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Sabbath-Blatt · 1843-11-11 · 45 (11.11.1843) · p. Seite 180

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
45 (11.11.1843)
Date
1843-11-11
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 sind so sonderbarer Art, daß einige derselben angeführt zu werden verdienen. Für eine große Wahrscheinlichkeit der Thatsache wurde angenommen, wenn der Gefangene bessere Kleider oder reinere Wäsche am jüdischen Sabbach als an anderen Tagen der Woche trug; wenn er am Abend vorher kein Feuer bei sich im Hause hatte; wenn er mit Juden bei Tische saß, oder Fleisch von Thieren aß, die von ihnen eigenhändig geschlachtet waren, oder ein gewisses Getränk wank, das von ihnen sehr geschätzt war; wenn er einen Leichnam mit warmen Wasser wusch, oder ihn sterbend mit dem Gesicht gegen die Wand kehrte; oder endlich, wenn ec seinen Kindern hebräische Namen gab; eine wunderliche grausame Annahme, da es ihm durch ein Gesetz Heinrich's II. bei strenger Strafe verboten war, ihnen christliche Namen zu geben. Es muß ihm schwer gewesen sein, sich aus den Windungen dieses Widerspruchs zu ziehen. Dies sind einige wenige von den Umständen, theil: weise ihrer Natur nach rein zufällig, theilweise die Frucht früherer, und auch nach einer aufrichtigen Bekehrung zum Ehristenthume, vielleicht beibehaltener Gewohnheiten; alle aber unerheblich, aus denen peinliche Anklagen hergeleicet, und worauf sie als begründet angenommen wurden. Die Ketzerrichter wendeten das listige und ungerade Verfahren des alten Gerichtshofes an, und gingen mit einer Eile zu Werke, welche zeigt, daß sie selbst vor der gesetzlichen Form, die sie zur Schau trugen, wenig Achtung hegten. Am sechsten Tage des Januar wurden sechs überführte Missethäter an den Galgen geknüpft. Siebenzehn andere wurden im Mart hm^erichtet, und eine noch größere Anzahl im folgenden Monat, und bis zum 4. November desselben Jahres waren nicht weniger als zweihundecrneunundachtzig in den Autos da fe in Sevilla geopfert worden. Außer diesen wurden die modernden Gebeine Einiger, die erst nach ihrem Tode vor Gericht gestellt und überführt worden waren, mit hyanengleichec Wuth aus ihren Gräbern gerisien, womit sich kein anderes Gericht, weder christliches noch heidnisches, geschändet hat, und zum gemeinschaftlichen Scheiterhaufen verurtheilt. Dieser wurde aus einem geräumigen Steingerüste in der Vorstadt aufgerichtet, an dessen vier Ecken die Bildsäulen von vier Propheten befestigt waren, und die unglücklichen Schlachtopfer daran festgebunden. Der würdige Pfarrer von Los Palacios preist mit großer Wohlgefalligkeit diese Stelle ״wo die Ketzer verbrannt wurden, und so lange brennen sollten, als nur noch einer zu finden sei." Mehrere der Ueberführcen waren Leute, die wegen ihrer Kenntnisse und Redlichkeit Achtung verdienten; und unter diesen nennt man drei Geistliche neben Anderen, die hohe richterliche oder obrigkeitliche Aemter bekleideten. Man bewerkte, daß das Schwert der Gerechtigkeit besonders die Reichen traf, denen man in Zeiten der Achtserrlärung am schwersten verzeiht'. Die Pest, welche Sevilla in diesem Jahre verwüstete und 15000 Einwohner dahinraffte, als wollte der Himmel dadurch seinen Zorn über diese Abscheulichkeiten offenbaren, Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. lähmte den Arm der Inquisition nicht einen Augenblick, sondern diese setzte, nach Aracena überstedelnd, ihre Thätigfeit eben so unermüdlich fort wie,vorher. Aehnliche Verfolgungen fanden in andern Theilen der Landschaft Andalusien statt; so daß innerhalb des nämlichen Jahres 1481, die Zahl der Dulder geschätzt wurde, auf '2000 lebendig, eine noch größere Zahl im Bilde Verbrannter, und 17000 ״Versöhnter;" ein Ausdruck, der von dem Leser nicht so verstanden werden muß, als bedeute er eine Verzeihung oder allgemeine Vergebung, sondern nur die Aenderung der Todesstrafe in geringere Strafen, als Geldbußen, bürgerlichen Tod, gänzliche Einziehung des Eigcnthums und nicht selten lebenslängliches Gefängniß. Die Juden waren bestürzt über den Blitz, der sie so unerwartet getroffen hatte. Einigen gelang es, nach Granada, Anderen nach Frankreich, Deutschland oder Italien zu entfliehen, wo sie gegen die Entscheidungen des Heiligen Amtes beim Papste Berufung einlegten. Sixtus IV. scheint einen Augenblick etwas wie Gewiffensbisse empfunden zu haben; denn er tadelte den ungemäßigten Eifer der Ketzercichter und drohte ihnen selbst mit Absetzung. Doch waren diese Gefühle dem Anscheine nach nur vorübergehend; denn im Jahre 1483 finden wir, daß der nämliche Papst die Bedenken Jsabella's wegen Aneignung des eingezogenen Eigenthums beschwichtigte, und beide Herrscher ausmunterte, in dem großen Werke der Reinigung foctzufahren, indem er sich verwegen auf das Beispiel Jesu Ehristi bezieht, der, sagt er, sein Reich auf Erden durch Zerstörung dos Götzendienstes befestigte; und schlüßlich schreibt er ihre Erfolge in dem maurischen Kriege, in welchem sie eben begriffen waren, ihrem Eifer für den Glauben zu, und verhieß ihnen ähnliche für die Folge. Im Laufe desselben Jahres erließ er zwei Breves, wodurch er Thomas de Torquemada zum Großinqusitor von Castilien und Aragonien ernannte, und ihn mit unumschränkter Vollmacht versah, eine neue Verfassung für das Heilige Amt zu stiften (2. August und 17- Oktober 1483). Dies war die Entstehung jenes schrecklichen Gerichtshofes, der spanischen oder neuern Inquisition, die den meisten Lesern entweder aus der Geschichte oder aus Romanen bekannt ist, und die drei Jahrhunderte hindurch ihre eiserne Gewalt über die Länder von Spanien und Portugal ausgedehnt hat. —--: (Forts, fgt.) Lese-Zimmer. Vocabularium zum Pentateuch, u.s.w. von Joel Nathan, israel. Lehrer zu Danzig, nebst Vorwort des Herrn Dr. Bram, Director der israel. Freischule. Eigenthum des Verfassers. Danzig 1844. Ein einfaches Vocabularium zum Pentateuch fehlte bisher. Israelitischen Schulmännern wird daher vorliegendes Merkchen recht willkommen sein Dasselbe ist mit vieler Sorgfalt gearbeitet, entspricht dem Zweck vollkommen, und verdient vielfach benutzt zu werden. Wir freuen, uns, dieses Vocabularium allen israel. Schul- Anstalten recht sehr empfehlen zu können. — Druck von I. H» Nagel in Leipzig.

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