Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1842-10-01 · 14 (1.10.1842) · p. Seite 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
14 (1.10.1842)
Date
1842-10-01
Page
Seite 58 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8620046-8635248-8635562--080-8620209
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

58 den Commentar zu den Büchern der Könige beginnen wollte, ward ich zu dem Mächtigsten der Fürsten, zu dem Könige von Spanien berufen, der herrschte über die Reiche Castrlia, Aragon, Catalonia, Sizilia und andere Inseln. Ich kam an den Hof des Königs und der Königin, stand ihnen nahe lange Zeit, und es ließ der Herr mich Gnade finden in ihren Augen und in den Augen der Edlen, die den höchsten Rang einnahmen im Rathe, und ich war beschäftigt in ihrem Dienste acht Jahre.- Aber im 9ten Jahre, d. i. im Jahre 5252 der Schöpfung, eroberte der König von Spanien das ganze Reich Granada, und die mächtige, vielbevölkerte, hochberühmte Hauptstadt desselben, und in seinem ilbsrmuthe ward er andern Sinnes. Da er die Eroberung seinem Gotte zuschrieb, sagte er zu fich selber: wodurch könnte ich wohl meinem Gotte, der mich mit Kraft ausgerüstet zum Kriege, wohlgefälliger erscheinen, wie dankbar mich erweisen meinem Schöpfer, der Liese Stadt in meine Gewalt gegeben, als indem ich unter seinen Schutz bringe das Volk, welches im Finstern wandelt, die zerstreuete Heerde Israels, die abtrünnige Tochter zurückführe zu seinem Glauben — oder sts hinwegtreibe in ein anderes Land, daß ste nicht ferner in meinem Lande wohnen, und nicht bestehen vor meinen Augen? -- Zu jener Zeit befand ich mich an dem Hofe des Königs, und mühete mich ab mit Bitten; dreimal fiehete ich vor ihm und sprach: hilf, o König, warum willst Lu so mit deinen Knechten verfahren? Lege uns doch auf, daß wir Gaben und Geschenke bringen, und was Einer aus dem Hause Israel besitzt, das wird er hingeben um sein Land. Ich wandte mich an meine Freunde, welche die Gunst des Königs besaßen, Laß sie bäten für mein Volk, und die Vornehmsten redeten vereint dem Königs mit aller Macht zu, Laß er jene Befehle des Zornes zurücknehmen und seinen Vorsatz zur Vernichtung der Juden aufgeben möge. Aber wie die taube Otter verschloß er sein Ohr, und wollte Niemandem antworten. Auch stand die Königin mit mächtiger Beredsamkeit ihm zur Seite, und bestärkte ihn darin, das einmal begonnene Werk auszuführen. Und so bemüheten wir uns ohne Erfolg, ich hatte nicht Frieden, nicht Ruhe noch Rast, aber das Unglück kam dennoch. Und das Volk trauerte, als es die böse Nachricht erfuhr, und überall, wo des Königs Befehl bekannt ward, da sah man große Trauer bei den Juden, und es war Schrecken und Angst, wie dergleichen nicht gewesen, seit Jehuda vertrieben ward aus seinem Lande in die Fremde. Und einer sprach zum andern: wir wollen einander stärken in unserm Glauben und in der Lehre unseres Gottes vor der Stimme der Lästerer, vor dem tobenden Feinde. Lassen sis uns am Leben, so leben wir, und tödten sie uns, so wollen wir umkommen, aber nimmer unfern Bund entweihen und unser Herz abwendig machen, sondern wandeln im Namen Gottes unseres Herren. Und so zog es aus, unfähig zum Widerstande, das Volk, in dessen Mitte ich war, drei hundert tausend Fußgänger, jung und alt mit Frauen und Kindern an Einem Tage aus all Len Reichen des Königs; wohin der Geist ste zu gehen trieb, dahin gingen sie, und ihr König zog ihnen voran, Gott an ihrer Spitze. Der rief aus: Gott gehöre ich an! und der widmete dem Herren seine Kraft. Einige gingen nach den nahe gelegenen Reichen Portugal und Navarra, aber bitteres Leid, schweres finsteres Unglück traf ste überall, Raubgier und Hungersuoth und Pest; Einige begaben sich auf Las Meer, und suchten in den Wogen einen Pfad;-unter Liesen, die sich einem Schiffe anvertrauten, war auch ich, und so kam ich mit den übrigen Ausgewanderten, mit meinen Kindern und meiner Habe hieher nach dem gepriesenen Napoli, dessen Könige huldvoll sind, in dem Jahre 5253 der Schöpfung. Aber auch da ward uns nicht Ruhe, denn der Herr rief die Bremse herbei, den König von Frankreich, der uns verdarb. Es kam seine Reiterei über das Land und eroberte es, und waltete mit Zorngluth darin und drückte es, und keiner erhob sich gegen sie und das Volk lief nicht zusammen; denn alle empörten sie sich gegen ihren König, und die Alten erhoben sich und übten Verrath über Verrath, ja viele waren der abtrünnigen Knechte. Und die Versammlung der Lästerer, die zu Haufen in den Straßen umherzogen, fielen her über das Erbe ZijonS, es zu verschlingen;-auch mir zürnte der Herr um meiner Sünde willen, nicht wandte er sein Strafgericht ab, es raubten die Bewohner des Landes alle meine Habe; und Noth kam statt des Überflusses, und meine Freude ward verwandelt in Kummer. Schwer waren meine Seufzer, La ich sehen mußte Las Leiden meines Volkes, der betagten Greise selbst, Alles dessen was genannt ward mit dem Namen Israel. Da gab der Herr mir ein, zu entgehen der Zerstörung und von dannen zu reisen, ich bestieg ein Schiff, und mit Gottes Hilfe gelangte ich nach der Insel Korfu, und ließ mich hier nieder. ML der vorliegenden Nummer des ״Sabbath-Blattes " beginnt ein neues Quartal. Den neuhinzugekommenen geehrten Lheilnehmern diene zur ergebensten Nachricht, daß die im verflossenen Quartal erschienenen Nummern aufVerlangen von jeder Postanstalt und Buchhandlung für den geringen Betrag von Sgr. nachgeliefert werden. Die Verlagshandlung. Druck und Verlag von Nevmann-Hartm a vs m Elbmg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.