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Sabbath-Blatt · 1842-08-06 · 6 (6.8.1842) · p. Seite 24

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
6 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 also nicht, daß irgend einer auch.der orthodoxesten Prediger und Rabbinen die Maßnahmen des Herrn BernayS bil- Ligen wird, da das Volk Israels schon zu oft und zu. bitter die Erfahrung gemacht hat, was ihm innere Streitig- Leiten für Früchte tragen. Wir wollen es daher durchaus ernst und harmlos gesagt haben, wenn wir an jenes Wort Salomo's erinnern: אל תתחכם יותר, wolle nicht über die Gebühr Chacham seyn! Kohel. 7, 16. Dagegen hätte der Gelehrte Bernays, was hier etwa xu erreichen war, im Wege ruhiger, wissenschaftlicher Erörterung (wenn vorher die persönlich amtsfreundlichen Versuche ohne Erfolg blieben), gewiß weit besser und sicherer erreicht, als durch Macht- und Bannsprüche, deren Zeit weit hinter uns liegt. Nicht minder schmerzlich sind die Vorfälle in Breslau. Bei Gelegenheit eines Leichenbegängnisses kam der schon früher gährende Stteit der orthodoxen (auf Seiten des Rabbiner Liktin) und der den neuern Ideen zugewendeten Partei (auf der Seite des Rabbiner Geiger) zum Ausbruche. Der Erfolg hiervon war, daß der Breslauer Vorstand den Rabbiner Liktin zwar nicht absetzte, aber suspendirte, d.!. seiner amtlichen Wirksamkeit überhob. Zur Erklärung und Rechtfertigung dieser Maßnahme ist in Breslau ein »Bericht des Ober--Vorsteher-Collegii an die Mitglieder der hiesigen Israelitischen Gemeinde über die gegenwärtig vorliegende Rabbinats-Angelegenheit" vertheilt und auch andern Gemeinden zugefchickt worden. Herr Rabbiner Liktin hat in einem gleichfalls öffentlichen Schreiben, das uns jedoch noch nicht vorliegt, sich gegen die ihm gemachten Beschuldigungen vertheidiget. Möchte Liese Schrift geeignet seyn, den Frieden in einer unserer gebildetesten Gemeinden und ein freundliches Vernehmen zwischen ihren beiden hochachtbaren Lehrern herzustellen! In der Provinz Preußen selbst sind, außer in K önigsberg und Elbing, in Hinsicht der Volksbelehrung beim Gottesdienste und eines allgemeinen Religions-Unterrichtes der Jugend wenig Fortschritte gemacht worden. Doch zeigte sich ein gewisser Aufschwung des religiösen Geistes in der Erbauung neuer Synagogen. Im Laufe weniger als eines Jahres sind drei neue Synagogen eingeweihet worden und zwar in Oletz ko und in L ilsir durch den Unterzeichneten, und in Dir sch au durch Dr« Bram aus Danzig. Eine vierte Synagoge wird in Cu lm gebaut. Die beiden ersten Gemeinden, deren Verhältnisse dem Ref. näher bekannt sind, haben namentlich sehr viele Schwierigkeiten, mit dem rühmenswerthesten Eifer, einsichtsvoll und siegreich zu beseitigen gewußt. S—z. Letetrüchte. In der Beilage zu JVs 198 der Augsb- Allg. Z. ist ein interessanter Aufsatz enthalten, betitelt: Oie Juden und ihre bürgerliche Stellung in den Staaten deS christlichen Europa. Der Schluß dieses Aufsatzes hat uns ganz besonders angesprochen. Wir theilen daher unfern Lesern daS Folgende daraus mit: »Man hat gegen die Thcilnahme der Juden an der Staatsverwaltung hin und wieder eingewendet, daß der Staat ein christlicher Staat sei. Ohne diesen Satz hier irgend bestreiten zu wollen, müssen wir uns vor allen Dir> gen über den Sinn verständigen, den man damit verbindet. Versteht man etwa darunter, daß der Staat von allen seinen Bürgern den Glauben an die dem Christenthume eigenthümliche Dogmen und deren Anerkennung verlangen muffe; oder verbindet man den Sinn damit, daß der Staat bei allen seinen Bürgern die Gesinnungen der Liebe, Aufopferung und Humanität voraussctzen müsse, die Las Christenthum lehrt und seinen Bekennern einprägt? Wäre das erstere der Fall, so müßte man nicht nur die Juden, sondern auch alle diejenigen Christen von der Staatsverwaltung ausschließen, welche jene Dogmen nicht anerkennen oder nur symbolisch auffaffen, und der Staat müßte, um in dieser Beziehung sicher zu sein, von jedem Anzustellenden einen sogenannten Test-Eid verlangen. Wie nökhig aber in jenem Fall ein solcher Test-Eid wäre, und wie mancher Christ von der Staatsverwaltung ausgeschlossen werden müßte, wird Niemand bezweifeln, der das Leben nur einigermaßen kennt oder auch nur einen Blick in die theologische, philosophisHe und belletristische Literatur unserer Zeit wirft; und wäre jener Sinn der richtige, so hätte weder Goethe Minister, noch Schiller Professor in einem christlichen Staate sein dürfen. — Man kann daher die Idee eines christlichen Staates nur in dem andern Sinn auffassen, wornach nicht der Glaube, sondern die christlichen Gesinnungen der Bürger als das Fundament der (wie man sich auszudrücken beliebt) christlich-germanischen Staaten erscheinen. In dieser Beziehung aber gewährt die jüdische Religion dem Staate dieselbe Garantie für die Gesinnungen ihrer Vekenner, wie die christliche; auch sie lehrt die Grundsätze der Liebe, Aufopferung und Humanität und flößt ihren Beken« nern entsprechende Gesinnungen ein. Sieht man auf diese letztem allein, so kann der Jude, welcher den Grundsähen seiner Religion gemäß handelt, ebenso gut als der Christ gelten. Die Principien der Moral hat die jüdische Religion mit der christlichen vollkommen gemeinschaftlich..-.. Wer Staat und Kirche getrennt aufzufaffen vermag, von dem Bürger nur Moralität verlangt, während er das Glaubensbekenntniß dem Gewissen mit aller Freiheit überläßt, der wird über die politische Berechtigung der Juden nicht im Zweifel sein." Schul - Such. Bei Neumann-Hartmann in Elbing ist erschienen udurch alle Buchhandlungen des Inu. Auslandes zu haben: Biblische Erzählungen mit Nutzanweisungen und Sprüchen. Don vr. H. S o m m e r f e l d, isr- Pr. in Elbing. Pr. 10 Bestellungen auf das »Sabbath-Blatt" werden 1m allen Post - Anstalten und ZeitungS - Expeditionen de- Jo- und Auslandes fortwähreud angenommen und die dereits erschienenen Nummern nachgeliefert. Druck und Verlag von Neumann-Hartmavv in Elbing.

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