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Sabbath-Blatt · 1844-05-25 · 22 (25.5.1844) · p. Seite 88

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
22 (25.5.1844)
Date
1844-05-25
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 daß Gott der Herr ist und daß es außer Gott keine Erquk^kung für die Seele giebt; daß Gott der Lenker derVölker und derNationen ist und daß sie nurvergeblichund zu ihrer eigenen Vernichtung wider Gott toben; daß Gott der Lenker des Schicksals eines jeden Einzelnen ist, auf das Jeder zu ihm komme; daß Gott Jisrael genommen und getragen alle Tage der Welt, aufdaß jeder Jisraelite und jedes jisraelitische Haus und jede jisraelitische Familie und jede jisraelitische Gemeinschaft der Welt zeige, wie in Gott für Jeden Seligkeit zu finden ist, im Götzendienst aber für Jeden Verderben; in Gott für Jeden Freiheit, im Götzendienst aber für Jeden Sklaverei; in Gott für Jeden Erquickung, im Götzendienst aber für Jeden Angst und Verzweiflung. Sehet, Freunde! So haben wir vernommen alle Gebote des Herrn, als wir aus seinem Munde vernahmen אנכי und לא יהיה לך; so sind wir zu allen seinen Geboten von ihm selbst erzogen worden, als er durch Wunder und Weissagungen, durch Wohlthaten und Strafgerichte, durch Ermahnung und Züchtigung uns selbst erzog zu אנכי־ und לא יהיה לך. Für uns gäbe es keine Entschuldigung mehr, wenn wir fortfahren wollten, den Herrn nicht allein zu lieden, neben dem Herrn noch andern Göttern zu dienen; neben Gott auch der Sünde einen Platz in unserm Herzen einzuraumen. Wir haben ja gesehen, daß es thöricht ist, die Wunderthaten des Herrn, die vor unsern Augen gegeschahen, leugnen zu wollen; daß es Dünkel ist, dem Geiste der Weissagung nicht zu glauben. Wir haben ja vom Herrn selbst vernommen die Bedeutung der Wunder und den Inhalt aller Reden der Wächter, die Bedeutung dieses unseres Genommen- und Getragenseins alle Tage der Welt; denn der Herr hat ja selbst zu uns gesagt אנכי und לא יהיה לך. Für uns gäbe es aber auch keine Entschuldigung mehr, wenn wir fortfahren wollen, Judenthum und jüdisches Leben aus unseren Hausern und aus der Erziehung unserer Kinder zu bannen. Es ist ja nicht die Aufklärung, die sich über die heilige Schrift hinwegsetzt, sondern die Thorheit; es ist ja Dünkel, die Lehre auf Mosche und nicht auf Gott zu rückzuführen; es ist ja so groß als erhebend, durch das Festhalten an der jüdischen Lebensweise uns und unseren Kindern und aller Welt zu bekennen, daß wir erquickt sind von dem Gedanken, dem Volke angehören zu dürfen, das Gott genommen und getragen alle Tage der Welt. (Schluß folgt.) Vermischte Nachrichten. Herr C a h e n, Herausgeber der Archrves Israelites, geht damit um, eine französische Uebersetzung des Talmuds herauszugeben. Verantwortlicher Verleger C. ß. Fritzsche in Leipzig. Im Kaiserreiche Marokko wurde eine Jüdin angeklagt, daß sie zur muhammedanischen Religion übergegangen sei. Die edle Jüdin, dem alten Glauben ihrer Väter treu bleibend, ließ sich lieber martern und peinigen, als daß sie vom Gotte ihrer Ahnen abfallen sollte. Die diesjährige Rabbinerversammlung wird am 4. Juni d. I. in Braunschweig stattfinden. Ein Verzeichniß der Rabbiner, welche an der Versammlung theilnehmen wollen, werden wir in der nächsten Nummer liefern. Der Rabbiner Trier in Frankfurt a. M. will sein Amt niederlegen, und sich blos ein Veto-Recht in religiösen Angelegenheiten Vorbehalten. — lieber die Beschneidungsfrage wird von Dr. Holdheim nächstens eine ausführliche Schrift erscheinen. Der grobe Judenhaß hat den Juden nie so sehr geschadet, als der feine und pietistische. Die Stadtverordneten zu Grünberg haben in ihrem piecistischen Eifer beim Ministerium nachgesucht, daß der Verbreitung und Ver- Mehrung der Juden in ihrer Kommune ein Damm gesetzt werde. Warum? Weil die Sittenlehre des Judenthums lückenhaft sei. Woher kommen die Mäßigkeit, Arbeitsamkeit, Keuschheit, kindliche Liebe, eheliche Eintracht unter den Juden? In Prag soll dafür Sorge getragen werden, daß die Juden in der Landessprache, d. h. in der böhmischen unterrichtet werden. Es ist dies sehr löblich, da dadurch eine freundlichere Annäherung zwischen Juden und Christen erzielt werden kann. — Seit dem 16. April 1841 besteht daselbst ein Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung für verschämte israelitische Hausarme. In Nord-Amerika bestehen bereits mehre jüdische wohlthätige Vereine. So würden in Philadelphia vor Kurzem die Vereine חסר ואמת und חברה גמילות חסרים ומשענת יתום ואלמנה gegründet. Der Zweck dieser Vereine ist die Unterstützung der Kranken, Witwen uud Waisen, und die Beerdigung der Todten. In Neu-Pork bestehen die Vereine תלמור תורה ,גמילת חסר ,משיכת נכש und ein eine Unterstützungs-Verein für fremde und einheimische arme Israeliten. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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