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Sabbath-Blatt · 1843-06-04 · 22 (4.6.1843) · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
22 (4.6.1843)
Date
1843-06-04
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 chm Felsenwüste erscheinen diese grünenden, blühenden Punkte wie bunte Schmetterlinge, welche, aufsaugend Die Tröpflein des Thaues, auf einem Grabsteine sitzen. Aber auf alle diese Grabsteine des Felsenthales lasset die Geschichte der Lhaten Gottes einen Sonnenstrahl fallen, mit welchem es freilich dem einfältig frommen Sinne der spateren Zeit öfters so erging wie unschuldig spielenden Kindern, welche dem Lichtschimmer nachjagen, den ein von der Sonne beschienenes, spiegelndes Glas auf die Wand oder den Boden zurückstrahlt. Sie halten den Schimmer, der sich mit dem Stücklein Glas zugleich bald da bald dorthin bewegt, für das Sonnenlicht selber. Laß sie gewähren. Ist doch dieses kindliche Laufen und Rennen nach dem Abglanz des Abglanzes immerhin ein Zeichen, daß Die Kindlein noch einen Sinn für bas Licht haben; daß sie dieses sehen und daran sich freuen; die blinden Knaben gehen ihres Weges und sehen weder das Spiegelbild, noch die S nne, die dasselbe erzeugt. Einen Felsen, der wie eine natürliche Ruhebank gestaltet ist, bezeichnet die fromme Sage als den Sitz des Moses, auf dem er öfters das Volk richtend saß; ein andrer heißt der Kessel des Moses; weiter hinwärts ist Der Fels, bei welchem die Mönche an jenen in Raphidim erinnern, den MoseS schlug mit seinem Stabe, und aus welchem Wasser hervorsprang (2. Mos. 17, V. 6). Bei diesen Stellen werden an den Flächen mehrerer Felsenstücke einige jener Sinaitischen Inschriften gefunden, welche schon mancher Reisende beschrieben und Burkharbt abgebilbet hat. Sie tragen, so räthselhaft sie aussehen und im Vergleich mit den bekannteren Schriftzeichen erscheinen, keinesweges das Gepräge eines hohen Alterthumes. Der Weg führte noch an einer und her anderen kleinen Gartenanlage vorüber zu den umfangsreichen Pstanz ungen des,Klosters der Vierzig (Märtyrer) oder Erbain. Durch die Ölgärten hindurch kamen wir zu einer noch mit Wasser gefüllten Cisterne, welche die Größe eines kleinen Leiches hat. Das Kloster ist ein ziemlich ansehnliches Gebäude, welches jedoch für gewöhnlich nicht mehr von Mönchen bewohnt wird; einige Dschebalye hüten des Gartens und seiner Früchte; ein Mönch aus dem Katharinenkloster besucht die Anlage öfters und verweilt auch zuweilen auf mehrere Tage hier, um die Arbeiten zu leilen. Ein ganzer Wald von Orangen und Citronen stund voll duftender Blüthen; in Len Zweigen eines alten Ölbaumes sang die Sinaitische Amsel. Vor allem Andren zog hier der Sinai unser Auge an; so ganz in seinem eigenthümlichen Umrisse und in seiner Abstufung vom Horeb hatten wir ihn noch an keinem andren Punkte gesehen. Der Himmel wölbte sich so klar über ihm, Laß es uns war als sähen wir etwas von dem sapphirenen Schimmer, der einstmals dort unter den Füßen des Erscheinenden erglänzte (2. Mos. 24, V. 10). Man konnte hier nicht stillstehen oder sitzen. Wer nicht, wie unser guter Maler Bernatz, mit dem stillen Auffassen der Gegend in Bild und Rahmen zu thun hatte, der wollte, wie ein Kind um den Spiegel, herumgehen, um den Gegenstand, der sich da abspiegelte, mit Len Händen zu erfassen. Ich hatte mich weit hinauf nach Süden im steinigen Thale ergangen und im Vorbeixilen mancher schöner Frühlingsblume in ihr vom Traume der Engelwelten verklärtes, schlummerndes Angesicht geschaut; mir war es, im Anvenken an das, was einst hier geschehen, umgekehrt so wie den Siebenschläfern ergangen: ich war unter eine altvergangene Zeit Der Wunder hineingerathen, deren Sprache nur der versteht, welcher das Wunder des Gedankens kennt und an sich selber erfuhr. Bei der Gelegenheit war ich aber auf dem Rückwege an eine Stelle des Giesbachbettes und zuletzt der Gartenmauern gekommen, über welche ich den Hinüberweg nicht finden konnte, bis ein mitleidiger Sohn der Wüste, ein Dschebalye, mir hinüberhalf. Die Hausfrau hatte indeß mit dem Bächlein des Wassers, Las der gute Prior uns zu Ehren aus einer höher im Thale gelegenen Cisterne ableiten ließ, eine junge Baumschule von Orangen und Citronen getränkt; jetzt wurden aber wir alle, im Schatten des Klostergebäudes, auf einer steinernen Bank gelabt und genährt Durch Las Mittagsmahl des Brodes und Käses wie der gesalzenen Seefische und Las erfrischende Wasser mit dem Beisatz von Racki. Auf Dem Rückwege kehrten wir im Bostangarten ein und tranken da, auf Anordnung des Priors, eine Lasse Kaffee. Ein Dschebalye-Beduine ist Der Inspsctor und Halbbesitzer des Gartens, denn Die Hälfte des Ertrages Der Bäume gehört sein, Dazu bekommt er ja das tägliche Brod aus dem Kloster, und hilft bei der Be-- arbeitung des Gartens nur wenig, denn diese ist großentHeils ein Tagewerk der steißigen Mönche. Erst eine Stunde vor Sonnenuntergang kamen wir in unsre Klostermauern zurück; verweilten da noch ein wenig im Garten und suchten dann die lieben, bei der Arbeit für unsre naturgeschichtlichen Sammlungen zurückgebliebenen Reisegefährien: Br. Roth und Erdl auf, welche das Amt der Schatzmeister vertraten, die Alles, was die Bergbeduinen an Lebendem und Lodtem herbeibrachten, alsbald in Empfang nahmen und zum Mitgeherr über Land und Meer geschickt machten. Synagoge in Elbing: Sonnabend, den 1. Juni (am Isten Tage der Wochenfestes) beginnt die Predigt gegen 11 Uhr Vormittags. Druck und Verlag von Neumann,Harrmanu in Elbing.

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