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Sabbath-Blatt · 1844-05-04 · 18 (4.5.1844) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
18 (4.5.1844)
Date
1844-05-04
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 Diese unruhigen Gesellen verdroß es gar sehr, daß die kaiserlichen Kommissarien mit dem Rathe unter einer Decke spielten, und sie beschloffcn, sich mit Gewalt Recht zu verschaffen. Am 3. Mai 1614 sammelte sie eine große Menge Volks, besonders Gesellen aus allen Handwerken, und drangen mit großem Geschrei in den Römer. Hier hatten die Rathsherren einige bittere Stunden, denn die derben Gesellenfauste schonten wenig die gesteiften Halskrausen und zierlichen Wämser. Es war ein Krawall im guten Frankfurt und ein Fest für das Volk, noch lustiger, wie jetzt zu Pfingsten am ״Wäldches-Tag." Es halt schwer, Deutsche zum Aufrühr zu bringen; haben sie aber einmal angefangen, fo halten sie aus, wie bei der Flasche, welche auch bis auf die Neige geleert sein muß. So dauerte der Spektakel in Frankfurt eine ganze Weile, denn damals lagen noch keine Oestreicher und Preußen in Mainz und man lebte noch in der unschuldigen Zeit-, wo man vom deutschen Bundestage nichts wußte. Zwei Tage darauf nahm man den alten Rath beim Kragen und sperrte ihn einige Tage lang im Römer ein, bis die hochweisen Herrn, aus denen er bestand, sich demüthig gehungert hatten. Am 9ten Mai mußlen sie zum Jubel des Volks vor Notarien und Zeugen ihre Aemter niederlegen. Nun war zwar Vincenz Fettmilch ״Mansche Ober," wie man in Frankfurt sagt; aber er war in der edlen Kunst des Lesens und Schreibens nicht sehr erfahren und dachte sich's Regieren ungeheuer schwer, weil's vom Volk so ' theuec be$at)tt wird; ec überließ dies daher den Achtzehnem, Leuten, die so eben vordem alten Rathe herliefen und eigentlich die Rechte des Volkes in Acht nehmen sollten. Diese befürchteten denn sehr, daß die Unruhen in der Stadt die fremden Kaufleute abhalten mochten, die Messe zu besuchen, und sie erließen eine Druckschrift, in welcher dem fremden Handelsstande versichert wurde, daß Niemand etwas in ihrer Stadt zu fürchten habe und daß die Bürger einzig und allein mit ihrem hochweisen Rathe ein Huhn zu rupfen hatten. Aber die Juden hatten bei Vincenz einen Schinken im Salze. Er gönnte ihnen nicht ihren schmuzigen Schlupfwinkel in der Judengaffe, die noch jetzt als Denkmal einer finstern Zeit von den Römerherrn fast in ihrer ursprünglichen Gestalt gehegt und gesiegt wird. Was ihm und seinen Gesellen gefiel, das holten sie bei den Juden, und wenn diese sich weigerlen zu geben, so nahmen sie mit Gewalt und drohten mit ihren Anhängern, ganz Israel in Frankfurt auszurotten oder zur Stadt hinauszutreiben. Wo sich ein Jude in der Stadt blicken ließ, wurde er geschlagen und von den Straßenjungen mir Koth geworfen und in die Judengasse zurückgejagt. ״Wir haben gehabt eine große Enie Zoro. Als ßis gewesen in unsern Tagen. Denn wir haben gehabt kein Seroro, daß man einen darfor hat können verklagen. Die Mordim haben gehabt die Ueberhand. Die uns haben wöllen verschneiden. Niemand hat gegen ihnen das Maul aufgespannt. Wir haben als wol müssen leiben." Wo man in Mokom Jehudim hat derwischt. Es sei groß oder kleine. Haben sie sich auf sie gerüst. Geschlagen oder geworfen mit Steine. Ach nachgcworfen Laim und Koth. Und ohnnütze Wort, und Keloles. Und nachgerufen früh und spoc: Kelovim, und sonst andere Neveles". Der Rath säumte nicht, sich bei dem Kaiser zu beschweren. . Dieser schrieb einen drohenden Brief an die Bürger und gebot ihnen, wie auch Handwerkergesellen und anderen Einwohnern, sich ruhig zu verhalten und den alten Rath wieder einzufetzen, bei Strafe der Acht. Zugleich gab er seinen Kommissarien den Auftrag, den Zwist zwischen Unterthanen und Obrigkeit nun ernstlich zu untersuchen. Das Volk dachte aber, es würde damit wieder wie früher gehen, und schickte Abgeordnete an den Kaiser nach Linz, die ihm die Sache darlegten. Als auch die von den Kommifsarün beauftragten Herren die Streitigkeiten untersuchen wollten, lehnte sich das Volk dagegen auf und verlangte, man sollte damit warten, bis seine Abgeordneten vom Kaiser zurückgekehrt sein würden. Damit waren der Churfürst von Mainz und der Landgraf von Hessen aber durchaus nicht zufrieden; sie erließen ein Mandat, welches allen Handwerksgesellen, die sich der Ordnung nicht fügen wollen, befahl, sich schleunigst aus der Stadt zu machen, sonst würde es ihnen übel gehen. (Schluß folgt.) Vermischte Nachrichten- Aus der in griechischer Sprache erscheinenden Zeitung Aeon erfahren wir, daß in Athen etwa 10 jüdische Familien und in Egri bos (jetzt C halcis) aufderJnsel Negroponte ungefähr 2000 Juden leben. A. I. Die Samson'sche Freischule in Wolfenbüttel, in welcher Zunz und Jost ihre Bildung erhielten, ist vom zweiten Oberlehrer, Herrn Philipp Ehrenberg, in ihrer Vergangenheit und Gegenwart geschildert worden. O>lk Broschüre ist bei C. L. Fritzsche in Leipzig zu haben. In Karlsbad wird, durch die Bemühung des Herrn M. I. Landau, Gemeindevorstehers zu Prag, ein jüd. Hospital und Gotteshaus errichtet werden. Verantwortlicher Verleger C. L» Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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