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Sabbath-Blatt · 1843-12-02 · 48 (2.12.1843) · p. Seite 192

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
48 (2.12.1843)
Date
1843-12-02
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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192 gebracht habe, daß er einigen geschickten Künstlern erlaubte, sich für immer im Königreiche niederzulassen.") Eine beträchtliche Anzahl nahm ihren Weg nach den Häfen von Santa Maria und Cadix, von wo sie, nachdem sie eine Zeitlang in der eiteln Hoffnung verweilt hatten, das Wasser, nach den Verheißungen ihrer Rabbiner sich zu ihrem Durchgänge öffnen zu sehen, sich am Bord einer spanischen Flotte nach den Küsten der Berberei einschifften. Als sie nuch Ercilla, einer christlichen Niederlassung in Afrika, übergeschifft waren, von wo sieihren Weg nach Fez zu Lande fortsetzten, wo eine große Menge ihrer Landsleute angesessen war, wurden sie auf ihrem Wege von den räuberischen Horden der Wüste angefallen, um geplündert zu werden. Des Verbots ungeachtet, hatten die Juden kleine Summen zu verheimlichen gesucht, die sie in ihren Kleidern oder in dem Futter ihrer Sättel eingenäht hatten. Diese entgingen den habgierigen Blicken ihrer Plünderer nicht, die, wie man sagt, ihren Schlachtopsern sogar den Leib aufgeschlitzt haben sollen, um nach Geld zu suchen, das sie etwa verschluckt haben könnten. Die zügellosen Wütherige, um ihre Wollust wie ihre Habgier zu befriedigen, erlaubten sich noch gräulichere Frevel, indem sie die Weiber und Töchter der Juden, die keinen Widerstand leisteten, nothzüchtigten, und diejenigen kaltblütig niedermetzelten, welche sich widersetzten. Doch ohne diese traurigen Einzelnheiten weiter fortzusetzen, müssen wir nur noch hinzufügen, daß die elenden Vertriebenen so große Hungersnoth litten, daß sie froh waren, sich noch von Gras nähren zu können, das im Lande der Wüste dürftig wuchs, bis zuletzt Viele von ihnen, von Beschwerden erschöpft und gebrochenen Herzens, nach Ercilla umkehrten, und sich der Taufe unterwarfen in der Hoffnung, daß man ihnen erlauben werde in ihr Geburtsland zurück zu kehren. Die Anzahl derselben war so groß, daß der das heilige Amt verrichtende Priester genölhigt war, sich des Fegewisches oder Psops zu bedienen, womit die römisch-katholischen Heidendekehrer die heiligen Tropfen auszusprengen pflegten, deren gekeime Kraft die Seele in einem Augenblicke von den gröbsten Flecken des Unglaubens reinigen konnte. ,,So wurde" sagt ein castilianischer Geschichtschreiber ״den Trübsalen dieser armen unglücklichen Geschöpfe durch ein vortreffliches Heilmittel ein Ende gemacht, dessen Gott sich bediente, ihnen die Augen zu öffnen, womit sie nun sahen, wie eitel die Versprechungen der Rabbiner gewesen; so daß sie, ihrer alren Ketzerei entsagend, zu treuen Anhängern des Kreuzes wurden! "״) 10) Zurita, Anales, V, 9. — Ferreras, Hist. d’Espagne, VIII, 133. — Bernaldez, Reyes catolicos, wie oben. — La Clede-, Hist, de Portugal, IV, 95. — Mariana, Hist, de Espanna, 11, 602. 11) Ferreras, Hist. d'Espagne, VIII, 133. — Bernaldez, Reyes catolicos, Ms cap 113. Viele von den Ausgewanderten nahmen ihren Weg nach Italien. Die, welche in Neapel landeten, brachten eine ansteckende Krankheit mit, die sich durch lange Einsperrung in kleinen, mit Menschen überhäuften und schlechtversorgten Schiffen bekommen hatten. Die Krankheit war so bösartig, und griff mit so reißender Schnelligkeit um sich, d>ß sie im Laufe eines Jahres mehr als 20,000 Einwohner der Stadt dahin raffte, von wo sie ihre Verwüstung über die ganze italienische Halbinsel verbreitete. Ein genuesischer Geschichtschreiber, der Augenzeuge von den Auftritten gewesen, die er schildert, entwirft folgendergestalt ein anschauliches Bild von diesen Gräueln. ״Niemand" sagt er, ״konnte die Leiden der verbannten Juden ohne Rührung sehen. Sehr Viele starben Hungers, besonders die von zarterem Alter. Mütter, die kaum Kraft genug hatten, sich selbst aufrecht zu erhalten, trugen ihre verhungerten Kinder auf den Armen und starben mit ihnen. Viele erlagen der Kälte, andere quälendem Durst, während die eine Seereise begleitenden ungewohnten Leiden ihre Krankheilen verschlimmerten. Uebec die Grausamkeit und Habgier, denen sie von den Eigenthümern der Schiffe ausgesetzt waren, worauf sie aus Spanien fortgeschafft wurden, will ich mich gar nicht weitläufig auslassen. Einige wurden zur Befriedigung ihrer Habgier, ermordet, Andere gezwungen ihre Kinder zu verkaufen, um die Kosten der Ueberfahrt zu bezahlen. Sie kamen haufenweise in Genua an, durften daselbst aber nicht lange verweilen, da ein altes Gesetz dem jüdischen Reisenden keinen längern Aufenthalt als drei Tage gestattet. Jedoch wurde ihnen erlaubt, ihre Schiffe auszubessern, und sich einige Tage von den Beschwerden der Reise zu erholen. Man hatte sie für Gespenster halten können, so abgemagert waren sie, so leichenhaft sahen sie aus, und mit ihren eingefallenen Augen, waren sie von Tobten nur dadurch zu unterscheiden, daß sie sich bewegten, und selbst das konnten sie kaum mehr. Viele sanken in Ohnmacht und starben auf dem Hafendamm, der, von der See rings umgeben, der einzige den elenden Auswanderern verstattete Aufenthaltsort war. Die durch einen solchen Schwarm von Todten und Sterbenden verbreitete Verpestung wurde nicht sogleich bemerkt; doch als der Winter zu Ende ging, zeigten sich Geschwüre, und die Krankheit, die schon lange in der Stadt lauerte, brach das nächste Jahr in Pest aus."") Viele von den Verbannten schifften nach der Türkei und nacd verschiedenen Theilen der Levante über, wo ihre Nachkommen noch lange ins folgende Jahrhundert hinein, fortfuhren die castilianische Sprache zu reden. Andere nahmen ihren Weg nach Frankreich und selbst nach England. 12) Senarega, bei Muratori, Reruin ital. script. XXIV, 531, 532. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I» H. Nagel in Leipzig.

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