Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 33 (19.8.1843)
- Date
- 1843-08-19
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1.32 Körpern verbunden gedacht wurde, oder nicht, jedenfalls, wo das Licht auch Herkommen mag, die Erzählung betrachtet seine Erscheinung an und für sich und allein, und macht seine Schöpfung, ohne gewisser Körper zu gedenken, mit denen es zusammenhange, als eine besondere Schöpfung geltend. Nichts kann dem Wesen und der allge: meinen Verbreitung des Lichtes angemessener sein. Hätte die Schrift erzählt: Gott schuf das Licht, aus daß es hell sei, er setzte es an Sonne, Mond und Sterne, wie hätte man sich da beeilt, dem Erzähler mangelhafte Naturkenntniß vorzuwerfen. Denn die Wirksamkeit des Lichtes besteht nicht nur in der verbreiteten Helle, an den Gestirnen sind nicht allein seine Duellen. Aber der Ausdruck der Schrift, der das Licht nicht als an irgend welche Himmelskörper allein geknüpft dacstellt, läßt Nichts zu wünschen übrig, und in den Rahmen der biblischen Erzählung passen selbst die neuesten wichtigen Entdeckungen über die Natur des Lichts. Denn als Gott sprach: ״es werde Licht/^ verbreitete es sich, gleichwie die Luft, gleichwie die Wärme aus Erden, überall hin; wo wir es nicht sehen, wo wir es nicht ahnen ist Licht, jeder Körper führt es mit sich, auch durch die düsterste Nacht waltet ein uns unsichtbares Licht. (Fortsetzung folgt.־) Kult- und S'chut-D Wer den Juden ein starres, zähes, der Entwickelung unfähiges Wesen zum Vorwurfe macht, der verräth entweder eine gänzliche Unbekanntschaft mit den Leistungen und Bestrebungen der Gegenwart, und ist daher dieser Vorwurf, um mit dem neuesten Emancipationsgegner zu reden, blos eine konsequente Konsequenz der Ignoranz, oder es spricht sich in diesem Vorwurfe eine niedrige Gehässigkeit aus, die, um wieder mit Herrn Bauer zu reden, eine inkonsequente Konsequenz der christlichen Liebe ist. Es muß sich vielmehr bei einer ruhigen und ernsten Betrachtung das Resultat Herausstellen, daß die Fortschritte der Juden, so wohl in Beziehung auf Wissenschaft und Kunst als auf Freiheit — d.h. die Idee der Freiheit —mit den Fortschritten ihrer Umgebungen stets parallel gehen. Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier durch eine Gruppirung der verschiedenen Länder und Staaten die Richtigkeit unserer Behauptung Nachweisen; wir beschranken daher diesen Nachweis auf eine Stadt, die mehr als 8000 Juden zahlt, auf Prag, und machen mit der Kunst den Anfang, da in katholischen Staaten die Kunst •—■ vom Censurzwange befreiet — sich in der Regel einer weit größern Ausbildung und Vervollkommnung erfreuen kann, als die Wissenschaft. Die Musik hat, wie bekannt, in Prag einen ihrer Lieblingstempel, und wir finden unter den Priestern der Euterpe manche Israeliten, welche im Reich der Töne einen eminenten Platz einnehmen. Männer wie Mo sch e l es — der jetzt zwar konvertirt ist — Ted es ko —der auch bei Seiner Excellenz dem Oberstburggrafen Unterricht ertheilt — Sigmund Goldschmidt — der jetzt eine Kunstreise durch Deutschland macht — sind als Komponisten und Pianisten hinlänglich bekannt; nicht zu erwähnen Mehre, die in Prag und in ganz Böhmen einen bedeutenden Ruf genießen. Die Malerei hat einen ihrer jetzt lebenden berühmten Jünger aus der dortigen Judenschast: es ist dies Herr Pollak — gegenwärtig in Italien — dessen künstlerische Schöpfungen zu den schönsten Kunstwerken gehören, welche man in den dortigen Gemälde-Ausstellungen zu sehen psiegt. So giebt's auch noch in andern Kunstgebieten manche Israeliten aus jener Gemeinde, welche sich auszeichnen. — Blicken wir auf die Wissenschaft, so überwiegen verhältnißmäßig die Leistungen der Juden die der Christen. Wir treffen dort auf dem Gebiete der Arzneiwissenschaft Männer wie Flekels, Schmelkes, Hirsch, Seegen und mehre Andere; in den übrigen Wissenschaften Männer wie Wessely, Dr. jnris et philosophiae, Landau, Ieitteles, Ernst Wehli u. m. A.: mit einem Worte, die Zeit, der Zeitgeist schreitet immer fort und mit ihm alle Individuen. Doch kommen wir noch zur Idee der Freiheit, welche den gleichmäßigen Fortschritt, die gleichmäßige Geistesentwickelung an schlagendsten nachweist. Wer die politischen Bewegungen des österreichischen Kaiserstaates mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, dem wird das Sichbewußtwerden Böhmens, das Streben des böhmischen Adels nach einer freieren Verfassung, nach der Erhaltung der Nationalität ■— man erwäge nur das Fördern der Nationalsprache — nicht entgangen sein. AH sehen Böhmen aus dem Jahrhunderte langen politischen Schlummer allmählig erwachen, und wenn es sich auch jetzt noch die Augen reibt, so sieht es dennoch einer freien Aukunft entgegen. Dieser geistig-politische Aufschwung — wir sagen geistig, weil er sich blos in einem ideellen Kreise be: wegt — rüttelte auch die jüdischen Bewohner Böhmens, namentlich aber Prag's auf, erweckte auch in ihnen die schlummernde Idee der Freiheit, das Streben nach Freiwerdüng, und wir sehen in der That einige Männer wie Landau, Fischel von der Idee der Freiheit ganz durchdrungen und an der Verwirklichung derselben rastlos arbeiten. F. Lese-Zimmer. 24. Dr. S. Hirsch: Die Messiaslehre der Juden in Kanzelvorträgen. Zur Erbauung denkender Leser. Leipzig, 1843. gr.8. Heinrich Hunger. (VII! u. 412 Seiten). 25. — — Friede, Freiheit und Einheit. Sechs Predigten, gehalten in der Synagoge zu Dessau. Dessau, 1839. 8. Hermann Neubürger. (Vorwort und 105 Seiten). 26. Dr. Julius Fürst, Lehrer an der Universität zu Leipzig: Hebräisches und Chaldäisches Schulwörterbuch über das Alte Testament. Leipzig 1842. Stereotypausgabe. Karl Lauchnitz. (Preis 1 Thlr. 8 Ngr.) Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H« Nagel in Leipzig.