pergament kalligraphisch geschriebenen Tora-Rollen an Heiligkeit gleich kommen (obwohl elftere zum Vorlesen in der Synagoge nicht fähig sind) haben schon mehrere Gelehrte gehörig erörtert, und umständlich nachgewiesen, als Ture Scchab, Jore Dea. Kap. 271, § 8. Magen Abraham Kap. 284, § 1. Beer Scheba Nr. 37. Masset Benjamin Nr. 99. Knesset-Ezechiel Nr. 37. Folglich sind die, in der Residenzstadt Wien, eingeführten Beeidigungen bei dm in der Schmid'fchen Officin aufgelegten Bibeln, sowohl in Quartals in Oktavsormat, selbst nach der von den Rabbinen bereits eingeführten Ordnung und festgesetzten Bestimmung von der Nothwendigkeit der Berührung heiliger Gegenstände während der Eidesleistung, vollkommen gesetzlich giltig und rechtskräftig. (Fortsetzung folgt.) Vermischte Nachrichten. Dr. Hcrxheimer hat das ״Kol-Nidre" bereits an diesem Versöhnungstage abgeschafft. — Die preuß. und baier'schen Freimaurerlogen versagen den Juden die Aufnahme. Die franz. und engl, hingegen kennen keinen Unterschied der Konfessionen. — Hr. Schwabacher, Kandidat des Predkgeramtes, predigte im Tempel zu Leipzig am 2., Snkkotfcsttage und erwarb sich den Beifall seiner zahlreichen Hörer. Hr. Schw. hat ein sonores Organ, und einen schönen Vortrag: Eigenschaften, die ihn zum Redner befähigen. — In Trebitsch (Mähren) muß der Unterricht in der jüd. Religion von einem christl. Lehrer geleitet werden! — In Stockholm werden, wie der ״Orient" berichtet, Reformen im Kultus vorbereitet. — Die Protokolle der ersten Rabbincrversammlung zu Vraunschweig sind bereits erschienen. — In Preußen dürfen, nach einer k. Verordnung, neue Synagogen nur mit besonderer Genehmkgung der Regierung erbaut werden. — Der Kaiser von Rußland hat, bei seiner Anwesenheit in London, 350 Lhlr. an jüd. Anftaltcn geschenkt. — In New - Sydney (Australien) wurde am 2. April eine Synagoge eingeweiht. Liter arische Anzeige. Bei A. Bielefeld in Carlsxuhe ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Gottesdienstliche Vorträge gehalten von Dr. Elias Grüuebaum, Rabbiner des Bezirks Landau in der Pfalz. gr. 8. geh. 20 Ggr. oder 1 Fl. 20 kr. Bemerkung. Die vielen sinnentstellenden Druckfehler in der letzten Nummer dieses Blattes bitten wir mit einer unvorhergesehenen Störung im Drucke zu entschuldigen. In der historischen Skizze muß sür 1304, 1314 gelesen werden. Die Redaktion. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche kn Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.