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Sabbath-Blatt · 1844-03-23 · 12 (23.3.1844) · p. Seite 48

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
12 (23.3.1844)
Date
1844-03-23
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 als Ketzer keine Ansprüche hierauf machen. Poung wandte sich, mit größerer Zuversicht an einen zweiten, einen dritten Geistlichen, endlich an den Bischof selbst, erhielt aber überall dieselbe abschlägige Antwort. Was sollte der Greis in dieser schrecklichen Angst thun? wie es anfangen, um die Hülle seines Lieblinges der Erde wieder zu geben, wo man ihm die Handvoll derselben versagte, deren er für seine schmerzliche Pflicht bedurfte? Erfaßte einen Entschluß, dessen Muth dem Fanatismus seiner Gegner gleich kam, den Entschluß, seine Tochter selber zu begraben. In der Nacht eilte er, mit den Grab-Werkzeugen versehen, und mit seiner schmerzlichen Bürde im Arme, durch, die menschenleeren Straßen und unter einem Baume, in der Nahe einer Garten- Mauer grub der Greis, der zwiefachen Anstrengung fast erliegend, das letzte Bette seines.Kindes. Er küßte die geliebte Hülle noch einmal, senkte sie ein und deckte die Stätte zu. Der Morgenstrahl ging über ihm auf, als er kaum seine Arbeit vollendet hatte.*) Dazu zwang damals christlicher Fanatismus einen edlen alten Mann, der nur einer andern christlichen Konfession angehörte! Werden wir dies dem Christenthume zur Last legen? und nicht vielmehr den Irrthümern^seiner damaligen Bekenner? Aber wie, wenn unter Israeliten so Etwas vorgekommen wäre, wenn die Rabbinen solches geschrieben, wenn einer derselben je so unmenschlich grausam gewesen wäre, wie würde man schreien! wie würde man Alle verdammen! 3. Es ist bekannt, daß die Landwirthe an vielen Orten die Sperlinge für ihre schädlichsten Feinde halten, und sie, um die vermeintliche Verheerung der Felder, möglichst auszurotten suchen. Es ist indeß theils schon bewiesen, daß diese Thiere sich stets nur in der Nähe der Dörfer aufhalten und daher nur auch den nahgelegenen Feldern einigen Schaden anrichten können, theils aber hat man in neuerer Zeit ihren außerordentlichen Nutzen in einer andern Hinsicht eingesehen, indem nämlich ein Paar Sperlinge, in einer Woche, zur Fütterung ihrer Jungen, ungefahr 4000 Raupen tödten. Ein neuer Beweis, wie wenig die Menschen noch immer die Oekonomie der Natur kennen, und wie voreilig sie oft über den Zweck einzelner Geschöpfe aburtheilen. Es erinnert dies an jene beschämende Belehrung > welche David, nach einer Erzählung unserer Weisen, erhalten hat. Wozu mag wohl, so fragte er einst, die häßliche Spinne geschaffen sein? Nach einiger Zeit mußte er vor Saul fliehend, sich in eine Höhle retten. Die Verfolger wollten schon auch in diese Höhle treten, um *) Blätter für liter. Unterhalt. ihn daselbst zu suchen, und, wenn sie ihn fanden, zu tödten. Da bemerkte Einer derselben ein Spinnengewebe, das vor dem Eingänge der Höhle sich ausgrbreitet, und er sprach: hier kann kein Mensch hineingegangen sein, er würde dies unversehrte Gewebe zerrissen haben. Sie zogen vorüber und — David war gerettet. Er trat hinaus und dankte Gott, und war beschämt, die verachtete Spinne als seine Lebensretterin zu erkennen. Er hatte gelernt, wie wenig die Menschen die Zwecke der Gottesschöpsung begreifen, wie wenig Recht sie haben, Einzelne derselben für unnütz zu erklären. 4. Hebräische Sprache in Gymnasien. In einem Aufsatze des ״Königberger Literaturblatt" (1844 No. 7.) von Jung, welcher von dem Sprach-Unterrichte auf Gymnasien handelt, wird über die Nützlichkeit des hebräischen Unterrichtes als Gegensatz zu dem Griechischen und Lateinischen endlich einmal ein richtiges Wort gesagt. Zur vollkommenen Ausbildung der Jugend würde'es wohl gehören, daß der Kenntniß der abendländischen Sprachen auch die einer morgenländischen gegenüber gestellt werde. Die vollkommene Verschiedenheit der Gedanken und Empsindüngen wie sie einerseits in den abendländischen griechischen und römischen Schriften, anderseits in den morgenländischen, namentlich in der so gar nicht genug gekannten Bibel, sich darbietet, würde, außer dem anderweitigen hohen Nutzen, gar Vieles zu denken geben und zur lebendigern Geistesentwickelung der Jugend beitragen. Vermischte Nachrichten. Der Erzieher in dem Hause des ungarischen Grafen Nyary berichtet in einem dortigen Blatte als etwas neuerer Bildung Entsprechendes und Nachahmenswerthes, daß der Graf, der einen Israeliten zum Arzte hat, die Tocher desselben an der Erziehung feiner beiden Kinder Theil nehmen läßt. (Z. d. Judenth.) Die von der K. Negierung in Berlin dem israelitischen Gemeinde-Vorstände vorgelegten Fragen sind, von vr. Aunz beanwortet, unter dem Titel: ״Kurze Antworten auf Kultus Fragen" im Druck erschienen (Berlin 1844 bei Springer) und zwar mit dem Motto aus Kohelet: ״Gott hat die Menschen schlicht geschaffen, sie aber suchen viele Berechnungen." Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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