Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 24 (17.6.1843)
- Date
- 1843-06-17
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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95 nug gewesen, Leu Thron seines Vaters zu besteigen und zu herrschen durch Gewalt und Strenge. Dieser König nun hatte zehn Söhne. Wer weiß es, welcher von ihnen Sieger wird, und was er für Verheerungen anrichtek, um zu seinem Ziele zu gelangen? Möge Gott uns beschützen und sich unserer erbarmen! Du aber nimm dich in Acht, daß die Nachrichr nicht über Leine Lippen komme.- Der Frei rag ist der gefährlichste von allen Lagen, denn an ihm kommen die Dorfbewohner nach der Stadt zum Gebete, und Jeder führt sein Mordwerkzeug mir sich, Schwert oder Dolch oder sonst eine Waffe. Der Kaid aber ließ zuerst den Markt der Verkäufer außerhalb der Stadt verlegen, und die Thors durch Rmegados bewachen. Jeder Einlretende mußte seine Waffe vor dem Lhore lassen bis zu seiner Rückkehr, und weigerte er sich, hatten sie Befehl ihn durch Schlage zu zwingen. Als endlich die Nachricht lautbar wurde, und der Kaid einsah, daß er sie nicht mehr verbergen könne, legte er doppelte Posten an die Stadkthore und die Mauern. Die christlichen Einwohner wurden aufmerksam auf das Pulvermagazin, welches sich außerhalb der Stadt befand, und riechen dem Kaid, es hereinbringen zu lassen, sowohl daß er vor Fein- Len gesichert sei, als um es im Nothfalle brauchen zu können. Der Kaid, um sich seine Herrschaft zu sichern, ließ am andern Freitag alles Volk sich auf dem Maschuar Versammeln und hielt ihm folgende Anrede: es hat sich ein Gerücht verbreitet, Laß unser König eingegangen sei zu seinen Vätern; Loch ist es vielleicht ein falsches. So er noch lebt, beschütze und erhöhe ihn Gott; ist die Nachrichr wahr, so genieße seine Seele des bessern Lebens. Wir sind dann einander gleich, ich bin nicht euer Herr, ihr seid nicht meine Diener und Unterthanen. Wollen wir uns aber vor den Horden sicher stellen, die uns umgeben, so will ich, mit eurer Einwilligung, euch zur Schutzwehr und zum Führer dienen; wo nicht, wählt euch ein anderes Oberhaupt zu eurer Sicherheit. Ihr wißt ja, Laß die Beni Chacha und die Beni Saidama uns auflauern, und bleiben wir unthätig, so werden sie bald Gelegenheit finden, uns in die Schlinge zu führen. — Einstimmig antwortete alles Volk: du sollst unser Kaid sein! wie wir dir gehorcht haben bis jetzt, so geschehe es vom heutigen Zage ab, und Niemand darf sich dir widersetzen. — So hatte der Kaid mit Sicherheit die Herrschaft wieder ergriffen; wohl mußte er weise gehandelt, und mit Überlegung gesprochen haben, da es ihm gelungen war, ein so verkehrtes Volk eines Sinnes zu machen. Kein einziges Haus der Kaufieute oder der Consuln war während dieser Lage ohne zwanzig bis dreißig Mann Bewachung, und dennoch waren wir in Angst, die Wächter hielten sich vor Räubern, wir uns vor den Wächtern nicht sicher. Alle Wachtposten wurden verstärkt, besonders die schwachen Stellen der Stadt. Viele verstopften Fenster und Lhüren ihrer Geldvorräthe mit Kalk, oder ver« gruben ihre Schätze unter der Erde im Innern ihrer Wohnungen.-- Das Gerücht wurde mit jedem Tage lautbarer und der Sturm drohender. Man erzählte, daß sie in Letuan dem Mulei Jesid als König gehuldigt hätten; es war Ließ der Sohn, der sich gegen seinen Vater empört hatte. Der Kaid bestätigte diese Rachricht, um den Sturm zu schwichtigen. Am Freitage gab ec Befehl Niemanden in die Stadt zu lassen, sei er bewaffnet oder nicht. Alls Lhore wurden geschlossen, und als sie die Moskee vorließen, zeigte er ihnen mit heitrem Angesichte einen selbstgeschmiedeten Brief, und verkündigte dem Volke die erwähnte Nachricht, als wäre sie ihm von einem Freunde mitgelheilt worden, und u!n sie noch mehr zu täuschen, befahl er den Zag festlich zu begehen.- Unterdessen hatte schon bitteres Leid die Juden betroffen. Mulei Jesid war n.it starkem Heere am Freitage noch Letuan gekommen, um die Juden zu verderben und auszurotlcn. Er war noch gegen sie erbittert, weil sie auf seiner Flucht ihm nicht beigestaudm hatten, und hörte nur auf die Eingebungen seiner Rache und seines Grimmes. Die Consuln kainen ihm friedlich in ihren Staatsgewändern entgegen, er ließ sie ergreifen, enrkleiden, und an die Schweife der Pferde gebunden bis nach der Stadt schleifen. Am Sabbath befahl er die Juden, das Volk seines Zornes, zu überfallen, getödtet wurden die Edelsten und dahingeraffr die Jünglinge Israels. Wäre da nicht Gott ihnen beigestanden, der seinen Geist gelegt in dm Mund eines Laleb, der sagte zum Könige: fern sei es von dir, mein Herr und König, den Gerechten zu tödten mit dem Bösen! Sollte der Stellvertreter des Propheten nicht Gerechtigkeit üben? Lege deine Hand an die, welche sich gegen dich vergangen, aber was haben diese Armen gelhan? Willst du ihre Unterdrückung, oder gelüstet's dich nach ihrem Vermögen, so strecke deine Hand aus, und nimm was ihnen gehört (ein Armer ist einem Lvdten gleich;) nur lege nicht Hand an ihr Leben. — Hätte nicht Gott in seinem Beistände ihnen diesen Menschen zum Retter gesendet, lebendig wären sie verschlungen worden von des Zornigen Grimm. — Nun Leun, sagte der König, machet es so, plündert euch all das Ihrige! — Jetzt überfielen sie die Häuser, stiegen Lurch die Fenster, 1z.m Beute zu holen, durchgruben die Brunnen nach verborgenen Schätzen, durchsuchten jedes Haus, nahmen was ihnen gefiel, und was sie nicht werth achteten, verdarben sie und besudelten es mit Staub und Koth; sie zertraten die Heiligthümer, und warfen die heiligen Geräthe auf Lie Straßen; sie rissen den Weibern Ohrringe und Armbänder ab, zögen die Männer nackt aus und mißhandelten Frauen und Jungfrauen. Das Jammergeschrei der Juden erfüllte die ganze Stadt, der Sturm tobte, und sie hatten nicht Kraft zu entfliehen.- Ein Wunder aber erschien es Jedem, her es vernahm,' Daß auch nicht Einer von seinem Schmerze sich hatte ver-