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Sabbath-Blatt · 1843-05-13 · 19 (13.5.1843) · p. Seite 75

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
19 (13.5.1843)
Date
1843-05-13
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 aber in sich trägt er das geheimmßvolle Verlangen seines höheren Seyns, daß der Menschheit, deren Mitglied er ist, daß also ihm selber Gerechtigkeit geschehe, daß die unnatürlich schreckliche That gesühnet werde. So drängt die innere Unruhe, der innere Kampf des Mörders, die gräßliche Angst seines Gewissens und zugleich die unsichtbare Hand der beleidigten Gottheit, ihn dem Richrerspruche entgegen, und erst die reuevolle Erleidung des Todes, Lurch welchen der Idee der Gerechtigkeit Genüge geschieht, erst sie ist ihm Versöhnung. So lehret den Israeliten seine Religion Len Mord betrachten, und wohl uns! dieses Verbrechen ist unter uns im Ganzen unerhört, und Hang zur Grausamkeit ist selbst dem Rohesten unter uns fremd geblieben. Möge Ließ Zeuguiß, wie es uns dis Schrift, wie es uns die Geschichte giebt, stets seine volle Anerkennung finden, auf daß niemals mehr die blutige Lüge und Verläumdung, wie noch vor wenig Jahren, ihr Schlangenhaupt emporhebe, und möge überall Wahrheit und Gerechtigkeit sich verbreiten, Las Verbrechen fliehen und die Liebe siegen. Amen. 8—2. Schilderung einer Wüstenreise.*) Eine Reise Lurch die Wüste ist schon für sich allein von allen andern Arten des Reifens weit verschieden. Man sitzt hoch und frei auf dem Rücken des Kameels, dessen Fortbewegung zwar, wie schon erwähnt, eine eigenthümlich schaukelnde, dabei aber so gleichmäßig ist, wie der Lauf der Sonne am Himmel, mit welchem jenes Thier auf eine merkwürdige Weise gleichen Schritt hält und gleiche Dauer des Tagmarsches« Denn wie die Sonne, ohne Stillstand vom Aufgang bis zum Niedergang eilet, so schreitet auch Las Kameel in den gewöhnlichen Tagereisen der Karawanen rastlos vom Orte des Aufbruches bis zu dem der Lagerung fort; der Reisende, wenn er nicht die Gewandtheit eines Arabers im Auf- und Absteigen hat und den Gesammtzug nicht hemmen will, muß es sich gefallen lassen, von Morgen an bis etwa eine Stunde *) Reise in das Morgenland in den Jahren 1836«. 1837 von Dt. Gotthilf Heinrich von Schubert. 2. Band. Erlangen, 1839, bei 3- 3. Palm und Ernst Enke. S. 239. ssg. vor Sonnenuntergang auf seinem Sitze auszuharren. Und wie der Laglauf des Kameeles an Gleichmäßigkeit und an Dauer der Stunden dem täglichen Gang der Sonne gleichet, so gleicht er ihm auch an Stille; man hört keinen Schritt des vorsichtig auftretenden Zhieres, dabei reitet man gewöhnlich, . damit das Gepäck des einen Reisenden durch das Zusammenstößen mit dem des andren nicht beschädigt werde, in langen Reihen, Einer so weit vom Andren entfernt, daß man beim Sprechen gerne nur auf das Nöthigste sich beschränkt; so feiert man und wird man still mit der hier immer feiernden, stillen Natur. Diese Natur, da in der Wüste, machet allerdings, wie ich dieß schon vorhin (S. 156) andeutcte, auf die Seele einen ähnlichen Eindruck, als das Wandeln über einen großen Kirchhof, unter dessen Denksteinen viele sind von besonders ausgezeichneter Gestalt oder mit inhaltsreicher Aufschrift. So sehr nun auch ein Todtenfeld geeignet scheinen mag Empfindungen des Lrauerns zu erwecken, so giebt es den« noch Seelen, für welche das Wandeln über die stillen Gräber und das Verweilen neben den gedankenvollen Inschriften einen größeren Reiz hat, als das Wandeln Lurch die geräuschvollen Gassen mancher volkreichen, gewerb- und lebenslustigen Stadt. Wird doch überdieß selbst der Körper — dieses wundervoll besaitete Instrument, auf welchem die Meisterin: die Seele, das vieltönige Spiel ihrer Gefühle, Lust wie Schmerz, Hoffnung wie Furcht, sich hervorruft — Lurch das tägliche Leben in der Wüste so eigenthümlich gestimmt wie sonst nirgends. Die leibliche Natur eines Reisenden, welcher sich Las Ungewöhnliche nicht so theuer erkaufen will oder kann, ist wie die Gummimimose der Arabischen SandfelDer nur auf eine Ernährung beschränkt, die dem leichten Thau der Morgenstunden gleichet; unsre alltägliche Kost war, außer dem Schiffszwieback oder dem bald sich verhärtenden Arabischen Vrvde, zum milchlosen Lhee oder Kaffee des Frühstückes, am Abend, als Hauptmahlzeit, der Reis, in Wasser gekocht, dessen immer vom Hunger gewürztes Einerlei sehr selten durch den Zusatz getrockneter Früchte, noch seltner durch etwas Ziegen- oder Lammfleisch in einen Festtagsschmaus verwandelt wurde; das Wasser, das am Morgen aus den Schläuchen Ln die ledernen Feldflaschen gefüllt ward, mit oder ohne Beimischung des Datteln-Racki's, war unser Getrank. Sähe dann nur das Auge den Schlamm oder die andern Unreinigkeiten nicht, schmeckten die bittern Salze nicht zu widerwärtig hervor, dann ertheilte der brennende Durst dem Getränks dieselbe Lieblichkeit, wie der Hunger sie der täglichen Abendkosi gab. Ein Herumwandeln von einem vereinzelt stehenden Mimosenbaum oder Ginsterstrauch zum andern, denn gewöhnlich wurde ja zum Nachtlager eine Stätte gewählt, wo es ein wenig Grünes gab, gewährte in der letzten Stunde des Tages dieselbe Unterhaltung, wie etwa sonst das Betrachten eines reichen, großen Gewächsgartens; der Schlaf auf dem nicht weichlichen Lager war so leicht wie die Decke, die den Leib

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