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Sabbath-Blatt · 1842-10-22 · 17 (22.10.1842) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
17 (22.10.1842)
Date
1842-10-22
Page
Seite 70 (sequence 4)
Language
German
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70 Und sieht — ach nichts mehr sieht er, Das Auge dunkelt ihm, Die fremde Kirche flieht er. Kein Stern mehr funkelt ihm. Sein Stern ist ja erbleichet, Sein letzter Strahl war Gift Dem Vater, und es reichet Dafür zmrr Hohn der Schrift, Das Christenthum dem Sohne, Dar ihr Gebot verletzt. Der Erdenfreiheir Krone, Des Bürgers Würde jetzt. Gibt ihm, was es den Brüdern Schuldet und doch nicht zollt, An echten Meuschheitsgütem Den reichen Untreu-Sold. Doch rvas es ihm mag bieteu Käuflich als Ehr' und Arnt, Des Vatersegens Frieden Nicht d'ran als Sonne flammt. (Deschlirß folgt.) LesefrüchLe. hÄur Das ganze Gerede, daß dis Zuden zur Emancipation nicht reif seien, ist unsäglich schief und oberflächlich. Der Junge soll nicht eher ins Wasser, als wenn er im Trockenen das Schwimmen gelernt haben wird; eben das alte feige Lied, womit die Deutschen immer alle Reformen bekomme!: sollen, sobald sie nur erst zur Freiheit und Öffentlichkeit »reif" sein werden. Das ist für uns in allen Fragen charakteristisch. Wo wären die Rechte der Humanität allseitiger und tiefer besprochen und empfunden worden, als gerade in Deutschland? Aber haben wir nicht den historischen Ruhm der That überall andern Nationen überlassen müssen? Doch endlich, als jene Andern ihr Recht überschritten und ihre Macht mißbrauchten, als wir genug geknechtet waren für unsere gedankenreiche Trägheit und genug gedemüthigt für unsere rhatenlose Weisheit, La ließm wir Ein Mal Bedenken und Erwägen und Statistik Lei Seite: und siehe, es gelang Alles, was wir vorher so lange umsonst erwogen hatten! Der Bauer und sein Acker wurden frei, die Städte regierten sich selbst, das ganze Volk wurde im Waffendienste geadelt! Altes ohne vorheriges »Reif"machen! In dieser Zeit des Muthes und der Thal, da erschien auch das Edict v. 11. März 1812, und freie Juden bluteten und siegten mit uns und zogen, geschmückt mit dem eisernen Kreuze, mit uns ein in Lie Hauptstadt des in solcher thatfertigen Ermannung Germanias leicht zu Boden geworfenen Feindes. Aber welchen Erfolg hat das Edict von 1812 gehabt? hat es wirklich den Particularismus der Juden weggebannt und sie mit m:s wahrhaft und vollständig verschmolzen? Leider nicht! Allein das ist keine Instanz wider uns. Much und Vertrauen lebten im Frieden nicht fort. Der Staat bereuete dieses Edikt wie andere.Versprechungen: und mißtrauend bog die Gesetzgebung überall von der muthig betretenen Bahn der Freiherr und Öffentlichkeit ab. Nachdem aber so der Schwung der Geister gelähmt, nachdem damit eben die Macht der Annen Interessen, Vorurtheile, Berechnungen wieder erwacht war r da mußte auch in der Judenfrage das alte endlose Erwägen des »Für" und »Wider" und der bereitenden Bedingungen besonders sein geistloses Spiel von neuem beginnen. Die Emancipation blieb so eine elende Halbheit mir allen Nachtheilen jüdischer Gcwerbsfreiheit- Concurpenz und ohne Lie versittlichende Kraft einer vollen, wahrhaft gerechten Maßregel. Aber dieser Halbheit stellen wir das Beispiel Frankreichs entgegen. In Frankreich hat der Erfolg der vollständigen Judenemancrpanon ein neues Zengniß ausgestellt für die ewige Wahrheit: daß allein rücksichtslose Gerechtigkeit auch die beste Klugheit ist. Juden in dem Sinn, in welchem dieselben so lange ein Schandfleck der Gesetzgebungen, ein Gift des Handels und ein Ekel der Sitte und des Gefühls der Volker waren,' giebt es dort ziemlich gar nicht mehr; nur Franzosen giebt es, die sich als Bürger eines Staats, Genossen Eines Rechts und Kinder Eines Vaterlandes fühlen, unbekümmert Lar-- um, Laß Einige von ihnen getauft, Andere dagegen bsschnitten sind. Gleichen Erfolg kann uns nur dis gleiche Maßregel bringen, wenngleich auch diese nicht in Einem Jahre, oder zwei Jahren, auch nicht in zehn Friedensjahren, Loch jedenfalls um so schneller, je vollständiger Ik Befreiung ist und je mehr versittlichender Aufschwung der Freiheit ihr im ganzen Stsatsleben zur Seite gehr. (Leipz. Z.) Anzeigen. Zs diese Zeitschrift werde» Lnnovee» gegen lSgr.-Gebühren für dir gespaitene Petit« Leite oder deren Stanm aufgevonimcn. DicMllige Briefe bittet Wim portofrei durch Herrn E. F. S triuacker in Leipzig oder Lireet an dir Buchyüvdwsg von ÄruNaon-Harlmano Ln Gtbinz einzusenLkS. Schul-Such. Bei Neumann-Hartmann in Elbing ist erfch rcML Ddurch alle Buchhandlungen des Znu. Auslandes zu haben: ,Biblische Erzählungen mit Nutzanwcisungen und Sprüchen. Donvr. H. Sommerfeld, ist. Pr. in Elbing. Pr. iOJßa Druck und Derlei vo« Neomarrn-Harnnauo irr Elbing.

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