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Sabbath-Blatt · 1844-01-06 · 1 (6.1.1844) · p. Seite 4

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
1 (6.1.1844)
Date
1844-01-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Mittelstraße, der strengen Mäßigkeit in den Genüssen, die allein ihn zu heilen vermag, zu greifen, sein Entschluß ist auch gefaßt; allein die Ungeheuer Cherubim, die geflügelten Greife (Sinnbild der Flatterhaftigkeit und Unbeständigkeit) und das sich umwälzende Schwert (Wankelmuth, Mangel an Willenskraft, gewöhnliche Begleiter der Entnervtheil) vereiteln seinen noch so fest geglaubten Vorsatz. 30) Jedoch absolut unmöglich ist seine Rettung nicht; noch steht er da, ganz unversehrt, im Garten Gottes, der Lebensbäum, mit seiner heilbringenden Frucht der Verjüngung. Zwar wahren ihn geflügelte, hin und herstreifende Wächter, mit drohend geschwungener Waffe, stets zurückscheuchend jedes sich vergreifende Beginnen; aber nur dem Muthlosen, dem Unbeharrlichen wird die kostbare Götterfrucht nicht zu Theil. Denn schon ist es so Manchem, wie einem Cornaro^) wie man wohl verstehen muß, in ganz anderer Beziehung, insofern nämlich die rafsinirte Sinnlichkeit als im Mittelpunkte aller, ihr bei ihren erkünstelten Genüssen zu Gebote stehenden, Naturobjekie gedacht wwd. Der Lebensbaum, d. h. die strenge Mäßigkeit in den Genüssen, hat nichts Anlockendes für die Sinne, daher ihm auch keines von den Attributen zukommt, mit denen die andern Bäume in der Mythe ausgestattet sind. 30) Wer denkt hier nicht an das: Video meliora proboque, deteriora sequor. Um die letzte Stelle der Mythe, wie andere ähnlichen Inhalts im alten Testamente und bei den Rabbinen gehörig zu würdigen, und damit uns die Gottheit nicht — nach der verblümten Sprache der Mythe — als ein tyrannisches, von Eifersucht und Misgunst über das Glück des Menschen eingenommenes Wesen, Vorkommen möge, müssen wir bedenken, das sie alle auf dem uralten Religkonsgrundsatz beruhen, welcher cw'e Erscheinungen im Weltall — in der sogenannten leblosen, wie in der belebten und denkenden Natur — und deren, nach den ewigen sowohl physischen als moralischen Gesetzen, nothwendige Causal- Verbindung, auf das Alles durchdringende und bewegende Princip der Gottheit, als ihre erste Ursache bezieht. Wenn demnach ein in Laster Liesversunkener, durch die verderblichen Folgen endlich aus seinem lethargischen Schlafe gerüttelt wird, aber, von der Macht der Gewohnheit gefesselt, nicht mehr so leicht zurückkehren kann, als er auch gern möchte, so wird dies, wie schon oben bemerkt worden, als eine ihm gebührende, von der Gottheit erst jetzt über ihn verhängte Strafe angesehen; weil er sich nicht vor den ersten noch unbedeutenden Übeln Folgen hat warnen lassen, wo es ihm noch sehr leicht gewesen wäre umzukehren. Aus diesein Gesichtspunkte müssen wir viele dergleichen Stellen der heiligen Schrift, wie des Talmuds betrachten, als: לך ואמרח לעם שמעו שמוע ואל חכינו וראו ראה ואל חדעו ,השמן לב העם חזה ואזניו הכבד ועיניו השע פן יראה בעיניו ובאזניו ישמע ולבבו יבין ושב ורפא לו. Jesaja 6, 10. Dann: יען קראתי ותמאנו נטיתי ידי ואין מקשיב .. . נם אני באידכם אשחק ... אז יקראונגי ולא אענה ישחרונני ולא ימצאונני. Sprüche 1, 24 ff. בא לטמא פותחין לו. Trakt. Joma Bl. 38. Ferner: האומר אחטא ואשוב אחטא ואשוב אין ממפיקין בידו לעשות תשובה und andere dergleichen. 31) Dieser merkwürdige Mann, welcher, wie er selbst erzählt, durch die Folgen seiner üppigen und ausschweifenden Lebensweise, von dem 25ten bis nahe an das 40ste Jahr seines Alters, als ein . Opfer der hartnäckigsten chronischen Nervenleiden dahinsiechte, und fruchtlos den reichen Schatz Hygiäen’s zu seiner Rettung aufgeboten, entschloß sich endlich, auf den Rath eines vernünftigen Arztes, und seines Gleichen, welcher beherzt und standhaft genug war, das kühne Abenteuer, den eines wahren Helden würdigen Kampf mit jenen Ungeheuern zu besteben, rühmlichst gelungen, mit tapferer Hand die goldene Hesperidenfrucht des Lebens zu erringen, und sein Heil in gekröntem Siegs davon zu tragen! Vermischte Nachrichten. Nr. 1. des Orients. 1844. bringt eine Schilderung und ein Bild von dem durch Salomon Heine erbaueten israelitischen Krankenhause in Hamburg und giebt zugleich manche Notizen über das Leben dieses edlen Mannes, der als ein armer Jüngling von 17 Jahren, mit 16 Groschen in der Tasche, von seiner Geburtsstadt Hannover nach Hambürg gekommen war, und durch redliche Tüchtigkeit sich allmählich zu glänzender Höhe emporgeschwungen. Cr verdient indeß sein Glück, indem er stets von seinem großen Vermögen den freigebigsten, wohlthätigsten Gebrauch machte. Bei verderblichen Krisen, welche in der Handelswelt vorsielen, war er es stets, der durch wohlverwandte Unterstützungen, die Minderbegüterten, dem Falle zunächst Ausgesetzten, aufrecht erhielt. Dies geschah z. B. bei den traurigen sinanziellen Ereignissen im Jahre 1825 und wiederholte sich bei dem großen Brande von Hamburg. Selbst zu den Abae» brannten gehörend, gab Heine Hundert Tausend Mark Courant zur Unterstützung der Armen her, von denen er Wiele außerdem, längere Zeit hindurch, mit Speisen und andern Bedürfnissen versorgte. Am hochherzigsten aber zeigte er sich, indem er erklärte, vorzugsweise die Papiere solcher Häuser diskontiren zu wollen, deren Zahlungsfähigkeit für den Augenblick eben weniger sicher war. Zu seinen schönsten frühern Stiftungen gehört die zum Andenken eines früh verlohrenen Sohnes gestiftete Vorschußkasse, zum Besten israelitischer Handwerker und Gewerbtrelbender. Auch fragte er bei seinen Werken der Wohlthätigkeit nicht nach der Konfession derer, an welchen er sie übte. Auch christliche Kirchen und Schulen, sind bei ihrer Errichtung sehr ansehnlich von ihm unterstützt worden. — Das am 10. Juni 1841 geweihete und dem Andenken der verstorbenen Gattin Heine's gewidmete Hospital kostete demselben 56,500 Thlr. Es ist ein schöner Ruhm, wenn man seine Glücksgüter als göttliche Gaben betrachtend, sie auch, so wie Heine thut, in göttlicher Liebe zu verwalten weiß. zur strengsten Mäßigkeit, die er mit Ausdauer und Beharrlichkeit beobachtete. Er genas nach und nach, seine Leiden verließen ihn; er wurde der heiterste und glücklichste Mensch von der Welt, und erreichte ein Alter von hundert und vier Jahren. Siehe Konversations-Lexikon Art. Cornaro und Hufeland's Makrobiotik. Lerantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig,

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