Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 30 (27.7.1844)
- Date
- 1844-07-27
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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120 VIII. ״Wir glauben, daß die Juden vergeblich auf die Ankunft eines menschlichen Messias hoffen, der sie ihrer Meinung nach erlösen, über alle Menschen erheben, und ihnen Reichthum und Ehre verschaffen wird. Wohl aber wird einst Gott selbst verkörpert als Mensch erscheinen, und die von den früheren Menschen begangenen Sünden, wodurch das Verderbniß auf alle ihre Nachkommen sich vererbt hat, versöhnen. Ec wird aber nicht nur die Juden allein, sondern alle Menschen, die an ihn glauben, entsündigen, wogegen die Ungläubigen alle in der Hölle zuGcunde gehen werden. Wenn die Juden wahnen, daß ein anderer als Gott selbst die Menschen erlösen werde, so können sie sich keineswegs auf die heilige Schrift, sondern blos den Talmud stützen, der aber falsch ist, und dem wir nicht glauden. Für unsere Behauptung hingegen sprechen unzählige Stellen in der heiligen Schrift, und vorzüglich bewahrt dieses der Prophet Jesaja. So z. B. heißt es (Js- 35, 4): ״Gott wird kommen, und euch Heil bringen." Dann (43, 11): ״Ich bin Jehova, und außer mir ist kein Heiland." Weiter (45, 26): ״Alles Fleisch soll es erfahren, daß ich Jehova dein Heiland bin, ich der Mächtige Jakob's, dein Erlöser." Nicht minder (47, 4): ״Der Name unsers Erlösers ist Jehova Aebaot." Der Prophet Jeremia sagt (50, 34): ״Ihr Erlöser ist stark, Jehova Zehaot ist sein Name." Hiob spricht (19, 25): ״Ich weiß es, daß mein Erlöser lebt, er wird der Letzte auf der Erde bleiben." Wer anders als Gott selbst kann der Erlöser sein, der bereits in den Zeiten Hiob's lebte, und der Letzte auf der Erde sein wird? Nur Gott allein kann es sein, der (Js. 44, 18) von sich selbst sagt: ״Ich bin der Erste und erst Erste." Ja der Talmud selbst gestehet es ein, daß nur Gott allein der wahre Messias sei. Denn im Talmud (Trakt. Sanhedrin) heißt es: R. Hillel sagt: die Jsareliten haben keinen Messias zu erwacten. Da nun dieser dem allgemeinen Glauben und den unzähligen Stellen, die dafür in den heiligen Schriften vorkommen, offenbar widerspricht, so kommentict Raschi diese Stelle mit folgenden Worten: ״R. Hillel meint, die Jsraeliten haben keinen menschlichen Messias zu hoffen, weil Gott selbst ihr Erlöser sein wird." (Fortsetzung folgt.) Eine Antwort auf drei Fragen. Aus dem Persischen.*) Jemand ging zu einem Derwisch und legte ihm drei Fragen vor: 1. ״Warum sagt man, daß Gott allgegenwärtig sei? Ich habe ihn nirgends gesehen; wo ist er? — 2. Warum wird der Mensch Sünden halber bestraft, da doch Alles was er thut, Gottes That ist? Der Mensch hat keinen freien Willen, indem er ohne Gottes Zustimmung nichts thun kann; und wenn der Mensch freie Macht hätte, so *) Rosen, Narrationes persicae. würde er Alles zu seinem eigenen Besten ausführen. — 3. Wie kann Gott den Satan in der Hölle (Dusach) bestrafen, zumal der Letztere aus Feuer geformt ist; und welche Wirkung kann Feuer auf Feuer Hervorbringen?" — Der Derwisch nahm hierauf einen großen Klumpen Erde, und warf ihn dem Fragenden an den Kopf. Weinend ging der Fragesteller zum Kadi und klagt: Ich habe einem Derwisch drei Fragen vorgelegt, da warf er einen solchen Erdklumpen aus mich, daß er mir Kopfschmerzen verursachte und antwartete mir gar nicht. Der Kadi ließ den Derwisch holen, und sagte: Warum hast Du jenem einen Erdklumpen an den Kopf geworfen und keine Antwort gegeben? Da erwiderte der Derwisch: Jener Erdklumpen war eine Antwort auf seine Rede; er sagt, daß er Kopfschmerzen habe — laß ihn doch die schmerzende Stelle bezeichnen, damit ich ihm Gott zeigen könne; und warum klagt er mich bei Dir an? Was ich that, war Gottes That; ohne Gottes Zustimmung konnte ich ihn nicht schlagen; welche freie Macht besitze ich denn? Und da er aus Erde geformt ist, wie konnte ihm Erde einen Schmerz verursachen? Der Fragesteller ward beschämt und der Kadi lobte die Antwort des Derwisch sehr. Lese -Zimmer. Der Name Dunasch. Der Name des berühmten hebr. Grammatikers und Lexikographen ist Dunasch und nicht Do na sch, indem der Name — wie schon der Geburtsort dieses Gelehrten: Fez darauf hinweist — maurischen Ursprungs ist, und bei den Mauren viele Könige den Namen Dunasch (die Araber schreiben vünüs) führen. — Welch' ein Unterschied in dm Zeiten! Ein Jude darf bei den Mauren den Namen ihres Königs haben, wahrend ^es in unserer Zeit einen Staat giebt, der den Juden verbietet, sich nach einem von Christen usurpirten Namen zu nennen. Vermischte Nachrichten. Bon der Redaktion dieser Blätter ist bei Heinrich Hunger in Leipzig ״die Kabbala:, oder die Religionsphilosophie der Hebräer," erschienen. _ Freiherr v. Rothschild aus Wien, hat sich während seines kurzen Aufenthaltes in Pesth, durch Spendung bedeutender Summen zu wohlthatigen Zwecken, ausgezeichnet. Der Wohlthätigkeitssinn ist die schönste Zierde der Familie von Rothschild. Während des Arbeiter - Aufstandes in der Umgegend Prag's, zeigte sich überhaupt eine sehr feindliche Stimmung der Prager Bürger gegen die Prager Juden. O Zeiten des Mittelalters! Veranrwortlicher Verleaer C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.