Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 21 (24.5.1844)
- Date
- 1844-05-24
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 es dürstet meine Seele hin nach Gott, nach dem lebendigen Gott: wann werd' ich wieder kommen und Gottes Antlitz schaun! Langst waren meine Thranen mir ״ Morgen- und Abendbrot; da Tag für Lag man zu mir sprach: wo hilft dir nun dein Gott? Da dacht' ich dann: (und floß in Thränen über) wie ich einst auch zu Goctes Tempel ging, mitging im Haufen Jubelnder, Danksingender, im lauten tanzenden Chor. Was gramst du dich, mein Herz, in mir, und pochst unruhig auf? Erwarte Gott! auch ich werd' ihm noch danken, ihm meinem Retter, meinem Gott! — Und dennoch grämt sich meine Seele noch! - So will ich denn auch hier au dich gedenken, hier zwischen Berg und Strom, am Jordan und den Hügeln Libanus! — — Wie Woge dort in Woge rauscht! — sie rauschen mir wie deine Ströme zu! — Denn alle deine Wogen, deine Ströme gingen über mich hin!- Und doch hält mich am Tage noch aufrecht Johova's Huld, und in der Nacht ist noch sein Lied mit mir, Gebet zu meinem, dem lebendigen Gott! (Beschluß folgt.) - Vabc. Die Offenbarung Gottes in Israel. Von Dr. S. Hirsch, großherzoglichem Landrabbiner zu Luxemburg. Das, was man in unserer Zeit zur Beschönigung des Leichtsinns und der sündhaften Geringschätzung der heiligen Schrift und der heiligen Geschichte vorbringt, entstammt theils aus Eitelkeit, theils aus Unvernunft. Es ist Eitelkeit, zu behaupten, Gott habe nicht mit Mosche geredet, sondern dieser habe seine sich selbst ausgedachte Meinung, seine sich selbst erfundenen Vorschriften im Namen Gottes verkündet. Es ist Eitelkeit, zu behaupten, Gott sei nicht am Berge Sinai erschienen, sondern Mosche habe, um seine für das Volk erfundene Lehre diesem eindringlicher zu machen, ein Naturereigniß benutzt und dieses für eine Erscheinung des Herrn erklärt. Es ist Eitelkeit, zu behaupten, Gott habe nicht mit den Propheten geredet, habe sie nicht in die Zukunft blicken lassen, habe ihnen nicht den Zweck des menschlichen und des jisraelitischen Volksdaseins geoffenbaret, habe ihnen nicht gezeigt, wie Jisrael und die Menschheit ihrer Bestimmung entgegengeführt werden. Alle diese Meinungen gründen sich auf Eitelkeit denn sie gründen sich nur auf die eitle Einbildung, Mosche und die Prohpheten wären nicht besser und vollkommener gewesen, als wir heute sind; sie hätten nichts Anderes zu thun vermocht, als wir heute auch zu thun die Kraft haben; ihre Zeit wäre nicht bedeutungvoller gewesen als die unsrige, wäre in nichts oder doch im Unwesentlichen verschieden gewesen von der unsrigen. Aber leider zeigt sich in jenem Gerede noch mehr als Eitelkeit; wir sprechen in ihm unser eigenes Verdammungsurtheil aus; wir klagen in ihm uns selbst des abscheulichsten Verbrechens an; wir sprechen es aus, daß wir auch des Schrecklichsten uns fähig halten. Wie würden wir Jemanden benennen, der wider besseres Wissen falsche Vorstellungen von Gott unter den Menschen zu verbreiten sucht? Wäre er nicht ein Betrüger? Und wie würden wir den nennen, der sich in einen ihm nicht zukommenden Glanz einhüllen wollte, der von sich ein Licht ausströmen ließe, das nicht in ihm ist, der von sich eine Meinung zu verbreiten suchte, von deren Lügenhaftigkeit er selbst überzeugt ist? wäre er nicht ein niedriger Heuchler? Wahrlich, wir würden es nicht hingehen lassen, wenn er, sich bei uns zu rechtfertigen, vorgeben wollte, er habe diese falsche Meinung von Gott und von sich selbst verbreitet, um sie als Mittel zu gebrauchen, gute und heilsame Lehren den Menschm desto eindringlicher zu machen. Seit wann, würden wir ihn fragen, heiligt denn ein heiliger Zweck unheilige Mittel? Seit wann ist denn die Wahrheit nicht hinreichendes Mittel, die Wahrheit zu verbreiten? Seit wann ist denn die Wahrheit genöthigt, mit der Lüge einen Bund zu schließen, um zu dem Ihrigen zu kommen? Und können denn falsche Vorstellungen von Gott, von dem Verhältnisse des Menschen zu seinem Schöpfer, ein falscher Gottesdienst, eine falsche Verehrung des Höchsten durch die äußerliche Werk h eilig keit, die durch all diese Lügen vielleicht zu verbreiten sein mag, ausgewogen werden? Und dieses Lugs und Betrugs, dieser Heuchelei und Nichtswürdigkeit wagen wir einen Mosche, einen Schemuel, einen Jeschajahu, wagen wir die Propheten alle zu zeihen! Sie sollen absichtlich falsche Vorstellungen von Gott und vom Verhalten des Menschm zu seinem Schöpfer verbreitet haben! Wahrlich! wir