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Sabbath-Blatt · 1844-08-03 · 31 (3.8.1844) · p. Seite 124

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
31 (3.8.1844)
Date
1844-08-03
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 3 Des Juden Vaterland, Sprache und Sitte. Sehr schön sagt Hr.Mannheimer in seiner neuesten Predigt: Man wirft uns vor, wir hätten kein Vaterland. Das ist Lästerung Gottes und des Menschen. Jeder Mensch hat ein Vaterland, in solange es ihm vergönnt ist, ihm in Liebe und Treue anzuhängen. Ihr wisset, was dem Israeliten einst sein Vaterland gewesen. ״Weinet nicht um die, die lvdt sind," sagt der göttliche Prophet, ״weinet um die, die dahingehen, und nimmer Wiedersehen ihr Vaterland." Es ist das härteste Loos, das größte Trübsal, das dem Menschen widerfahren kann, umherirren in der Welt ohne Heimath, Vaterland, fremd auf der weiten Gotteserde, nirgends heimisch hingehörig. Es ist das Loos, das uns einst beschieden war in den hingeschwundenen Jahrhunderten, die sich nun abgeschlossen hinter uns. Wo ist des Israeliten Vaterland? Fragt jeden, der ein Herz hat, fragt jedes Kind, fragt Eines von den Kleinen dort: wo ist dein Vaterland? Wo jer zuerst das Licht der Welt erblickt; wo ihm die Freuden seiner Kindheit und seiner Jugend blühen, wo er in heiteren und in trüben Tagen auf zum Himmel schaut; wo der Himmel über ihm, die Erde unter ihm sich in Glanz und Pracht verherrlicht zeigt, verklärt im Lichte Gottes; wo der Tempel des Allmächtigen sich vor ihm aufthut; wo seine Altäre stehen, und seine Väter im geweihten Boden ruhen; — da ist des Menschen, da ist des Israeliten Vaterland. Man wirft uns vor, wir hatten keines. Das ist Lästerung des göttlichen Geistes in uns. Ich stehe nicht da, um über die Schwachen meines Volkes den Schleier zu ziehen, und weiß, was die Welt an ihm und was es an der Welt verschuldet. Ich stehe da, um zu zeugen für meinen Gott und Glauben. Ich habe mich umgesehen in meinem Volke. Ich gehöre nicht zu den Gottesgelehcten, die in der Klause sind gealtert; ich habe gelebt in meinem Volke, unter meinen Brüdern, :בתוך עמי אנכי יושב, kenne ihre Herzensneigungen und Wünsche, Schwachen und Sünden, wie ich die meinen kenne; und darf sagen, wohin ich auf meiner Pilgerfahrt im Nord und Süd, wohin ich bin gekommen, fand ich unter den Stämmen Israels, unter den Söhnen und Töchtern meines Volkes die Liebe zu ihrem angebocnen, angestammten Vaterlande tief und fest in den Herzen begründet, war das ihr Stolz und Ruhm, ihr eisrigst Streben und Bemühen, sich dem Vaterlands, das ihnen eine Heimath bot, sie als heimisch, ebenbürtig hat erkannt, in Allem, was das Menschenherz erhebt, den Menschen adelt, anhänglich, treu ergeben, brüderlich geneigt zu zeigen. Man wirft uns vor, wir hätten unsere eigene Sprache und Sitte. Nun ich dächte doch, die deutschen Juden reden so ziemlich jetzt ein kräftig Deutsch, und haben es schnell erlernt. Und was die Sitte betrifft, so lebt jedes Volk und jeder Stamm und Stand am glücklichsten in und nach der seinen, insofern sie gegen die Sittlichkeit nicht verstößt; und ich dächte, in diesem Punkte steht wohl die unsere keiner andern nach. Sind unsere Sitten und Gesetze die strengeren, gebieten sie uns eine Enthaltsamkeit, Selbstmäßigung und Beschränkung, wie sie Andern nicht geboten ist; so macht doch das wahrhaftig den Menschen um Nichts schlechter, daß er von Kindheit und von früher Jugend an dazu ist gewöhnt und angehalten worden, seine Wünsche, Neigungen und Begehrungen zu bezwingen und zu mäßigen, und in allem seinem Thun und Lassen sich dem Willen Gottes, seinen Anordnungen und Verfügungen zu unterwerfen. Von dem Glauben und der Sitte wollen wir denn auch nicht lassen! Vermischte Nachrichten. Ein Korrespondent der D. A. Z. findet einen Anstoß an der Fruchtbarkeit der polnischen Weiber. Es wäre wohl am gerathensten, wenn der Hr. Korrespondent bei der rusi. Regierung um die Wiederaufnahme des Pharaonischen Gesetzes anhalten möchte. Aus Tarnopol wird berichtet, daß der Gottesdienst nach neuem Ritus dort Eingang und Anklang finde. Doch fehlt es noch an einem tüchtigen Prediger, der sich hoffentlich bald finden wird. Nach einer Privatnachricht hatte die Larnop. Gem. mit Herrn Steinschneider in Prag Unterhandlungen über diesen Punkt gepflogen. Das Pariser Centralkonsistorium widerruft öffentlich die in vielen Zeitungen verbreitete Nachricht, daß es den Sabbat auf den Sonntag verlegt hätte. Die Luden in Geseke leiden noch immer von der Wuth des rohen Pöbels und von dem seinen Judenhaß der Gebildeten, wenn Männer, die alle Menschenrechte mit Füßen treten, noch den Namen ״Gebildete" verdienen. . Rabb. Stein in Frankfurt a. M. hat Jekum Purkam abgeschafft und einen regelmäßigen Chorgesang eingeführt. Von Dr. Hold he im ist eine Schrift über die Beschneidung erschienen, die wir, sobald sie in unfern Händen sein wird, näher besprechen werden. ■— Eine Schrift über diesen Gegenstand, die außer dem dogmatischen Interesse, auch dem Gelehrten willkommen sein wird, wird von Steinschneider in Prag erscheinen. Bemerkung der Redaktion. Es sind uns mehrere literar. Beiträge zugeschickt worden, die wir zurückweisen mußten, weil sie mit einem zu hohen Porto verbunden waren. Wir bitten daher diejenigen Herren, welche ihre Arbeiten in diesen Blättern abgedruckt zu sehen wünschen, sie uns auf dem Wege des Buchhandels zukommen zu lassen. Druck von L. H. Nagel in Leipzig. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig.

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