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Sabbath-Blatt · 1843-10-09 · 40 (9.10.1843) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
40 (9.10.1843)
Date
1843-10-09
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 mn Sälen und Prunkgemächern, einziehen in eine enge Hütte von Laub und dennoch ein Freudenfest feiern? — Dein Verhältniß zu Gott ist ein bräutliches, und so wie Liebende selbst in einer ärmlichen Hütte froh und glücklich sind, wenn sie nur bei einander bleiben und für einander leben können, so hast auch du gerne die Häuser in Egypten verlassen, und zogest nach dem Ewigen, deinem Gotte, in die Wüste, und wohntest in ärmlichen Hütten, aber glücklich im Gefühle deiner Unschuld und zufrieden in dem Bewußtsein, daß du deinem Gotte angehörest und ihm bräutlich angelobet seiest durch die Bande der Liebe und der Treue. Durch solche innige Hingebung an deinen Gott hast du dir, Israel! die Gnade deines Herrn errungen, denn also spricht der Ewige: ״Ich gedenke dir die innige Hingebung deiner Jugend, deiner Liebe, als du dich mir verlobtest, als du mir nachgingest in der Wüste, in einem Lande, das nicht desäet war. זכרתי לך חסר נעוריך אהבת כלולתיך לכחך אחרי (Irrem. 2, 2,) .במדבר בארץ לא זרועה So wird die Hütte, in welche du eingezogen, dich an die schöne Zeit deines Brautstandes erinnern, an die glückliche Zeit, da deine Freude darin bestand, in Unschuld zu wandeln und deinem Gotte anzugehören. Und da du auch jetzt nach dem Feste der Versöhnung wieder deinem Gotte angehörest, und frei von Sünde, wiederum in Unschuld wandelst, so wird dir deine Laubhütte ein Bild des Paradieses sein, in welchem wahres Glück und wahre Herzensfreude wohnet. Darum verlasse gern das Haus mit seinen Sälen und Prunkgemächern, denn das Glück steht in keiner Gemeinschast mit dem Ueberflusse, und in den hellerleuchteten Zimmern, die da strahlen von Glanz und Pracht, sind die Bewohner nicht immer so glücklich, als der Schein es verspricht. In der ärmlichen Hütte, wo die Liebe und die Unschuld weilet, ist mehr Freude zu finden, als in den Palästen, wo die Seufzer verhallen in weiten Räumen, wo die aufgehauften Schätze nur die stummen Zeugen des tiefen Elends sind. Erkenne es und beherzige es, wie du auch ohne den Ueberfluß, ohne die Schätze, die du aus verschiedenen Welttheilen hergeholt — ein Freud enfest feiern könnest in deiner Hütte von Laub. — Du hast ein reines Gewissen, stehst in einem innigen Verhältnisse zu deinem Gott, erfreust dich seiner Gaben, so viel du deren bedarfst, die frohen Mienen deiner Kinder lächeln dich an, es waltet die Liebe in deiner Hütte, Friedenshauch durchweht das kleine Paradies, das du dir gegründet, und ein Strahl der ewigen Erbarmung erleuchtet den Raum, daß du in deiner Hütte wie in einem Heiligthum wohnest. Kannst du da nicht ein Friedenfest feiern? Ja freue dich und frohlocke Israel, denn deine Hütte ist eine Friedenshütte, in der dir aufgehen soll die Ahnung der ewigen Seligkeit, in der du vorempsinden sollst die Freuden, die dich einst erwarten in der Hütte, die Gott für seine Frommen baut, welche dereinst, geschmückt mit Siegespalmen, anstimmen das große, himmlische Halleluja. Amen! (S—f—d.) Feit ׳Wilder. Der Frankfurter Reform-Verein, beurtheilt von einem Hannöver'schen Rabbiner. (Schluß.) Bezeichnen wir etwa dieses als eine Huldigung der Kunst, der erhabenen Veredlerin des Menschengeschlechtes, der Nachahmerin göttlicher Natur, welche das Gemüch durch rhythmische Bilder des Schönen, der Anmuth und Symmetrie erwärmt, wenn ihr Einfluß auf die Erhebung des sittlichen Werthes im Menschen überall geläugnet wird? — Die Negation aller positiven Bestimmungen setzt nothwendig ein beabsichtigtes Herausrreten aus der Mitte des Judenthums, des traditionellen Judenthums voraus, und unmöglich kann sie im Besitze einer Kraft sich befinden, die auf das Judenthum eine wohlthuende Rückwirkung hervorbrächte. Unfruchtbare, veraltete Aeste eines Baumes abschneiden, um dessen Fruchtbarkeit zu retten und in einem gewissen Grade zu vermehren, erheischt die Pflicht jedes sorgsamen Gärtners, aber den noch brauchbaren Stamm mit der Wurzel herausziehen, daß an seinen Früchten Niemand mehr Erquickung finde, das ist eine Sünde, ein Verbrechen, das auf Verzeihung keinen Anspruch machen darf. Und die positiven Vorschriften alle, die eigentlichen Trägerinnen des in der Religion wehenden und über das ganze Gebiet der Religion sich verbreitenden göttlichen Geistes, antasten, heißt nichts Anderes, als die Tradition entwurzeln, entwürdigen, ihr den Untergang und den Tod schwören. Der Mann aber, der auf die Stimme des Gewissens noch einigen Werth legt, der den Gottesruf im eigenen Innern zur Richtschnur seiner Handlungsweise macht, der mit Ernst und heiliger Scheu über derartige wichtige Gegenstände nachzudenken gewohnt ist, schließt sich aus Religion einer Reli: gionspartei an; die neue Lehre fordert eine Taufe, die alte das Bündniß. Der in Frage stehende Verein aber, der keine Theologen in seiner Mitte zäblt, und die Ueberzeugung gewonnen haben mußte, daß jede Neologie solcher Art höchstens nur vom Standpunkte der Jurisprudenz und der Astronomie aus, keineswegs von dem der Theologie, eine Rechtfertigung und Billigung finden kann, und demnach auch zur Einsicht gelangt sein mußte, daß ihm zu solcher Umgestaltung ganz und gar der Beruf fehle, gehört nach

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