Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 39 (28.9.1844)
- Date
- 1844-09-28
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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156 crkenncnowerth ist die Sorgfalt, die er dem Schulunterricht widmet. — Noch hätte ich Ihnen mehre Rabbiner von altem Schlage zu nemren, die aber nach Kräften sich der: Anforderungen der Gegenwart zn fügen suchen, als Joel, Rabbiner in Schwerin und dessen Sohn, Nabb. inSchwcrfeng, Lbweustamm in Fraustadt, Jaffe in Schuunzel u. a. Unter den übrigen stndet man wohl einige, die als talmudische Celebritätcn glänzen, als die Rabbiner zu Schönlanke, Jnvrazlaw, Jarotschin, doch haben diese für uns kein weiteres Interesse. Ich schließe heute meinen Bericht; sollten Ihnen diese abgerissenen Notizen über meine Heimath genügen, so würde ich die Fortsetzung meiner Reise durch Schlesien auch zur Fortsetzung dieser Skizzen benutzen. Lese -Zimmer. 1. Förderung der Eisenbahnen durch Juden. Wie viel schmähliche Vorwürfe hat nicht den Juden ihr thätiger, erfinderischer Handelsgeist zugezogen! Welch' ein ganz anderer Maaßstab wird an die Leistungen jüdischer Industrieller angelegt! Wahrend man sonst, den Fortschritt der Industrie allein v§r Augen habend, von den Vortheilen, welche dieses oder jenes Individuum von den Fortschritten und Erfindungen im Gebiete der Industrie zieht, ganz absieht, wird, sobald man auf die Juden, die Phönizier unserer Zeit, zu sprechen kommt, immer und ewig der allgemeine Nutzen, den die Menschen von dieser und jener, durch Juden in's Leben gerufenen Einrichtung ziehen, in den Hintergrund gedrängt und dafür der Eigennutz, die Bereicherungssucht derselben mit den grellsten u. abschreckendsten Farben gemalt. Die Anlegung von Eisenbahnen gehört gewiß zu den hervorstechendsten Forschritten, die je der erfinderische Geist des Menschen gemacht. Juden haben keinen geringen Antheil an der Förderung der wie im Sturm dahinrollenden Dampfwagen; ein Jude Pereire (ein Jude gleichen Namens hat im porigen Jahrhundert der Pariser Akademie zum ersten Mal bewiesen, daß es Mittel gebe, die Taubstummen sprechen zu lehren: vergl. Marines du Saiuedi!, 228) hat den Bau der ersten Eisenbahn zu Paris dirigirt; durch die Geldkräfte der Rothschilde sind die Eisenbahnen in Mähren und eines Theils in Oesterreich entstanden: was sagen aber unsere herzlichen Feinde? ״Geldspekulation und Eigennutz waren die Absicht und der Zweck. ״ Allerdings wird der Handelsmann auf seinen Nutzen bedacht sein; gewiß wird er sich nicht in seinem Diensteifer für Millionen von Menschen vergessen; dies darf aber den Werth der Leistungen״ wenn sie von Juden ausgehen, nicht schmälern. Einzelne Juden haben sehr viel zur Förderung der Eisenbahnen gewirkt: und das muß anerkannt werden. 2. Bedeutung undZAussprache der Namen לטיף und גיקיטיליא. So wie es uns unangenehm berührt, wenn wir unsere Namen verzerrt aussprechen hören, ebenso müssen wir uns bestreben die Namen dahingeschiedener großer Männer richtig auszusprechen. Der Name ר' יצחק לטיף) לטיף war ein berühmter jüd. Philosoph, Astronom und Geograph im 13. Jahrh.) wird gewöhnlich ״js,at6k" ausgesprochen und geschrieben; allein ■לטיף ist ein arab. Wort, das ״fein, niedlich" bedeutet und Jatff ausgesprochen wird. Man wird demnach R. Jizchak Latif aussprechen müssen. — Ueber den zweiten Namen habe ich in Nr. 35 d. Bl. geschrieben. Allein ich glaube, daß dieser Name ein Verkleinerungswort des spanischen chico, klein" ist und da; her die richtigere Aussprache ״T sch i kitilja" (chiqnitilla) sein wird. Vermischte MachrichLeu. Unweit der Stadt Tomaschow, im Gouvernement Masovien, soll durch den Isr. Abraham Elbinger eine jüd. Kolonie gebildet werden, wozu die russ. Regierung eine Strecke Landes hergegeben, dessen neue Bewohner sich hauptsächlich dem'Fabrikwesen und dem Ackerbau zu widmen haben. — Der französische ״Charivari" sagt sehr ernst-witzig, daß dieB erli ner JudenMm berüchtigten Tschech eine jährliche Pension bestimmt haben, weil er kein Jude ist; denn im entgegengesetzten Falle würde matz-gewiß alle Juden verdämmt haben. Die Juden in Mogadmr, 1300 an der Zahl, ha« den auch ein besonderes Judenquartier. — Die Schlcswig'sche Ständeversammlung hat die Juden von-der Militarpflichtigkeit ausgeschlossen. Die durch den Abgang des Dr. M. Sachs vakant gewordene Predigerstelle in Prag ist bis jetzt noch unbesetzt. Dr. Sachs ist bei Orthodoxen und Neologen sehr beliebt. — Gegen die Synagogenordnung des Dr. Hol.dheim lausen Klagen ein, und warum? — Das alte Lempellokal zu Hamburg wird von der portugiefischen Gemeinde benutzt werden. — Das neue Judengesetz für die preuß. Juden soll nach der A. Z. bald veröffentlicht werden. Die preuß. Regierung ließ Erkundigungen aus Landern cinholen, wo die Juden einer vollkommenen Gleichstellung, sich erfreuen, und obwohl alle Berichte für die Juden lauten,-bleiben die Letztern doch von der Bekleidung der Staatsamter ausgeMossen, Druck von I. H. NagWin Leipzig. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig.