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Sabbath-Blatt · 1843-10-21 · 42 (21.10.1843) · p. Seite 168

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
42 (21.10.1843)
Date
1843-10-21
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 rer Religion, welche man oft als die nie versiegende Quelle aller ihrer Unlugenden angegeben hat, ein Geist vorherrschen müsse, welcher ihren׳ Bekennern die Kraft, jedem Drucke siegreich zu widerstehen, und die Elasticität verleiht, durch welche sie, sobald der Druck Nachlaße, sich wieder in unenlstellter menschlich würdiger Gestalt emporrichlen. Ware dies nicht, so müßten bei der Behandlung, welche sie von den Christen erfahren haben, langst die Ueberreste der jüdischen Nation im Kampfe gegen die ihnen an äußerer Macht so weit überlegene Gesellschaft zu Grunde gegangen sein." (Schluß folgt.) Die neuesten Moloch-Schriften. (Von 8—2.) (Schluß.) Man kennt die Gewalt, die der Aberglaube auf das menschliche Herz übt. Hier wandte er sich an die blindeste Leidenschaft, die Selbstsucht. Die Götter, so sprachen die Priester des Moloch, mit der furchtbaren Beredsamkeit eigner fanatischer Ueberzeugung, (denn sie waren ״betrogene Betrüger",) und zwar in Zeiten, da furchtbare Unglücksfalle die Gemüther ängstigten, die Götter die ihr verbrecherisch läugnet, sie fordern ein Opfer, ein Menschenopfer zur Sicherung, sonst trifft ihr Zorn euch und die Eurigen und das Land. Man weiß aus einem alten Schriftsteller 1), daß einst in Karthago, auf solchen Anlaß, die Kinder der edelsten Familien als blutige Opfer sielen. Auch gab es bekanntlich kein Volk des Alterthums, selbst die Römer, die edeln Griechen mitgerechnet, unter welchem nicht Menschenopfec sielen. Ist es unter solchen Umständen nicht eben ganz besonders zu würdigen, daß dennoch der Dienst des Einen Gottes zu allen Zeiten in Israel seine zahlreichen und eifrigen Anhänger behielt, daß die Propheten in seinem Namen, von dem Volke und den Gesetzen geschützt, stets, selbst gegen iabgöttische) Fürsten frei reden durften, daß selbst in den verderbten Zeiten, in denen Elias auftrat, sieben Tausend gefunden worden, die von Baalsdienst ganz frei geblieben waren? Ist es nicht eine sprechende Darlegung der Volksgesinnung, wenn das israelitische Heer den hartbedrängten König Moab frei abziehen läßt, aus Abscheu darüber, daß er seinen ältesten Sohn auf der Mauer als Opfer mordet?^) Aber wenn hier und da die Gräuel des Molochdienstes auch in Israel eindrangen, auch da mitunter der geängstete, blinde Aberglaube seine Opfer im Ge-Hinnom (einem Thale bei Jerusalem) darbrachte (dessen Namen die Israeliten eben deshalb zur Bezeichnung der Hölle brauchten), kann uns dies so sehr befremden? Die Israeliten sind, fünfzehnhundert Jahre in Mitten von Götzendienern lebend, nicht ganz frei von ihrem gefährlichen Wahne geblieben! — 1) Diodor., 2) 2 Kön. 3, 27. Der Aberglaube, der Fanatismus der Priester hat noch überall, und auch im Schooße des Christenthums seine Opfer gefordert. Die Scheiterhaufen der Inquisition lodern nicht reiner, die 30,000 Opfer der Pariser Bluthochzeir, welche der Papst durch Verkündigung eines Jubeljahres und durch kirchliche Feste feierte, die Gräuelthaten, welche die Kreuzfahrer auf ihren Zügen verübten, die Opferfeuer, auf denen man Savanarola und den herbeigelockten Huß vecbrannte, wobei jeder Bauer es für verdienstlich halten durfte, auch seine Scheite Holz zur Verbrennung des Ketzers beizulegen, sie sind auch wahrlich nichts Besseres. Aber das ist die einfache Antwort auf jene vollen und dicken Bücher, auf alle ihre boshaften Seitenblicke und gemurhmaßten Möglichkeiten die — Religion selbst, die israelitische und die christliche, hat mit allen diesen Gräueln Nichts zu schaffen. Was der Götzendienst gebracht hat, ist mit ihm auch verschwunden. Die Gesetze Mosis der Schuld an diesen Moloch - Opfern theilhaft machen zu wollen, hieße Unredlichkeit mit Unwissenheit verbinden. Die Gesetze gegen den Mord, und namentlich auch gegen den religiösen Mord, gegen den Götzendienst und namentlich gegen den Dienst des Moloch sind vollkommen klar und werden auf das strengste und wiedecholeytlich eingeschärft. Aus diesem Grunde eben wird auch jede Verbindung mit den sieden Kanaanitischen Völkern untersagt, ״denn du möchtest etwa ihre Götter suchen, sprechend: wie diese Völker ihren Göttern dienen, also will auch ich thun. Nicht sollst du also thun dem Ewigen, deinem Gotte, denn Alles, was dem Ewigen ein Gräuel, was er hasset, thun sie ihren Göttern, denn auch ihre Söhne und ihre Töchter verbrennen sie im Feuer ihren Göttern." 5 Mos. 12, 30. f. 3) In dem Sinn und Geiste dieses Gesetzes sprachen die Propheten durch alle Zeiten, unter diesen Gesichtspunkc bringen die Verfasser der biblisch-geschichtlichen Bücher die Ereignisse und den Charakter der Fürsten. Die: ses Gesetz und dieser Geist und wahrlich nicht der Götzen - und der Molochdienst, gab dem Volke die Kraft, durch anderthalb Jahrtausende für den Gedanken des Einen Gottes mit dem Heidenthume zu kämpfen, und stärkte es dann wiederum, durch achtzehn Jahrhunderte dem Gesetz seiner Väter treu zu bleiben. Man sieht also, wie viel wahrer wissenschaftlicher Sinn, wie viel redliche Forschung in Schriften sein kann, — und wie weit sie einer ausführlichen Widerlegung würdig wären — die die Ausnahme zur Regel, den Theil zum Ganzen, das mit Todesstrafe Verbotene zum Erlaubten und Gebotenen machen, um vermit- Lelst dieses falschen Spiegels alter Zustände, einige irre führende, blendende Streiflichter des Haffes auf einige neue, von den Redlichen aller Konfessionen gleich gewürdigte, Ereignisse zu werfen. 3) Vergl. meine ״Bemerkungen über Trains Gesch. der Zuden in Regensburg" in Illgens Zeitschrift für historische Lheologie 1841. IV. Druck von Z. H. Nagel in Leipzig. m Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig.

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