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Sabbath-Blatt · 1843-12-09 · 49 (9.12.1843) · p. Seite 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
49 (9.12.1843)
Date
1843-12-09
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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166 Der Verfolgungsgeist erlosch noch nicht mit dem fünfzehnten Jahrhundert, sondern erstreckte sich noch weit hinein in die aufgeklärteren Zeiten des siebzehnten und achtzehnten; und das sogar auch unter einem Herrscher von der ausgebreiteten Kenntniß Friedrich's des Großen, dessen Unduldx samkeit sich nicht mit blindem Glaubenseifer entschuldigen konnte. ‘i0) Wie sehr die Verbannung der Juden dem Sinne der aufgeklärtesten Zeitgenossen entsprach, kann man aus den Lobeserhebungen abnehmen, womit die Urheber derselben von mehr als einer Seite überhäuft wurden. Spanische Schriftsteller ohne Ausnahme, priesen sie als ein erhabenes Opfer aller weltlichen Vortheile für religiöse Grundsätze. In gleicher Weise loben die bestunterrichteten Ausländer den Beschluß, wiewol sie die Einzelnheiten der Ausführung verdämmen oder die Leiden der Juden beklagen, als den lebendigsten und ehrenwerthesien Eifer für den wahren Glauben bekundend. 21) Es ist nicht zu leugnen, daß Spanien damals die meisten Völker der Christenheit an religiöser Begeisterung, oder richtiger gesagt, an blindem Glaubenseifer übertraf. Ohne Zweifel muß man dies den langen Kriegen mit den Muselmannen zuschreiben, und der kürzlich erfolgten rühm» war, den Namen Moses auszusorechen!" Er niuunt das Alter von drei Jahren als das höchsre dafür an. (!Luiopn purtguesa, II, 4!)6.) Turner hat mit seinem bekannten Fleiße die wichtigsten Zeitereignisse in Bezug auf die neuere Geschichte der Juden, in eine Anmerkung zusammen gedrängt, die im zweiten Bande seiner Geschichte von England steht, 114—120. 20) Auch aus Wien wurden sie 1609 vertrieben. Die engherzige und wirklich höchst grausame. Gesetzgebung Friedrich's >1. in Bezug auf seine jüdischen v.nterthanen versetzt uns in die finstersten Zeiten des westgothischen Reiches zurück. Der Leser findet eine Ueberschrift von diesen Verfügungen im dritten Bande von Milman's gut geschriebener Histm-y of the Jews. (Der Uebersetzer hat das angeführte Werk von Milman zu Rathe gezogen und Nichts darin gesunden, was zu der scharfen Bemerkung des Verfassers berechtigen könnte!!) 21) Der hochgebildete und liebenswürdige Florentiner, Pico di Mirandola, bemerkt in seiner Abhandlung über die Srerndeuterei, daß ״die Leiden der Juden, woran die göttliche Gerechtigkeit ein Ergötzen hatte, so groß waren, daß sie uns Christen mit Mitleid erfüllten." Der genuesische Geschichtschreiber Senarega giebt in der That zu, daß die Maßregel einen leichten Anstrich von Grausamkeit hatte, ״lies liaec primo conspectu laudubilis Visa est, quia decus nostrae religionis respiceret, sed aliquantulum in 86 crudelitatis continere, si 608 non belluas, sed bouiines a 1)60 creatos, consideravimus.“ De rebus genuensibus bei Muratori, Rerum ital. script., XXIV. — Illescns, Hist, pontif., bei Paramo, De origine lnquisitionis, 167. vollen Beendigung derselben, wodurch alle Herzen mit ausgelassener Freude erfüllt, und geneigt wurden, den Sieg des Kreuzes dadurch vollständig zu machen, daß man das Land von einer Ketzerei säuberte, die man, so sonderbar es scheinen mag, kaum weniger verabscheute als die Mahomeds. Veide Herrscher thcilten diese Gefühle in vollem Maaße. In Rücksicht auf Jsabella darf man überdies nie vergessen, daß sie, wie im Laufe dieser Geschichte schon öfter angeführt ward, gewohnt war, in Gewissenssachen, ihr eigenes Unheil jenen geistlichen Wächtern unterzuordnen, die man damals für die rechtmäßigen Bewahrer derselben, und für die einzigen Gewissenslehrer hielt, welche die zweifelhafte Linie der Pflicht mir Sicherheit vorzuschreiben vermöchten. Jsabella's frommes Gemüth, und ihr ängstliches Streben zur Erfüllung ihrer Pflicht, wie sehr diese auch ihrer persönlichen Neigung widerstreben mochte, verliehen den Vorschriften ihrer Erziehung große Wirksamkeit. Auf diese Weise wurden selbst ihre Tugenden zu Quellen ihrer Jrrthümer. Unglücklicherweise lebte sie in einem Zeitalter, und stand auf einer Stelle, wo sich diesen Jrrthümern die erheblichsten Folgen anschlossen. '&) 22) Llorente fügt seiner Erzählung von der Vertreibung folgende Beweggründe hinzu, die hauptsächlich dabei gewirkt haden. ״Die Maßregel", sagt er, ״muß zugeschn'eöcn werden: der Glaubenswuth Torquemada's, der Habsucht und dem Aberglauben Ferdinand's, den falschen Begriffen und dem rücksichtslosen Eifer, den man Jsabella eingeflößt hatte, welcher die Geschichte weder ein sanftes Gemüth, noch einen erleuchteten Geist absprechen kann." Hist, de!'Inquisition, I. ebap. 7, sec.!0. Lese-Zimmer. Bruno Bauer und seine gehaltlose Kritik über die Judenfrage, von Dr. Gotthold Salomon. Hamburg 1843. 8» Perthes-Besser und Mauke. Unter allen Widerlegungen, die bis jetzt gegen Bruno Bauer, den modernen Herostrat, crschienen sind, ist die Salomon'sche die nachdrücklichste. — Nicht ein Haar breit Terrain laßt S. seinem Gegner unangefochten; Schritt für Schritt folgt er ihm, in alle Winkel- ,nid Nebenzüge des zu bekämpfenden Feindes tritt er, greift alle Verschanzungen an, und siegreich verläßt er auch den Kampfplatz. Auch zeichnet diese Schrift eine populäre, dem gewöhnlichen Bewußtsein zugängliche Darstellung aus, und können wir sie deswegen unfern geehrten Lesern nicht genug empfehlen. — Die Ausstattung ist sehr hübsch. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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