Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 38 (21.9.1844)
- Date
- 1844-09-21
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8620046-8637379-8640864--597-8620521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
153 -Zimmer. Die Juden im XIV. Jahrhundert. Eine historische Skizze. (Fortsetzung) 1309. In Fulda verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden unter sich geschworen hätten, alle Bürger zu morden. Niemand konnte den Beweis für diesen Plan liefern, oder nur den Grund angeben. Dennoch rotteten sich die Bürger zusammen und tödteten 600 Juden, welche in der Stadt wohnten. In Frankreich sahen sich die Kommissare, welche beauftragt waren, die Schuldforderungen der verbannten Jsraeliten m allen Theilen des Reiches einzufordern, genöthigt, den Schuldnern eine Frist von 20 Jahren zu gewahren. 1311. War auch die Verbannung der französischen Juden, wie wir es oben berichtet haben, grausam, so dauerte sie doch nicht lange; allein 1311 wurde ein neues Exil von Philipp verordnet, der bis zu Ende seiner Regierung ihr Feind blieb. ״Es ist uns zu Ohren gekommen", sagt er in seiner Ordonnanz, ״durch ein glaubwürdiges Gerücht, daß die Juden, welche wir ihrer schrecklichen Verbrechen wegen weggejagt hatten, und die wir nur auf das Bitten ihrer Schuldner augenblicklich zurückgerufen haben, auf eine kecke Weise die Christen betrügen, die Witwen und Waisen unterdrücken und plagen, Jedermann durch ungerechte Pcocesse quälen, und, durch Schrecken und Drohungen, bedeutende Geldsummen sich bezahlen lassen u. s. w." Die Synode zu Ravenna, in I. 1311, nöthigt die Juden ein Abzeichen an den Kleidern zu tragen und setzte überdies fest, daß sie nicht langer als einen Monat an Orten, wo keine Synagogen sind, sich aufhalten dürfen. 1311. Tierry IV. von Katzenellenbogen erhalt von Heinrich VII. das Vorrecht, 12 Juden in dem Flecken Katzrnellenbogen zu halten, sowie 12 beim Schlosse Lichtenberg. 1312. Die Juden zu Worms, die wegen des Mangels eines Reglements von den Bischöfen immer unterdrückt wurden, benutzten die Empörung der Geistlichkeit und des Volkes wider den Bischof Emerich von Schaneck und versagten diesem Prälaten ihren Gehorsam und ihre Abgaben. Der Bischof beschloß, die Hebräer zufrieden zu stellen, und gab ihnen eine bürgerliche Verfassung: Zwölf bildeten einen Senat, dessen Vorsitzer das Volk den ,,Bischofder Juden" nannte, weil dieser die Rechte des Bischofs ausübte. 1314. Kaum war Philipp der Schöne tobt, als wieder Juden in Frankreich sich niederließen. Sie brachten diejenigen, welche während des Exils zum Christenthume übergegangen waren, wieder an sich, u. A. Einen Namens Denys Machault von Paris. Diese Bekehrung erregte großes Aergerniß; die Justiz trat inzwischen. Sieben von ihnen, welche die Bekehrung hervorgerufen zu haben beschuldigt waren, wurden eingesperrt, und der Probst verdammte sie zum Feuer; sie appellirlen an das Parlament; worauf dem Probst der Befehl wurde, von seinem Verfahren Rechenschüft abzulegen. Das Parlament verurtheilte die Appellirenden, nach eingezogener Begutachtung der Theologen, Denys zur christl. Religion zurückzuführen, im Gefangniß zu sitzen bis zur Rückkehr desselben, drei Sonnabende nacheinander mit Ruthen geschlagen zu werden, und zu 100 Livres Geldbuße; endlich verbannte sie noch der Hof aus dem Königreiche und zog deren Güter ein. (Fortsetzung folgt.) Vermischte Nachrichten. In New-Pork mußte die Polizei zu Hilfe gerufen werden, um die Ordnung in der Synagoge herzustellen. — Bor Kurzem starb Hr. H. Hurwitz, Prof, der oriental. Sprachen in London und Verf. der ,,Sagen der Hebräer." Die Kandidaten des Londoner Nabbinats sind: Hr. Adler, Obberrabb. in Hannover, Hr. Auerbach, Oberrabb. zu Darmstadt, Hr. Hirsch, Rabb. zu Emden und Hr. Hirschfeld, Rabbiner zu Wollstein. Allem Anschein nach wird Hr. Hirsch den Vorzug erhalten. — Unter den sranzös. Juden zeigt sich ein kräftiges Vorwärtsschreiten. In Hamburg wurde am 5. September ׳der neue Lempel eingcweiht. — In Neu-Kalden wurde das auf Kosten des edlen I. A. Saatfeld erbaute Gotteshaus am 7. Aug. eingeweiht. Dr. Holdheim begeisterte die Anwesenden durch seine Rede. — In Rendsburg wurde am 21. Aug. der Grundstein zu einer Synagoge gelegt. — Aus Breslau laufen traurige Berichte über die dortigen Zerwürfnisse ein. — Dr. Löw, Rabb. zu Groß-Kanischa, predigt bereits in magyarischer Sprache. Nach mehren Zeitungen kommt der berüchtigte russ. Ukas:wirklich zur Ausführung. Viele Familien haben bereits die Grenze verlassen. Das Jahr 1844 ist eines der traurigsten in der Geschichte der Juden. — In Leplitz (Böhmen) hat der Erzherzog Stephan, die dortige Synagoge, welche nach neuem Ritus eingerichtet ist, mit seiner Gegenwart beehrt. In Prag lebt ein Professor der Naturgeschichte an der Uni, versitat, der allen jüdischen Studenten, weit sie Juden sind, schlechte Klassen giebt. Dieser Prof, ist zugleich ein Czechomane. Berichtigung. In der vorigen Nummer, Seite 142, Zeile 4 v. o. lies ihr für ״sein." — In der״Judenhochzeit" lies Grapen für״ Grazen." Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.