Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 18 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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74 5. (Die Gräber der Richter.) Nahe bei der Sradt Jerusalem giebt es Felsenhöhlen, welche man die Gräber der Richter nennt. Dieser Grabhohlen giebt es in allem sechs. Vor der eigentlichen Höhlung ist ein viereckiger Hof, der von drei Seiten in den Felsen gehauen ist. Aus einem Vorzimmer, in welcher man durch eine breite Thüröffnung tritt, kommt man durch enge Durchgänge in andere kleine Zimmer. In diesen findet man Seitenbehälter und Bänke, wie um die Körper der Todten aufzunehmen. An einer Seite der innersten Kammer bemerkt man einen tiefen Sarkophag, der ausgehöhlt, aber an der Seitenwand fest sitzt und ohne Deckel ist. In allen diesen Höhlen ist keine Spur von Bildhauerarbcil. (Fortsetzung folgt.) uv%um uvvviuui LesefrüchLe. [Dom Neligionswechst!, als Bedingung der An- Üellung an Schule und Universität.[! Israeliten, welche sich dem Lehrfachs gewidmet haben, erhalten von Seiten des Staates keine Anstellung an Schule und llniversität, wenn sie nicht zuvor Las Bekenntniß gewechselt haben. Es wird nämlich für nölhig erachtet, Laß jeLer Lehrer, welcher auf Lie christliche Jugend einwirken soll, auch eine christlich-kirchliche Anschauung gewonnen habe. Wie wenig Dieses nöthig sei, besonders wenn Jemand in Wissenschaften unterrichten will, die mit einer religiösen Anschauung nichts zu schaffen haben, z. B. Geographie, Mathematik, Medicin, Chirurgie, alte und neue Sprachen u. s.w., das sieht jeder Denkende leicht ein. Es bleibt also das Fernhalten tüchtiger Männer jüdischen Glaubens vom Lehrstuhle eine Intoleranz, die um so auffallender ist, weil durch die Duldung solcher Lehrer, dis gestern Juden waren und heute Christen geworden sind, ganz und garnichts in pädagogischer Beziehung gewonnen wird, indem der Jude mit seinem freien, offnen Bekenntnisse weit achtbarer der Jugend erscheint und wohlthäliger auf sie einwirkt, als der, welcher zwischen Lag und Nacht seinen Glauben getauscht hat. Dr. I. M. Jost äußert sich darüber alfo:1) »Wir sind weit entfernt alle Übertritte zum Christenthum für Werke des Eigennutzes auszugeben, auch steht Niemandem das Recht zu, in die Motive solcher Handlungen einzudringcn, über welche der Mensch nur 1) Legislative Fragen, betreffend die Juden im Prcuß. Staate.. Berlin, 1842, bei Schröderdem höchsten Richter und sich selbst Rechenschaft schul׳ dig ist. Aber die natürlichen Erfolge, die sich aus den« selben herleiten lassen, fallen in den Bereich des menschlichen Urtheils. Man sagt: es genüge, wenn das Vekenntniß ein christliches sei, um damit anszudrücken, daß man Lie Herrschaft der Kirche anerkenne, die wer׳ tere Gesinnung sei Sache des Individuums. Das ist allerdings richtig, wenn das Individuum nicht weiter zu wirken Hat, als jedes andere Mitglie der Gesellschaft. Wird aber dasselbe Individuum, Lessen Gesinnung gestern als einen schädlichen Einfluß auf die Jugend ausübend perhorrescirt war, über Nacht durch die Fügsamkeit, mit welcher es eine Formel ausgesprochen hat, eine andere? Man hat Beispiele, daß dieser Fügsamkeit erst nach vieljährigem Widerstande, der aus einer kräftigen, stark Largelegten Überzeugung seine Nahrung zog, endlich ״und plötzlich eintrat; darf man sich überreden, daß diese Überzeugung in der That mit einem Male einer andern gewichen ist, welche nunmehr wohlthätig und kirchlich so einwirken werde, wie es gewünscht wird? Ist es auch nur gar möglich? Man denke: die heutige Philosophie ist mit ihren Untersuchungen dahin gelangt, das Christenthum in seiner strengsten Form als den Anfang und das Ende aller Philosophie zu betrachten. Ein jüdischer Philosoph muß vermöge seines Bekenntnisses andere Resultate gefunden haben, sonst würde er längst der Kirche äugehören. Nun hat er wohl seine höheren Jahre erreicht, vielen Scharfsinn und bedeutende gelehrte Hütfsmittel aufgeboten, um seiner Denkweise einen sichern Unterbau zu verschaffen, und seine Systeme in der Gelehrten-Welt so weit in Ruf zu bringen, daß man ihm gern einen Lehrstuhl anvertrauen möchte, — wenn nicht seine Resultate der Kirche widerstrebten. Er svllicitirt, er schreibt, er thut alles, was andere Philosophen lhun, man kann ihm aber keinen Wirkungskreis geben. Plötzlich zieht er das Gewand ab, und schreibt seinen Namen der der Kirche ein, morgen besteigt er dm Katheder. Was hat nun die Kirche sich von seiner Philosophie zu versprechen?" Anzeigen. In diese Zeitschrift rvcrden Annoncen gegen 1 Sgr. Gebühren für die gtfpaU tenc Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. Dießfallige Briefe bittet man portofrei durch Herrn E. F. Steiuaücr in Leipzig oder direcr an dir ' Buchhrndtunz von Neuwann-Hartman» in Elbing einzufenden. Bestellungen auf das »Sabbath-Blatt" werden von allen Post-Anstalten, Zeitungs-Expeditionen und Buchhandlungcn des Ja- und Auslandes fortwährend angenommcn und die bereits erschienenen Nummern nachgelieferr. Synagoge in Elbing: Sonnabend den 29. October beginnt die Predigt um 10-1 Uhr Vormittags. Druck und Verlag von Neu mann- Hart mann in Elbing.