Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 14 (10.4.1844)
- Date
- 1844-04-10
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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56 bloßen angefangen hatten. Allein das orthodoxe Judenthum kann jetzt mit Recht auf seine richtige Voraussicht stolz sein, da es so klar einsah, zu welchem gänzlichen Einstürze das allmälige Aufgeben einzelner Satzungen führe; die wahren Freunde der Juden und des Judenthums aber, die für den Fortschritt in jeder Beziehung, für den bürgerlichen und religiösen, für den wissenschaftlichen und künstlerischen, mit Eifer und Einsicht kämpften und arbeiteten, diese muß es wahrhaft schmerzen, wenn Männer von Ruf und Gelehrsamkeit, die sie bis jetzt mit Stolz die Ihrigen nannten, von ihrem Glauben mit solcher Verachtung reden, sich von ihren Brüdern trennen in Glauben und Lehre, dem bürgerlichen Fortschritt Hindernisse in den Weg legen und durch gewaltsame Breschen die Grundfesten der Religion zu erschüttern suchen. V. Untersuchen wir das Streben der Reformer näher, so werden wir zur Vermuthung berechtigt, daß sie die Grundsätze Bruno Bau er's in sich ausgenommen und nur nach seinen Anforderungen ein neues religiöses System gründen wollen. Ein Feind jedes Glaubens, welcher seinem philosophischen Systeme entgegen ist, zog er gegen Israel zu Felde, dem ec alle Ansprüche auf Emanzipation abspricht, weil es dem allesverschlingenden Aeitgeiste noch nicht seinen Glauben zum Opfer gebracht hat. Und diesem zu schmeicheln und ihn zu gewinnen, versuchen sie es, dem geöffneten Schlunde der Zeit einige Beute vorzuwerfen, und an die alte Sage von Amalek erinnernd, geben sie vorläufig die Beschneidung preis und fügen die Ablehnung des Messiasglaubens noch als eine ״Bagatelle" hinzu, gleichsam sagend: Nimm diese zum Opfer hin, vielleicht wirst du hierdurch uns gewogen! — Ein Reformer ging gar so weit, Hrn. Bruno Bauer auch in der Verleugnung des göttlichen Princips beizustimmen, wie solches aus der in No. IV. citirten Stelle zu ersehen ist. VI. Der Sektengeist und die Sucht zu Neuerungen brachten aber zu jeder Zeit eine Trennung und die absurbesten Widersprüche hervor. So zeigt uns die Geschichte eine Sekte unter den Christen, die den diametralen Gegensatz zu dieser jüdischen Neusekte bildet. Im 12. Jahrhundert bildete sich nämlich in Italien eine Sekte, deren Mitglieder sich Circumcisi nannten, weil sie sich beschneiden ließen. Einige unter ihnen feierten den jüdischen Sabbat und beobachteten die Speisegesetze. Sie behaupteten, der neue Bund habe das mosaische Gesetz nicht aufgehoben (Schröckh's Kirchengeschichte, Theil 29, S. 655 — 656). Indem sie die paulinische Entscheidung verwarfen, hielten sie sich streng an die Worte des Meisters: ״Ich bin nicht gekommen, das mosaische Gesetz aufzuheben" rc. rc- — So schroff stehen Meinungen einander gegenüber; Christen glaubten den Bund Abraham's und das mosaische Gesetz halten zu müssen, und diejenigen, welche den Namen Jsrael's führen, die Nachkommen Abraham's und Moses', zerstören den abraham iti schje n und mosaischen Bund!! (Beschluß folgt.) Vermischte Nachrichten. Die in Breslau verstorbene Dame Philippkne Friede!, geb. Sachs, hat den jüd. Waisenmadchen 50 Thlr., den jüd. Waisenknaben 100 Thlr., an drei fromme Talmudisten 12 Thlr. und den dortigen Armen 20 Thlr. vermacht. Der Großhändler Todesco in Wien hat einen freien Tisch für jüd. Arme eröffnet. כל דכפין ייחי ויכול, ist der Ruf dieses edlen Mannes. Herr Hill, ein jüdischer Banquier zu Bukarest, hat der in Athen bestehenden Gesellschaft für Förderung der Bildung und Aufklärung hundert Dukaten geschenkt, und dafür ein Diplom und eine Ehrenmedaille erhalten. Alle getauften Juden in der Moldau führen den Namen ״Basil Botusat," d. h. Basil der Getaufte. Neuestes und wohlfeilstes israelitisches Gebetbuch. Bei F. E. C. Leuckart in Breslau ist so eben er» schienen und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes zu haben: ״Gott sieht in's Herz". יי יראה ללבב Gebet- und Andachtsbuch für fromme Israelitinnen, sowohl Frauen als Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Andacht an Wochen-, Sabbat-, Fest- und Fast-Tagen, wie auch für alle Verhältnisse des Lebens, bearbeitet von I. H. Jacobson, Verfasser des Abtalion rc. 300 Seiten in 8. Elegante Ausgäbe auf Velinpapier. Geh. Preis wegen Konkurrenz nur 12 Sgr., bei 6 — 1 Frei - Exemplar. Der außerordentlich starke Absatz von diesem vortrefflichen Gebetbuch machte es dem Verleger zur Pflicht, den möglichst billigsten Preis zu stellen. Werantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von Z. H. Nagel in Leipzig.