Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 20 (12.11.1842)
- Date
- 1842-11-12
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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82 wahre Geistes- und Herzens-Bildung ausgezeichneter Jsraeliten, der Intelligenz und Humanität eine frische Menschen-Masse zuführen, die in der treuen Verwaltung der hnvertrauten Ämter und in der Liebe zum Vaterlande, aurch die Begeisterung der Dankbarkeit gesteigert, gewiß dinter Keinem seiner Sohne zurückblirbe. 8—2. Lesefrüchte.!Legislative Fragens Der rühmlichst bekannte Gelehrte Herr Or. I. M. Jost hat zu den früher erschienenen »legislativen Fragerr betreffend die Juden im Preuß. Staate", neuerdings Nachträge geliefert, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen. Wir theilen hier eine SchlußiLee mit: »Ist einmal der Gedanke vorherrschend, daß die legislativen Bestimmungen über die Juden in den Preußischen Staaten nicht aus allgemeinen Grundsätzen, sondern mit Berücksichtigung aller frühern und bisherigen Gesetze aus Len gegenwärtigen faktischen Zuständen, welche deren Produkte sind, zur Erzeugung besserer Zustande und Annäherung an die allgemeine rücksichtslose Gerechtigkeit hervorgehen sollen, so muß die Untersuchung dieser Zu« stände auch mit vollstä ndiger Umsicht und dem aufrichtigsten Streben nach Wahrheit geschehen, ohne irgend welchen Sonder-Jnteressen zu schmeicheln oder zu einer irrigen Auffassung Anlaß zu geben. Es ist nicht genug, die verschiedenerlei Lhatsachen nackt hinzustellen, sondern sie müssen als Produkte der frühern Zustände und deren Cultu.r sich charakterisiren, sonst ist es unmöglich, zu wissen, wie man ferner zu versahren habe. Eine solche Aufgabe aber erfordert vielseitige Sachkenntniß und zugleich tüchtige philosophische Bildung; die Anhäufung des Materials kann nur als Vorarbeit angesehen werden, keinssweges aber liegt es in der Function einer lokalen Anschauung, zugleich die gesetzlich fruchtbaren Bestimmungen an die Hand zu geben, welche erst aus der Erkenntuiß des Ganzen sich bilden können. Die Faktoren der vormals allgemein beklagten Zusiände sind etwa folgende, denen sich noch specielle anreihen ließen: 1) Die von jeher in Deutschland und in den germanischen Ländern herrschende, an sich grundfalsche Idee, Daß die Juden lediglich dem Klemhnnde! angehören, und auf die damit verbundenen Geschäftszweige angewiesen feien. 2) Diese Idee fand vormals ihre Rechtfertigung in der Ausschließung derselben vom Grundbesitz, von Handwerken, Künsten und Kriegsdiensten, wie von Staatsdrensten überhaupt. 3) Sie wargefördert durch die Privilegien der Zünfte einerseits, durch die Bürgerrechte der Städter, durch die Stellung der Juden als Knechte und Schützlinge des Reichs und der Fürsten, und durch die ihnen wiederum zu Gunstsn des ihnen belassenen Gewerbes verliehenen Privilegien. 4) Die Praxis stellte die abgeschlossene Beschäftigung fest, durch gänzliche Absperrung der Juden in lokaler Bo- Ziehung und Zusammendrängung derselben der Art, daß sie selbst sich au Gleichartigkeit der Erziehung und des Berufs gewöhnen; 5) sie bestärkte sie darin durch die leichtere Befried!- gung der stets zunehmenden und erstarrenden Neligionsfltlen uud Gebräuche; 6) ferner Lurch die Unstätigkeit des Aufenthaltes; 7) durch die beim Herumziehen gewonnene verbreitet» Bekanntschaft und desto eher anzuknüpfende Verbindungen; 8) durch desto häufigere Benutzung derselben, abseiten der ansässigen und minder beweglichen Producenten. 9) die Gewohnheit der Jahrhunderte erstarrte, und es entstand daraus ein beständiger Kampf der Interessen, die bald den Juden günstig, bald feindselig sich gestalteten. Sie selbst blieben passiv und gaben der Gewalt nach. Diese Feindseligkeit zog die Scheidewand immer entschiedener. 10) Die Gewaltthätigkeit und die beständige, Allen gemeinsame Besorgniß vor derselben gab ihnen Allen Le» Charakter der Gedrücktheit, welche gewöhnlich auch in Selbstüberschätzung uqrschlägt. Letztere gewann Nahrung in der eigenen Literatur und der Dadurch besonders gestellt ten Geistes richtung. Diese bestimmte die Erziehung. Alle Liese und manche untergeordnete Momente wirkten zusammen um die Juden in ein Verhältniß zu der freier» Bevölkerung zu bringen, welches ein höchst unnatürliches genannt werden muß. Es giebt nun HLftoriker, welche gehaupten, dies sei höchst natürlich und hätte so sein müssen. Glücklicherweise zeigen jetzt, große und kleinere Reiche und Staaten, daß die historische Schule sich irre, indem es nicht nothwendi.g so sein müsse." [3r»ei Juden, wieder $u Sheriffs gewählt.) In diesem Jahre sind wieder zwei Juden zu Sheriffs ge^ wählt worden: Emanel Lousada als Ober--Sheriff für die Grafschaft Davonshirre und A. Abraham für Stadt und Grafschaft Southampton. — Die Wahl des Letzteren geschah mit Stimmen-Emhelligkeit, nachdem derselbe früher schon zweimal, in den Jahren 1838 un- 1811, das erstemal nach hartem Kampfe, einen Platz im Stadtrath erhalten hatte» Pr. St.-Z. Druck und Verlag von Neumann-Hartmann in Elbing.