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Sabbath-Blatt · 1842-11-12 · 20 (12.11.1842) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
20 (12.11.1842)
Date
1842-11-12
Page
Seite 80 (sequence 2)
Language
German
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80 Und tut Hause selbst standen die Betenden mir Ehrfurcht und Würde, sangen ein Lied in einfacher, ergreifender Melodie, und in die Singchöre der Leviten stimmten die Harfen, und die Saiten erklangen zur Ehre des Herrn. Da fühlte ein jedes Herz die Allgegenwart Gottes, da beugte sich ein jedes Knie vor dem Unendlichen, da sank der Sterbliche, vom Gefühle der Ehrfurcht durchschauert, in den Staub, und betete an den König aller Könige. Wie es einst war in Israel, so ist es nicht mehr. Verschwunden ist Zions Herrlichkeit, des Tempels Pracht ist in Rauch und Flamme aufgcgangcn; wir haben kein gemeinschaftliches Heiligthum mehr wie einst und ehedem in der Stadt des Herrn. — Aber wir haben doch ein Gotteshaus; eine jede Gemeinde in Israel hat ein Haus errichtet, um daselbst näher zu treten dem himmlischen Vater, und in ehrfurchtsvollem Umgänge mit Gott Kraft des Geistes, Festigkeit des Willens, Heiligkeit der Gesinuung und Ruhe des Herzens zu gewinnen. Das Gotteshaus ist Israels Vereinigungs- Punkt. Hier lebt die Erinnerung fort an das Alterthum, hier tauchen die Bilder vergangener Jahrtau-- sende auf, hier wird noch mit Freude gedacht, wie Gott sein Volk geheiligt und erhoben hat, hier wird noch mit wahrhaftem Schmerze über Israels Unglück und Leiden geweint, — hier findet nicht nur der Mensch den Menschen wieder, sondern auch der Jsraelit seinen leidenden Bruder. Und dennoch sehen Viele kein Haus gleichgültiger an, als das Gotteshaus. Gedankenlos treten sie ein, gedankenlos gehen sie hinweg, ihr Auge wird nicht Heller, ihr Herz wird nicht leichter! 4 Das Gotteshaus ist die Pilgerhütte, in der wir £ gespeist werden mit dem Manna des Lebens, hier wird 4 das Wort Gottes gelesen, das seit Jahrtausenden un- * ser einziger Reichthum geblieben, das uns gekräftigt?' und aufrecht gehalten hat in namenlosem Leiden, und ** unser Trost und Zufiucht gewesen, wenn Elend und Nyth auf uns eingestürmt. * Und dennoch für das Wort Gottes, das ge- V זאת נחמתי בעניי ני אמרתך חיחני(1 Pf. 119, 50. lesen wird aus der Schrift, habt ihr keine Aufmerksamkeit, und für die Deutung des göttlichen Wortes kein empfängliches Herz. Wie ist es aber auch möglich, daß ihr für das Heilige im Gotteshause Aufmerksamkeir gewinnen könnt, wenn ihr mit euren weltlichen Gedanken, mit eurem unheiligen Sinne in das Haus tretet, da der Herr thronet und wohnet. Ihr kommet mit starken Schritten, aber mattem Geiste; und ist der Geist rege in euch, so ist es nicht das Göttliche und Heilige, was euch erfüllt und bewegt, sondern ihr denket oder besprechet gar das, was vorgeht im Geräusche der Welt und auf dem Markte des Lebens. Tritt man in solch' ein Gotteshaus, wo sich so wenig Ehrfurcht, Ordnung, Ruhe und heilige Stimme kund thuet, da kann man nicht ausrufen, wie Jakob ausrief: ״ מה נורא המקום הזחwie Ehrfurcht erregend ist dieser Ort!" da möchte man mit Schmerz und Entrüstung rufen: אי; יראת א^הים במקום הזה ״es ist keine Gottesfurcht an diesem Orte!" .עברו את ה ביראה So dienet dem Ewigen mit Ehrfurcht! Verrichtet mit Ruhe, Ordnung und Würde den Dienst im Gotteshause, bedenket, vor wem ihr stehet, wenn ihr in den Tempel Gottes euren Fuß gesetzt, bedenket, daß der Richter im Himmel auf euch niederblickct, der nichts Unheiliges duldet in dem Heiligthume. Das Gotteshaus nennt Jakob »ein Thor des Himmels". Soll unser Gebet zu Gott gelangen, so schütten wir im Hause des Herrn unser Herz aus, und durch dieses Thor dringt das Gebet gen Himmel. So machet das Thor weit und die Thüre hoch, daß einziehe der König der Ehren, daß heilbringend und segnend der Herr zu uns komme und unser Opfer wohlgefällig aufnehme, so oft wir zu ihm kommen iu Treue und Liebe. Wohl ist das Gotteshaus eine Himmelspforte, denn in den Stunden wahrer Gottesverehrung offnet sich gleichsam der Himmel für uns, und auf den Flügeln der Andacht hebt sich die Seele zu Gott empor, wird mit ihm vereinet, wird durchdrungen von dem Gedanken der Unendlichkeit, durchbricht die Schranken der Zeit, und ahnet ein ewiges Sein und Leben. Amen. (8 f — ck.)

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