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Sabbath-Blatt · 1844-06-15 · 24 (15.6.1844) · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
24 (15.6.1844)
Date
1844-06-15
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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95 ihn die Strafe des weltlichen Richters — vor dem Throne die Söhne Israels emancipiren, rufen sie aus, denn wir des Ewigen hat er die Bestrafung des göttlichen Richters können sie überwältigen: die Juden werden aufhören zu erwarten. Immer und in jeder Beziehung muffen wir Juden zu sein, so sie sich gleicher Rechte mit den Christen darauf zurückkommen, daß Charakter, Menschenwerch überersceien. Haupt, nicht nach dem Glaubensbekenntnisse abgeschätzt werden kann und abgeschätzt werden darf. ==========* 3. Der übereilte und der besonnene Fortschritt. Herr Leopold Stein, Rabbiner in Frankfurt a. M., hat in seinem Vortrage am zweiten Tage des Schabuot- Festes die Sturmschritte der Reformer im Gegensätze zu dem gemäßigten, besonnenen Fortschritte, durch folgendes Gleichniß veranschaulicht: Im Vorfrühling steht die Eichenoch nackt und unbeblättert da; die Gräser und die Bäume ringsum necken sich mit ihr und sprechen: wir sind schon längst erwacht, geschmückt und geziert; du Langschläferin! warum erwachst du nicht und ziehst an dein grünes Kleid? Die Eiche aber schweigt und tief in sich verschlossen hält sie die lebendige Kraft. Aber wenn der rechte Augenblick gekommen ist, wenn schon viele jener frühreifen Geburten des Jahres abgefallen oder vom rauhen Winde zerstört sind, da bricht ihr inneres Leben freudig zum Lichte hervor, weithinaus breitet sie ihre grünen Zweige, bietet ein Laubdach den Vögeln, Schatten dem Wanderer und im Herbst schaut sie mit ihrem dauernden Blätterschmucke auf die beschämten entblätterten Bäume nieder.; 4. Die EmaneipatLons- Kundschafter. Die Gegner der Judenemancipation haben sehr Vieles mit den Kundschaftern (׳ (מרגלים— deren in der Sidra Erwähnung geschieht — gemein. Sie ziehen in die Judenquatiere, und bringen ein übles Gerücht von den Gegenden, die sie ausgekundschaftet. Wir können nicht die Juden emancipiren, sagen sie, denn sie sind uns zu stark; die Juden würden, wenn emancipict, alle Ehrenstellen und Aemter an sich bringen und die Christen ihre Obermacht fühlen lassen. Auch an Riesen fehlt es nicht: der Eigennutz, Wucher und Betrug ziehen in gigantischen Person!- sicalionen unter den Juden einher; die christlichen Wucherer sind wie Heuschrecken in den Augen der jüdischen. — Die Wohlwollenden, die Freunde der Emancipation übernehmen gewöhnlich die Rolle Kaleb's. Wohl können wir Vermischte Nachrichten. Die Spanier, deren Vorfahren die Juden so grausam behandelten und vertrieben, werden jetzt um eines Juden willen einen Krieg anfangen müssen. Der auf Befehl des Kaisers von Marokko Hingerichtete spanische Konsularagent Darmon war nämlich ein Jude. Gegen 300 jüdische Familien in Warschau haben ״im Schweiße ihres Angesichtes" sich vom Steinklopfen auf den Chausseen ernährt. Seit dem 1. Mai ist ihnen auch dieser Nahrungs zweig, auf Befehl des russischen Kaifers, abgeschnitten worden. — Eine strenge Rekcutirung hat viele polnische Juden zum Auswandern genöthigt. Herr Rabbiner Dr. Levi in Gießen hat in einem ״offenen Sendschreiben an die edle Familie des Frhr. von Rothschild^ die Bitte gestellt, daß die 250,000 Fl., die die Familie Rothschild dem beabsichtigten Synagogcnbau in Frankfurt entzogen, den isr. Gemeinden in der Umgebung Frankfurt's, zum Bau von Synagogen, zugewendet werden mögen. Am 30. April wurde in Berlin die Stiftungsfeier des hiesigen, von B. Auerbach gestifteten jüd. Waisen- Hauses begangen. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man auch den wirklichen Oberkonsistorialrath Hof- und Domprediger Dr. Strauß, welcher sich lebhaft für die Anstalt interessirt. Zur Theilnahme an der Rabbinersammlung, welche am 12. Juni in Braunschweig stattsinden soll, haben, außer Dr. Philippsohn in Mageburg, sechs und r eißig Rabbiner und Prediger ihre Zusage gegeben. — Die Gemeinde zu Braunschweig verpflichtet sich, allen daselbst erscheinenden Rabbinern freies Logis und freien Tisch zu geben. Dem Mörder des Religionslehrers zu Jmmendorf ist man auf die Spur gekommen. Ein jüdischer, des Mordes verdächtiger Knecht wurde gerichtlich eingezogen. Verantwortlicher Verleger G>. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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