Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1842-07-23 · 4 (23.7.1842) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
4 (23.7.1842)
Date
1842-07-23
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8620046-8635248-8635261--028-8620167
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16 den uns umgebenden kleinern Gemeinden. Je weniger er Universitäten besucht hat, je weniger man ihn Len Neuerungen eigentlich geneigt glaubt, desto weniger Widerstand und desto mehr Nachahmung werden die neuen Gemeinde-Einrichtungen finden, die er als dem Gesetze nicht widersprechend erklärt hat. Er wird Geduld und Zeit genug haben, um in die geringfügigsten, rituellen Fragen, in Hinsicht eines Kochgeschirrs, oder einer Speise genau einzugehen und mitunter eine Stunde darauf zu verwenden, um, durch Auffindung eines erleichternden Umstandes, dem Armen eine Mahlzeit zu retten, die bei einer flüchtigem Ansicht des Gesetzes rituel verboten scheint. Kurz, wir werden durch die Anstellung eines solchen Mannes, das religiöse Gewissen auch des Frommsten vollkommen beruhigt haben, zugleich aber auch, bei der Festhaltung der im Frühem ausgesprochenen Ansichten, vor jeder geistlichen Herrschsucht (Hierarchie) und jeder willkührlichen Störung erlaubten Fortschrittes gesichert seyn. Mit ihm zugleich aber wollen wir auch einen Mann anstelle», der auf der Höhe der Wissenschaft stehe, der die Forderungen der Zeit genau kenne, und uns mit seinem Rath unterstütze, wo die Einrichtungen der Gemeinden einer Änderung bedürfen, oder sonstige Maßregeln unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Dieser Mann soll uns durch seine Vorträge beim Gottesdienste die Vorschriften Der Religion, durch seine geistliche Belehrung jedes heilige Ereigniß des Lebens zum wahrhaftesten, innigsten Verständnisse bringen, Er soll uns Freund und unserer Jugeüd Lehrer und Führer seyn. Ja, wir wollen Beides, für das Rituale einen Rabbiner, aber außer ihm auch einen wissenschaftlich gebildeten Lehrer des göttlichen Wortes, der wiederum durch die Geschäfte des erstem Amtes seinem Wirkungskreise nicht entzogen werde und namentlich auch der (wie oben angedeutet wurde), in seinen Händen besonders segensreichen, Unterweisung der Jugend. — Wenn die Mitglieder einer Gemeinde jetzt oder in der Folge so sprächen, so würden sie, vbschon auf dem besten Wege, den Zweck jenes Gesetzes zu erreichen, doch hieran eben durch seine Form gehindert werden. Hierzu kommt noch, daß das Gesetz, bei der im §. 25 gestatteten Einschränkung, ohne jeden gegenwärtigen Einfluß auf diejenigen Gemeinden bliebe, die jetzt noch fest angestellte Rabbiner aus der bisherigen Schule haben. Wozu also den Gemeinden, die ja doch thun können, was sie wollen, unnöthigerweise, durch ein neues, unabänderliches Gesetz die Hände binden? Wir würden also das Gesetz etwa so fassen: »Jede Gemeinde hat für Volksbelehrung (durch Predigt), so wie für den Religions-Unterricht, durch Anstellung geeigneter, akademisch gebildeter Lehrer Sorge zu tragen." Es kann hierbei den einzelnen Gemeinden gänzlich/als etwas Gleichgültiges, überlassen bleiben, wie sie diese Beamten nennen wollen. Zugleich wollen wir bemerken, daß bei Anstellung eines Predigers allerdings mehrere kleine Gemeinden zusammentreten können (s. oben), indem derselbe abwechselnd in den verschiedenen Synagogen predigen kann. Ja, er könnte selbst, mit Zuziehung guter Hülfslehrer, den Religions-Unterricht beaufsichtigen und leiten, indem er sich stets eine Woche lang mit der Jugend der einzelnen Gemeinden unabläßig beschäftigte und das, was bis zu seiner Wiederkehr geschehen soll, mit dem Lehrer verabredete. R e f.j (Schluß folgt.) Die Schöpfung des Mentchen. Als der Barmherzige bedachte, Ob er den Erdensohn, den Menschen, machte, Ließ er vor seines Thrones Stufen Der Engel heilige Gemeinde rufen. Da trat zuerst im Wächterrathe Die Wahrheit auf und sprach zum Gott der Gnade: »Ach, Herr, gebeut nicht, daß er werdel Denn er entweiht durch Lügen deine Erde." — Darauf erhub von ihrem Orte Sich die Gerechtigkeit und sprach die Worte: »Laß, Ewiger, ihn ungeschaffen! Die Welt zerstört er mit des Unrechts Waffen." — Da trat der Friede zu dem Throne: -Ach, Herr, gieb Leben nicht dem Erdensohne! Durch Haß und Krieg und blut'ge Thaten Wird er sich selber und nur Andern schaden!" — Nach jenen Dreien aber nahte Auch die Barmherzigkeit dem Thron der Gnade: »Gieb, guter Vater, ihm das Leben! Es kann ja Deine Gnade ihm vergeben; Und irrte auch der Schwache stündlich, So ist ja Deine Liebe unergründlich!" — Und also voller Gnad' und Milde Schuf Gott den Erdensohn in seinem Bilde. (Jüdische Sagen und Dichtungen, nochgebildet von Krafft.) Bestellungen auf das nSabbath-Blatt" werden vor allen Post - Anstalten und Zeitungs - Expeditionen des Zv* und Auslandes fortwährend angenommen und die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.