Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 38 (25.9.1843)
- Date
- 1843-09-25
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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152 fischen Edelmanns ausgezeichnet. — Die Inquisition zu Rom hat, weil Rothschild sich geweigert, eine neue Anleihe mit der pabstlichen Regierung abzuschließen, mittelalterliche, grausame Gesetze gegen die Juden im Kirchanstaate erlaffen. Das Lächerlichste dabei ist, daß eine aus Pcosclyten so gern Fang machende Regierung den Juden jeden nähern Umgang mit Christen verbietet. Die St. Petruskirche steht den Juden offen; christliche Speisehäuser hingegen muffen ihnen verschloffen bleiben. So weit hat es der Protestantismus noch nicht kommen lassen. (Oesterreich.) In Wien soll auch eine Spaltung zwischen den Altgläubigen und den Aufgeklärten ausgebrochen sein. Doch haben die Altgläubigen dort weniger zu fürchten, da es im Principe der österr. Regierung liegt, alles Alte unter ihren Schutz zu nehmen. — Am 21. August starb M. L. Biedermann, Vertreter der isr. Einwohner zu Wien und Chef eines angesehenen Banquierhauses. Er war von armen Eltern zu Presburg geboren und hatte es blos seiner Redlichkeit und seinem Fleiße zu verdanken, daß er einen großen Kredit und ein bedeutendes Vermögen besessen. Er starb in einem Alter von 74 Jahren, versah 37 Jahre das Vorsteheramt zu Wien und hinterließ 11 Kinder und 32 Enkel. Königsberg, am 30. August. Die Königsberger Zeitung vom 24. d. M. enthalt folgende Bemerkung von Dr. S—z: Der in Frankfurt von einer Anzahl Israeliten ץ geschloffene Verein ist wiederholt in diesen Blättern der Aufmerksamkeit gewürdigt worden. Er scheint Manchem als ein sehr erfreulicher religiöser Fortschritt im Judenthum zu gelten, und man hat nicht verfehlt, seine baldige, gewiß sehr große Ausbreitung zu weissagen. Da nun aber wohl nur sehr wenige Israeliten demselben beizutreten gesonnen sind, da selbst der edle Rießer, einer seiner vermeintlichen Mitbegründer, jede Theilnahme an dem Vereine (als einem jüdischen Reform-Vereine) abgelehnt hat und dieser selbst sich ohne Zweifel bald in ein Nichts auflösen wird, so dürfte es nicht an Solchen fehlen, welche die Israeliten einer totalen Unempfanglichkeit für jeden Fortschritt zu beschuldigen bereit sein werden. Es scheint also nöthig, die öffentliche Meinung über die hier sich darbietende Erscheinung in einigen Worten aufzuklaren. Jene Israeliten in Frankfurt sind natürlich vollkommen unbehindert, sich privatim von bestehenden rituellen Vorschrifcen frei zu machen, in so fern nämlich im Judenthum kein Gewissenszwang herrscht und ein Jeder, was er thut," so tadelnswerth es auch vom religiösen Standpunkte erscheinen möchte, nur vor sich selber und seinem Gotte zu verantworten har. Es können auch Mehre beliebig zusammentreten, um gemeinschaftlich die Gesetze auszusuchen, die sie nicht halten wollen. Wenn sie aber glauden, daß durch diese gleichmäßige Theilnahme Mehrer das, was sie thun oder lassen, eine größere Sanktion oder Geltung erhalte, so befinden sie sich in einem vollkommenen Jrrthume; noch mehr aber, wenn sie ihren Verein einen Israelitischen nennen, ihn als einen Fortschritt im Judenthum bezeichnen, während sie jüdische Fundamentalgesetze, ohne jede andere Berechtigung, als die des bloßen Beliebens, umgehen. Zu diesen Fundamentalgesetzen gehört z. B. das Gebot der Beschneidung, welche keinesweges, wie es in diesen Blättern neulich hieß, blos talmudischen Ursprunges ist, und die man dort anfangs zu umgehen den Versuch machte. Die Beschneidung fand bereits vor Moses, in dem Haufe des Abraham statt, sie wild in den mosaischen Gesetzen als fundamental bezeichnet, dauerte bekanntlich noch lange unter den Christen fort, deren erste geistliche Vorstände geraume Zeiten hindurch Beschnittene waren, und ist, wie berichtet wird, noch jetzt im Orient von christlichen Gemeinden beibehalten. — Der Glaube an Messias ferner, den jener Verein auch verwirft, ist gleichsam im Judenthum wie im Christenthum fundamental, wiewohl beide Konfessionen diese Lehre verschieden auffassen. Was jene Männer vom deutschen Vaterlande bei Gelegenheit dieser Lehre einfließen lassen, zeigt, daß sie nur sehr irrige Vorstellungen von derselben haben. Die messianischen Hoffnungen des Judenthums sind vor Allem ideellen, auf die Gegenwart wenig bezüglichen, Inhalts. Sie sollen in Erfüllung gehen, wenn dereinst die Erkenntniß des Einigen Gottes allen Völkern (von denen noch jetzt etwa zwei Drittheile dem wirklichen Heidenthum angehören) aufgegangen sein wird, wo sie dann alle, Gotte und der Zugend sich weihend, einen ewigen Frieden mit einander feiern, ״ihre Schwerter in Pflugschaaren, ihre Lanzen in Sicheln umschmieden werden." Jes. Kap. 2. Was der Glaube noch sonst in jener Zeit für Israel im Besondecn erwartet, es hangt mit jenen, die ganze Menschheit umfassenden, Hoffnungen unauflöslich zusammen, welche zu nähren auch dem Edelsten nicht zum Vorwurfe gereichen kann. — Daß aber der gläubige Hinblick in jene dereinstige, wunderbare und jetzt kaum begreifliche Umgestaltung des ganzen Menschengeschlechtes und aller seiner gegenwärtigen Jnstikutionen und Verhältnisse, mit der wirklichen Gegenwart und ihren Pflichten, oder gar mit Bürgerpflichten im deutschen Vaterlands irgend wie kollidire und im Widerspruch stehe, das könnte nur ein Wahnsinniger fürchten. — Man könnte auch fragen, warum jene Männer, bei solchen Ideen nicht lieber offen zum Christenthum übergehen, wenn nicht die Absicht klar am Tage läge, auch hier manchen, ihnen unbequemen Lehrsätzen und rituellen Forderungen auszuweichen. Sie wollen also weder Juden noch Christen wirklich sein, aber, um nicht vereinzelt dazustehen, nur noch äußerlich und scheinbar, den Erstern verbunden bleiben und so am sichersten aller konfessionellen Unbequemlichkeit entgehen. Wie viel religiöser Ernst hierin liege und mit welchem Rechte Dergleichen als ein Fortschritt auf der Basis des Judenthums gelten könne, wird Jedermann leicht klar werden. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.