Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 7 (17.2.1844)
- Date
- 1844-02-17
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 großartigen Einfalt nicht weniger ergreifend und erschütternd als bewundernswerth und verehrungswürdig erscheint." Wir verbinden hiermit das Urtheil eines christlichen Gelehrten, nämlich Wähner's, über die Mischna, welches von Rosenmüller in seinem ״Handbuche der biblischen Alterthumskunde" folgender Maaßen eingeführt wird: '"״In dem letzteren Werke (Wähner's hebräische Alterthümer) setzt der Verfasser, der in seinem Studium des Talmuds von einem gelehrten Juden unterstützt wurde, die in der Mischna befolgte Methode des Vortrags eben so genau als klar aus einander. Wer aus dieser Darstellung das streng Methodische, welches in dieser großen Sammlung von Satzungen und Meinungen herrscht, einfehen gelernt hat, wird nicht anstehen, dem Urtheil beizustimmen, welches Wähner über die Mischna fällt, und als Charakteristik eines nur von Wenigen richtig beurtheilten Werks hier einen Platz finden mag. ״Nach unserm Urtheile wenigstens" sagte ec Seite 294, ״giebt es kaum Etwas, was von einem gut geschriebenen Buche gelobt werden könnte, wegen dessen dieses Werk der Mischna nicht auch empfohlen zu werden verdiente. Die Sprache ist rein hebräisch, in welcher, nach der Sitte der damaligen Zeit, fast unzählige Dinge in gedrängter Kürze vorgetragen werden., Diese Kürze ist daran Schuld, daß dies Buch von denen nicht verstanden wird, welche mit den Verhältnissen der Juden und der Schreibart der damaligen Zeit unbekannt sind. Doch für Ungelehrte schrieb R. Juda der ,,Heilige" nicht, sondern für kenntnißreiche Männer, welche diese Kürze in hohem Maaße erfreut. Scheint irgend wo Etwas dunkel zu zu sein, so wird dies verschwinden, wenn sich nur der Leser bemühet, diese Ausdrucksweise sich geläufig zu machen, denn es ist Alles so treffend, und sinnvoll als möglich geschrieden. Kaum leidet das Buch irgend wie an Abschweifungen oder Lückenhaftigkeit. Endlich ist Alles in einer der damaligen Lehrweise am besten entsprechende Ordnung vorgetragen, sei es auch, daß die heutige, vollkommenere Lehrmethode, es einigermaßen anders verlangen möchte." Lese-Zimmer. Die dritte Lieferung von Freund's Schriften ״zur Judenfrage" enthält einen in der folgenden schließenden Aufsatz über die kirchlichen Verhältnisse der Juden in Preu: ßen. Er rechtfertigt vor Allem, nach Maaßgabe des Preußischen gesetzlichen Herkommens, den Ausdruck ״kirchlich", worauf wir bei Gelegenheit noch besonders zurückkommen, stiebt eine Uebersicht über die dahin gehörigen rechtlichen Verhältnisse der Juden in Preußen und macht darüber, ob der Preußische Staat ein ״christlicher" genannt werden könne, einige treffende Bemerkungen, welche wir, so wie eine Stelle aus einem, das Heft beschließenden, interessanten Brief Rahel's, unfern Lesern mittheilen werden. Außerdem: Di׳. S. Stern, ״das Judenthum als Element des Staatsorganismus, eine Beleuchtung des Verhältnisses, in welches das Judenthum den Forderungen der Zeit gemäß, gegen den Staat treten und zugelassen werden müßte. Auch diejenigen, welche den Standpunkt des Verfassers nicht ganz theilen möchten, werden mit Vergnügen dem sehr ansprechend ducchgeführten Gedanken der Abhandlung folgen. Eine richtige praktische Idee, die der Verfasser S. 163 ausspricht, ist folgende: ״Der einleuchtendste Vortheil besteht wohl in dem Zuwachs des Staats um 200,000 Bürger, die von nun an mit all ihren Kräften, mit ihrer vollen Persönlichkeit dem Staate angehören und kein Interesse mehr haben werden, das von diesem nicht vertreten wird. Es sind schon blutige Kriege um den Besitz von Gebieten geführt worden, die eine geringere Bewohner-Zahl in sich schließen, und der Staat kann zu einem solchen Besitz gelangen, ohne Blut nnd ohne Kampf und erwirbt mit demselben zugleich Dankbarkeit von 200,000 Herzen, die durch seine That ihr ganzes Dasein in eine höhere Region der Existenz versetzt sehen. Die vierte und fünfte Lieferung enthält die an verschiedene israelitische Gemeinden und Privaten ergangenen Ministecialfragen, das jüdische Kultus- und Schulwesen betreffend, mit nöthigen Bemerkungen, sowie auch die Beantwortung dieser Fragen. Ferner: ein von Gumpertz in Berlin abgegebenes Gutachten über die Stellung der Rabbiner zu der Gemeinde; Bemerkungen über die Beschneidungsfrage, wobei mit Recht auf eine strenge Aufsicht namentlich auch in Hinsicht der technischen Fähigkeit derer gedrungen wird, die diese Operation vollziehen. Doch dürfte es sich vielleicht Herausstellen, daß hier im Allgemeinen nicht häufiger Fehler und Nachlässigkeiten vorgekommen sind, als bei sonstigen chirurgischen, vom Staate doch auf das Strengste beaufsichtigten Operationen. Gleichwohl kann man jede Art von Vorsichtsmaaßregeln nur billigen. — Die fünfte und zugleich letzte Lieferung des vorigen Jahres enthalt besonders zwei Gutachten von dm Rabbinern Frankel und Hold heim über die Heiligkeit jüdischer Kirchhöfe, eine Frage, zu welcher der vorjährige Vorfall in Breslau Veranlassung gegeben hat. , Mancherlei zum Denken Wie wenig man oft von den Handlungen auf die Gesinnung z u r ü ck fchlie ß e n kann. In Linz sollte die Reinigung der Oefen im Zuchthause dem Mindestfordernden überlassen werden. Zwei Männer wetteiferten mit einander im Verringern ihrer Forderungen, bis sie sich zuletzt beide erboten, die Mühe umsonst zu übernehmen. Meinst du aus Menschenfreundlichkeit? Nein, aus gegenseitiger Misgunstl Die Arbeit wurde demjenigen von ihnen zugeschlagen, welcher der Aeltere war. Verantwortlicher Verleger <3. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.