Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 34 (26.8.1843)
- Date
- 1843-08-26
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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136 dampfen läßt, und wenn dieser Dampf sich an die Platte anlegt. Auf diese Weife erhalt man, und zwar in wenig Augenblicken, das deutliche Portrait eines Menschen, das genaueste Bild von Hausern, ganzen Straßen, von Landschäften und wovon man sonst will. Wie viele Zeit haben sonst Reisende gebraucht, um Gebäude, die Ueberreste früherer Zerren, oder gar die Inschriften aus denselben abzuzeichnen! und die Abbildungen wurden, bei aller Mühe, doch nicht ganz treu und vollständig. Dies wird man jetzt in der kürzesten Zeit und mit der leichtesten Mühe erhalten können, da die Gegenstände sich von selbst, wie auf dem Spiegel, abbilden, und dieses Spiegelbild mit nach Hause genommen werden kann. Man muß also freudig bekennen, daß diese Erfindung eine der herrlichsten unserer Zeit sei, und sich z. B. für die Kenntniß ferner Länder an eine andere Erfindung glänzend anschließt, um uns dasjenige ersparen zu lehren, was uns am kärgsten zugemessen ist — die Zeit. Gehörten sonst Jahre dazu, um nach einem Lande hinzukommen, Abbildungen von seinen merkwürdigen Gebäuden, seinen Denkmälern und ihren Inschriften, seinen Landschaften, Menschen, Thieren und Pflanzen zu gewinnen, so durchfliegt man jetzt, auf Dampfwagen, Dampfschiffen, die Entfernungen, hält den abzuzeichnenden Gegenständen des Wissens einen Spiegel vor, und bringt ihr Bild, wie durch Zauber gefangen, in fliegender Eile wieder zurück.. Hat nun Daguerre gezeigt, daß Helle Gegenstände durch die Strahlen, die sie aussenden, sich auf diese Weise abbilden: so ist es Herrn Moser gelungen, hierin weite, fortz-- schreiten, und er hat die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß auch in der Nacht in einem ganz sinstecn Raume, die Gegenstände sich in einer ähnlichen Weise wie dort, auf einer Fläche abbilden. Auch diese Bilder können, wie auf das deutlichste nachgewiesen wird, nur durch Lichtstrahlen entstehen, welche jeder Körper, selbst im Dunkeln, um sich her verbreitet, wenn auch dieses Licht so schwach ist, daß wir es mit unfern Augen nie wahrgenommen haben würden. Jeder Körper hat also an sich selber Licht, und dieses, obwohl für uns unsichtbar, beleuchtet ihn im Finstern doch in so weit genug, daß sein Spiegelbild sich auf einer Flache abbilden kann. Auch diese Bilder können, wie die Daguerre'schen, durch Dämpfe sichtbar gemacht und bleibend erhalten werden. Ja, will man sie nur für den Augenblick sichtbar machen, so genügt es, die Flache auf der sie sich (noch unsichtbar) befinden, nur anzuhauchen. Also die Moser'schen Lichtbilder sind im Stande,, uns Lichtbilder zu zeigen, die im Finstern waren und bleiben. Soll man da nicht, erfreut über diese scharfsichtigen Beobach- Lungen, mit Hiob 28, 3 ausrufen: . קץ שם לחשך ולכל תכלית הוא חוקר ״Ein Ende hat der Mensch der Finsterniß gesetzt, Und jedes Ziel erreicht er durch Erforschung!" So groß also ist das Reich des Lichtes, so mächtig drang bis zu dem finstersten Raume, das göttliche Schöpferwort: ״Es werde Licht!" 8 — z. Kult- und Schul-Pericht. In Warschau, wo gegen 30,000 unserer Glaubensgenossen leben, ist die sogenannte Rabbinerschule, die in der *Thal eigentlich blos eine gute jüdische Elementarschule ist, das einzige Institut, welches feit 16 Jahren die Jugendbildüng vertritt, und dieses einzige Institut hat jetzt, wo es in seiner höchsten Vlüthe als Elementarschule ist, nicht mehr als 221 Schüler. Ein höchst unerfreuliches Resultat für das Institut einer Stadt von so großer jüdischer Bevölkerung, das von der Regierung so gut und reichlich bedacht und dessen Direktor Eisenbaum eine so ungehemmte Wirksamkeit zugewiesen ist, aber dennoch erfreulich in Hinblick auf die übrigen Städte Polens und Litthauens, wo mit der geringfügigen Ausnahme in Wilna der regelmäßige europäische Jugend-Unterricht noch ganz unbekannt ist. Es ist aber unzweifelhaft, daß wenn es dem Herrn Direktor Eisend au m wirklich Ernst um die Jugendbildung wäre, was bis jetzt in der That nicht der Fall war, so würde die große Gemeinde zu Warschau jetzt nicht nur ganz die sogenannten Chadarim aus seiner Mitte verbannt und durch regelmaßige Schulen ersetzt haben, sondern sogar die übrigen Städte Polens, wenigstens diejenigen, in deren Mitte die jüdische Bevölkerung eine höhere Kulturstufe erstiegen, würden diesem Beispiele gefolgt fein, und die zahlreichen Gemeinden Polens hätten sich die Schande erspart,.auf die Beschlüsse eines aus Chasidim bestehenden Comitü's in Petersburg zu warten, welches den Todeskeim bereits in sich trägt. Di׳. Goldschmidt und Tugendhold thun in ihrer Stellung Alles, was in ihren Kräften steht, um die Jugendbildung zu verbreiten, aber dadurch daß ihre Thätigkeir in dem Egoismus des Herrn Eisenbaum einen Widerhaken findet, wird ihr Thun gehemmt. Es war daher eine sehr erfreuliche Erscheinung, daß bei dem Besuche des Kultusministers Urvaroff in Warschau den 11. Juli d. I., eine Vereinigung stattgefunden, um in der Rabbinerschule eine Prüfung zu veranstalten, die auch zur Zufriedenheit des Herrn Ministers ausgefallen. Vielleicht wird dieser Anfang eines Zusammenwirkens eine Erweiterung der gedachten Schule und Vermehrung dergleichen Institute in Warschau bewirken. Vor einem Jahre wurde in einem Ministerialbericht in Petersburg bemerkt, daß in sechs Städten Polens die Anlegung von jüdischen Schulen versucht wurde; da man aber seit der Zeit von jenen Schulen nichts gehört hat, so möge nun von Warschau aus die Erkräftigung jener Institute erfolgen. Wie Odessa die Schule zu Kischeneff hervorgerufen, und wie Wilna der geeignete Platz ist, um über die Juden Litthauens Bil-- düng "zu verbreiten, so möge Warschau für die Juden Polens der Heerd sei, woher die Erleuchtung und Civilisi'rung erfolgen möge. F. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in LeipziK. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.