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Sabbath-Blatt · 1843-11-18 · 46 (18.11.1843) · p. Seite 184

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
46 (18.11.1843)
Date
1843-11-18
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 und besetzt mit Teufelsgestalten und Feuerflammen, die auf die folgende Bestimmung des Ketzers deutend, dazu dienten, ihn in den Augen der abergläubigen Menge noch verhaßter zu machen. Der größte Theit der Dulder ward verurthcilt ״versöhnt" zu werden; die verschiedenen Deutungen dieses sanften Ausdrucks sind schon angegeben worden. Diejenigen, welche ״abgespannt" werden sollten, wie man es nannte, wurden als unbußige Ketzer dem weltlichen Arme ausgeliefert, um ihre Sünde durch die qualvollste der Todesarten abzubüßen, mit dem noch qualvollern Bewußtsein, daß sie einen mit Schande gebrandmarkten Namen, und in ewiges Verderben gestürzte Familien zurückließen. Es ist merkwürdig, daß eine solche scheußliche Anstalt, wie die Inquisition, die dem Fortschritte der Wiflenschaft wahrscheinlich das größte jemals erlebte Hinderniß in den Weg gestellt hat, zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts wieder ausleben sollte, wo das Licht der sittlichen Bildung sich so schnell über ganz Europa zu verbreiten begann. Noch merkwürdiger ist es, daß es in Spanien geschah, das damals unter einer Regierung stand, die bei mehr als einer Gelegenheit große religiöse Unabhängigkeit gezeigt, allgemeine Achtung vor den Rechten ihrer Unrerthanen bewahrt, und eine hochherzige Staatsklugheit in Bezug auf ihre geistige Bildung an den Tag gelegt hatte. Wo? möchten wir fragen, wenn wir die Verfolgung eines unschuldigen, gewerbthätigen Volkes sehen wegen des Verbrechens, an dem Glauben ihrer Vorfahren zu bängen, wo war die Menschenliebe geblieben, die den alten Castilianer antrieb, Muth und Tugend in einem Ungläubigen zu achten, obgleich er sein Feind war? Wo die ritterliche Hingebung, die den König von Aragonien, drei Jahrhunderte früher vermochte, sein Leben zur Vertheidigung der verfolgten Sektirer der Provence hinzugeben? Wo der unabhängige Sinn der den castilianischen Edelleuten, noch unter der letzten Regierung eingab, die beabsichtigte Dazwischenkunft des Papstes in ihren Angelegenheilen, mit Verachtung von sich zu weisen, daß sie jetzt dahin gekommen waren, ihren Nacken unter wenige tolle Priester, die Mitglieder eines Standes, zu beugen, der in Spanien wenigstens, eben so wegen seiner Unwissenheit als wegen seiner Unduldsamkeit bekannt war? Bei dem nicht zu leugnenden Widerwillen, den die Castilianer, und spater noch mehr die Aragonier, so offen gegen die Inquisition bekündeten, kann man kaum glauben, daß es der Geistlichkeit gelungen wäre, derselben Bestand bei ihnen zu geben, hätte sie sich nicht der Vorurtheilr des Volkes gegen die Juden bedient. Die Vorsehung wollte indeß, daß die Leiden, welche so über dieses unglückliche Volk gehäuft wurden, in vollem Maße dem Volke vergolten werden sollten, das sie zufügte. Die Flammen der Inquisition, die allein für die Juden cmgezündet wurden, waren auch am Ende dazu bestimmt, ihre Unterdrücker zu verzehren. Sie wurden noch mehr durch den sittlichen Einfluß dieses Gerichtshofes gerächt, der wie ein verderblicher Krebs in dem Herzen des Königreichs um sich fraß, gerade zu der Zeit, als er die glücklichste Zukunsc versprach, und als einen nackten, saftlosen Stamm zurückließ. Obgleich die Verfolgungen unter Torquemada sich fast ganz auf die Juden beschränkten, war seine Thatigkeit doch von der Art, daß sie, in Rücksicht auf die Verfahrungsformen, seinen Nachfolgern zu fleißiger Nachahmung diente; wenn man das Wort Formen eigentlich auf so kurz gefaßte gerichtliche Untersuchungen anwenden kann, wonach der GerichtSbof von Toledo allein in etwas länger als einem Jahre, 3327 Prozesse zu Ende brachte. Die Zahl der Ueberführten war durch die Thorheit der Dominikaner-Mönche bedeutend angewachsen, die als Beurtheiler, oder Erklärer dessen, was als Ketzerei galt, auftraten, und deren Unwissenheit sie oft verleitete, solche Satze als Irrglauben zuverdämmen, die geradewegs den Kirchenvätern entnommen waren. Der Gefangenen auf Lebenszeit wurden so viele, daß man ihnen ihre eigenen Häuser als Gefängnißörter anweisen mußte. Die Angaben zu einer genauen Berechnung der Anzahl von Schlachtopfern, die unter dieser Regierung durch die Inquisition sielen, sind nicht sehr genügend. Von den Vorhandenen ist indeß Llorente zu den schauderhaftesten Ergebnissen gekommen. Er berechnet, daß während der achtzehnjährigen Verwaltung Torquemada's, nicht weniger als 10,220 verbrannt, 6860 verurtheilt, und als abwesend oder todt im Bilde verbrannt, und 97,321 durch verschiedene andere Strasen ״versöhnt" worden sind; was im Durchschnitt jährlich mehr als 6000 Ueberführte beträgt. In dieser ungeheuren Summe menschlichen Elends ist die Menge von Waisen nicht mit eingerechnet, die durch die Einziehung ihres väterlichen Ecbtheils in Dürftigkeit versetzt und zu Lastern verführt wurden. Mehrere der ״Versöhnten" wurden nachher wegen eines Rückfalles verurtheilt; und der Pfarrer von Los Palacios ' äußert den menschenfreundlichen Wunsch, daß ,,das ganze verfluchte Geschlecht der Juden, männlich und weiblich, von zwanzig Jahr an und darüber, möchte durch Feuer und Flammen gereinigt werden! Der weitläufige Geschäftsbetrieb der Inquisition verursachte so große Ausgaben, daß nur eine verhältnißmäßig sehr kleine Summe in den Schatz:floß, um dem großen Schaden entgegen zu wirken, der dem Staate aus der Aufopferung des thätigsten und geschicktesten Theiles seiner Bevölkecung erwuchs. Jeder weltliche Vortheil wurde indeß für unbedeutend im Vergleich zu der Reinigung des Landes von Ketzerei gehalten; und Alles, was an vermehrten Einkünften einging, wurde, wie man uns versichert, gewissenhaft auf fromme Zwecke und den Maurenkrieg verwendet. . (Schluß folgt.1 Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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