Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 gegenwärtigen Jahrhunderts besaß, eine gelehrte Akademie hervorgehen. Ein portugiesischer Gelehrter, Ribeiro dos Santos, Verfasser von Denkwürdigkeiten über die thevlogische Literatur, gesteht es frei, daß die Christen Portugals Len daselbst ansässig gewordenen Juden, hinsichtlich der gelehrten Studien, ausnehmend verpflichtet sind. »Wir verdanken ihnen," sagte er, »zum großen Theil unsere Kenntnisse in der Philosophie, Botanik, Medicin und Kosmographre, so wie auch die Elements der heiligen Sprache." Auch waren es die Juden, welche im Süden Europa's zuerst die Vuchdruckerkunst verbreiteten, und eS gingen aus ihren zahlreichen Pressen nicht nur theologische, sondern eine Menge anderer Werke über Geschichte, Rechtsgelahrtheit und Medicin hervor, fast alle nach den herrlichen Manuscripten gedruckt, welche bei den Juden in Umlauf waren. Noch einiges über die allgemeinen Verdienste der Juden um die Wissenschaften. Sanzino ist ein kleiner Flecken im Mailändischen, jetzt kaum mehr gekannt. Hier druckte eine einzige Jndenfamilie, die ursprünglich aus Österreich stammte, von 1484 —1490 eine beträchtliche Anzahl Bücher, die als typographische Denkmäler immer von großem Werthe sind. In Wien ward der hebräische Druck, so wie das Studium der hebräischen Sprache an der Universität, um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts eingeführt, und zwar durch zwei Juden, Margaritha und Weidner , die sich auch sonst Lurch mehrere gelehrte Werke einen bleibenden Namen errangen. Auch in den schönen Künsten, namentlich in der Dichtkunst und Musik, haben die Juden Ausgezeichnetes geleistet, und die ersten Anfänge darin gehören ihnen an. Ihr erstes Auftreten als Volk, ihre Befreiung aus dem ägyptischen Sklavenjoche, wird durch Poesie und Gesang in Mirjam'S herrlichem Dankhymnus gefeiert, und würdig reihen sich hieran Moses' Verheißung des Segens und des Fluches, David's Psalmen, Salomon's Sprüche und sein hohes Lied, die Bücher Ruth, Hiob, Esther, Tobrä, vor Allem aber die unerreichbaren Propheten, ein Jesaias, Jeremias, Ezechiel! »Lehre und Trost," sagt Herder in seinem Geiste der hebräischen Poesie, »Aufmunterung und Warnung, Alles, was ein Mensch bedarf, wonach er dürstet in den Tiefen seiner Seele, ist hier kräftig enthüllt oder reizend verhüllt, und wenn alle Menschendichtung Rauch und Dunst werden würden, so glänzt in dieser die Sonne voll Licht, Leben und Warme hoch über Wolkendunst und Nebel." Und zu welchen herrlichen Dichtungen veranlaßten nicht der Fall des ersten Tempels und die babylonische Gefangenschaft! Wer kennt nicht das »super flumina" und die ihm verwandten Klaggesänge, wenigstens aus Byron's herrlichen Hebrew songs! Auch unter den heutigen Juden leben sie fort und fort und werden alljährlich am Jahrestage der Zerstörung Jerusalems in ihren Gottes- Häusern gesungen. Auch nach der völligen Zerstreuung des Volkes, namentlich in Spanien, blühten Dichter unter ihnen, die sich besonders durch die ihnen inwohnende tieft Gemüthlichkert auszeichneten. Mehrere vorzügliche Werke derselben sind uns aufbehalten worden, auch sind eigene literarische Übersichten hierüber erschienen. Das Beste aber ist, daß diese Dichter, die alten wie die neuern, wie schon erwähnt, im Volke selbst leben und gewiß dazu beigetragen haben, es vor dem Untergang in dem Strom der Gemeinheit und Alltäglichkeit zu bewahren. Wöchentlich werden nach uraltem traditionell vererbten Gebrauche Abschnitte aus dem Pentateuch und den Propheten dem gottesdienstlich versammelten Volke vorgelesen, und ihre Sabbath- und Festtagsgebete, besonders die für das Neujahrs- und Versöhnungsftst bestimmten, strotzen von Denkmalen jener spätern, zum Theil unter den gräulichsten VerfoL« gungen entstandenen Poesie. (Fortsetzung folgt.) L i t e r a t u r. Besorgnisse und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preulsen, von G. Aiefser. Hamb. 1842. Obwohl eS jetzt stiller geworden ist über die beabsichtigte neuere Gestaltung der jüdischen Verhältnisse, obwohl die Besorgnisse mehr in den Hintergrund getreten, daß wir als »nalionelle Corporation", vermeintlich Zu unserm eignen Vesten, was uns aber gewiß nur die tiefste Kränkung hätte sein können, von neuem in eine strenge Jsolation zurückgewiesen, uns von dem frischen Leben und Streben der Gesammtheit wieder ganz sollten ausgeschlossen sehen. mit der wir in der Regeneration Preußens den heiligen OpftrbunL geschlossen haben — so wird man doch auch jetzt noch mit tiefster Genugthuung vernehmen, wie der edle, geistvolle Rieß er alle die damals und noch neuerdings oft zur Sprache gekommenen Verhältnisse beleuchtet. Rießer verstehet cs, wie Wenige, dem Gedanken so Las anpassende Gewand der Sprache umzutegen, daß man jenen selbst in seinen eigenthämlichen, reinen Form gleichsam durchschimmern sichet; er leistet in der Rede-- kunst Las, was die alten Meister der Bildhauerei Lurch die Anwendung der nassen Gewänder darzustellen verstau« Len, wenn er vom thränenvollen Schmerz über die Zurücksetzung seines Volkes durchdrungen, an dem tausche!!- den Mantel des Vorurtheils jede verhüllende Falte wegstreicht und mit hinreißender Beredsamkeit zeigt., was Wahrheit und Gerechtigkeit ftp. 8—z. Druck und Verlag von Neumann-Hartmanuin Elbing.