Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 36 (7.9.1844)
- Date
- 1844-09-07
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Meir Rothenburg in Worms begraben, nachdem er für deffen Leichnam dem Kaiser Albrecht I., eine beträchtliche Summe gegeben hatte; die einzige Entschädigung, die er verlangt, ist, daß er nach seinem Tode an der Seite dieses frommen Rabbinen begraben werde. In demselben Jahre bestimmt Philipp, in einer Verordnung an die Landvogtei, Landrichter der Stadt Toulouse, daß die Juden der Landvogtei von Toulouse und Alby in jeder persönlichen, dinglichen, Civil- oder Kriminalklage, vor den gewöhnlichen Richtern ihres Aufenthaltes ihre Vertheidigung führen sollen, sowie die Christen, im Falle sie von Juden verfolgt werden. Beide mußten nach dem römischen Rechte gerichtet werden. 1304. Im folgenden Jahre verbot Philipp IV., nach!getroffener Uebereinkunft mit dem Herzog von Burgund, seineu Beamten, Klagen jüd. Wucherer des Herzogthums anzunehmen und die Burgunder zu verfolgen, welche der Herzog von der Erstattung ihrer Schuld freigesprochen haben würde. Au Messina (Sicilien) hatten die Rabb. Aharon Favi und Gaude de Tripoli 1304 einen Arzt in Bann gelegt; er appellirte an das königliche Gericht und jeder von ihnen wurde zu einer Geldstrafe von zehn Unzen verurtheilt.' 1306. Philipp der Schöne, der nach dem Vermögen der Israeliten feines Reiches Verlangen trug, ließ sie alle arretiren, konfiscirte ihre Güter, verbannte sie aus Frankreich, und ließ sie blos ihre Kleider mitsühren. Aum Glück war es die Zeit der Lehnbarkeit; während nun Philipp aus feinem Reiche sie verjagte und ihnen unter Todesstrafe den Eingang verwehrte, nahm sie eine Menge von Fürsten in ihren Staaten auf. So nahm der Dauphin Humbert 1. fra״.z. Juden auf, und veranlaßte sie, sich in Grenobel niedeczulasien und dort, nach einer einmaligen Abgabe von 40 Livres, und einem jährlichen Grundzins von 10 Livres für die Person, eine Bank zu gründen. 1306. Einige dieser Unglücklichen begaben sich nach Spanien, Italien und dem Orient; Andere flüchteten sich nach Belgien und Deutschland. Die belgischen Souvräns sowie der König Albert beschützten diese vom Schicksal Verfolgten, welche in ihren Staaten eine Zufluchtsstätte suchten. Der Markgraf Hermann von Brandenburg verbot den Juden zu Spandau Fleisch von deren Vieh feilzubieten. 1308. Heinrich VII. tritt der Kirche zu Straßburg die Juden von Wolsheim, Sulz, Ruffach rc. ab, daß sie der genannten Kirche unterthan und deren vollkommenes Eigenthum sein. In Brabant belagerten fanatische Vagabunden Genappe, wo 1308 der Herzog Johann II. den Juden zu wohnen erlaubte. Allein der Herzog stieß sie tapfer zurück und zerstreute sie. (Fortsetzung folgt.) 2- Cin verschriebenes persisches Wort im Talmud. Alle Lexikographen des Talmuds (R. Natan, Buxtorf Mufafia, Landau, Dessauer und auch Rapaport in seiner Biographie des R. Natan, Anm. 6) haben bis jetzt רונגר (Jebamot, 77; BabmMezia, 122) — welches ״Taglöhner^ bedeutet — geschrieben und dieses Wort, nach dem Vorgänge des R. Natan, vom Persischen hergeleitet. Allein nicht רון bedeutet im Persischen ״Tag," sondern!רו (ru8). Da 1 und! im Lesen von Handschriften leicht verwechselt werden können, so entstand dieser Jrrthum und man wird daher richtiger רוזגר schreiben, welches ״rüsdscher“ ausgesprechen werden muß. Es ist demnach auch falsch, wenn man חגר, mit Weglassung des ו nämlich, schreibt, indem im Persischen auch ו steht. 3. Cin spanisches Sprüchwort. Sprüchwörter sind oft eine Inhaltsangabe zu einigen Blattern in der Geschichte. So das folgende Sprüchwort, welches R. Immanuel Aboab in seiner ״\omologia“ S. 220 anführt. Er sagt nämlich: ״Es ist unter uns (span. Juden) ein oft gehörtes Sprüchwort: Ley de Castilla; Hizun y Sephrud de Portugal (Gesetz von Kastilien, Sänger und Schreiber von Portugal). Denn in der Thal gab es in Kastilien sehr gelehrte Männer, vorzüglich in Toledo; und in Portugal verlegten sie sich besonders auf die Musik in unfern Gebeten und waren ausgezeichnete Schreiber; und so gab es in Spanien viele Handschriften von seltener Vollkommenheit; denn für eine korrekte, gut geschriebene Bibel bezahlte man hundertThalerin Gold und biswsilen noch mehr." Vermischte Nachrichten. Hr. Ghillany, der Verfasser des Buches ״die Menschenopfer der Hebräer" und würdiger Nachfolger Eisenmenger's droht in der ״ Dorfzeitung " den Juden, einen Schmähbrief zu veröffentlichen, den ein Jude an ihn gerichtet haben soll. Immerhin; hat er doch bereits seine Schmähungen gegen die Juden drucken lassen! Privatnachrichten aus Prag zufolge, wollte man Hrn. Dr. Lachs die Censurstelle mit 400 fl. K.-M. jährlichem Gehalt übertagen, wenn er nicht nach Berlin gehen wolle. — Zu dem Londoner Rabbinate haben sich bereits sieben Rabbiec gemeldet. — In Krotosch in geht man damit um, endlich eien Rabbiner zu wählen. — In Warschau wurden 75 jüd. Jinglinge zum russ. Militair ausgehoben. — Die Würtemberge- Regierung hat i. I. 1843 drei Gemeinden mit 780 fl. zu Sailbauten unterstützt. In Ungarn'soll auch eine Rabbinervenmmlung ftattgefunden haben. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.