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Sabbath-Blatt · 1843-04-15 · 15 (15.4.1843) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
15 (15.4.1843)
Date
1843-04-15
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 120 Jahren später von dem Nachfolger Mahomed's II. stets erneuert ward. Auf gleiche Weise war Joseph Hamon Leibarzt Selim's und sein Sohn der des großen Suleiman und so mehrere Andere bei den spätern Sultanen. Wir unternehmen es gewiß nicht, die vielen Ärzte namhaft zu machen, welche sich durch Schriften oder Aus- Übung verdient gemacht haben, und erlauben uns nur noch, anzuführen, wie einer der berühmtesten Rabbiner, R. Salomon den Jsaac, Jarchi (weit bekannter unter dem Namen Raschi), seiner Kunde der Arzneiwissenschaft das Leben zu verdanken hatte. Denn als er auf seinen Wan- Lerungen nach Böhmen kam, wurde er ergriffen, geknebelt und vor den Herzog Wlanislaw gebracht, der sich eben anschickte, ihn der peinlichen Frage zu unterwerfen, als der anwesende Bischof von Ollmütz die Augen auf ihn warf und zu seinem höchsten Erstaunen den Arzt in ihm erkannte, der auf einer Pilgerfahrt, die er ehedem nach Jerusalem unternommen, in einer gefährlichen Krankheit ihm das Leben gerettet hatte. Auf seine Vorbitte wurde nun Raschi entfesselt und frei ״gegeben.») In Deutschland und in Österreich verlegten sich die Juden des Mittelalters vorzugsweise auf Arzne ikunde, und sie haben hier das unbestrittene Verdienst erworben, Laß sie zuerst auf die arabischen Ärzte aufmerksam machten. Mehrere gelangten zu einem bedeutendem Rufe, und es gab Epochen, in denen ausschließend Juden die Hofärzte der Fürsten waren. So erzählt man, daß sich Franz I. von Frankreich, als er in eine schwere Krankheit verfiel, von Kaiser Karl V. einen jüdischenArzt erbat, der ihm auch einen Couvertiten schickte. Wie aber Franz I. dieses erfuhr, weigerte er sich, ihn zu consultiren, indem er sagte, daß er christliche Ärzte ebnehin genug habe, und daß er nur von einem Juden Hilfe erlangen wolle. Nur sehr wenig Raum ist uns gestattet, bei den vielen jüdischen Ärzten der Neuzeit zu verweilen, die sich insbesondere seit dem Auftreten des berühmten vr. Marcus Herz zu Berlin gegen Las Ende des vorigen Jahrhunderts durch eine ausgebreitete Praxis, oder durch wissenschaftliche Abhandlungen ausgezeichnet haben,״ wie in letzterer Hinsicht namentlich die holländischen Ärzte vr. Stein, Verfasser der Abhandlung 6״k! Ü^ärope," Dr. Heilbronn, der sechsmal den Preis von der Akademie der Wissenschaflen erhalten hat , de Pinto, Verfasser des Werks: ״ De efficacitate principii opigenetaei in corpus an!- male." 3) Depping. les juifs du moyeu äge, p. 115. (Fortsetzung folgt.) (VVMM/mwvWWM Lesef rächte. Man wirft den Juden in manchen Staaten Europa's, zumal Deutschlands, noch immer Mangel an Patrivtismus vor. So lächerlich und kläglich Liese Beschul- Ligung auch jedem Unbefangenen erscheint, ist es doch rathsam, von Zeit zu Zeit Beispiele für das Gegentheil vorzuführen. — So enthält der Fühnensche Anzeiger vom 15. ®e$embev 1842 ein dem Beckerschen Rheinliede in Versmaaß, Periodenbau und Tendenz angepaßtes dänisches Volkslied, dessen Verfasser ein in Svendborg lebender 74jähriger würdiger Greis jüdischer Religion ist. Über den Schwung, die Begeisterung und die Vaterlandsliebe, von Lenen dies Gedicht zeugt, werden sich selbst diejenigen anerkennend äußern müssen, die, wie es beim Ref. der Fall ist, die Ansicht des Dichters Schleswig sei dänisch und müsse gegen deutsche An> und Eingriffe geschützt werden, durchaus nicht theilen. (Orient.) Die isr. Freischule in Hamburg ist, obwohl eine der ersten, doch nicht die erste jüdische öffentliche Anstalt, in der der Turnunterricht eingeführt wnrde; vielmehr haben, glaubwürdiger ״Mittheilung zufolge, bereits seit längerer Zeit gymnastische Übungen in Seesen und Wolfenbüttel statt« gefunden. Orient.) Die Gebräuche der NeUgwn.^ Moses Mendelssohn war sehr genau in Begehung der Gebräuche seinkr Religion. Einst besuchte ihn der Professor Engel am Passahfeste, und fand ihn im völligen Ornat hinter^einem Tische, beschäftigt, die aufgestellten Speisen einzchsgnen. Mendelssohns Frau bat Engeln, das Ende der Ceremonie abzuwarten und dieser mußte sich eine Stunde in Ge- Luld fassen. Endlich ist die Feierlichkeii zu Ende. ״Mein Gott!" ruft Engel, »wird es Ihnen denn nicht lästig, dergleichen mitzumachen? Eine einzige solche Verpflichtung reichte hin, mich zu bewegen, daß ich mich zur Taufe meldete." ״Hm," sagte Mendelssohn, ״ich brauche doch nur herzusagen, was mir zwar lange Weile macht, ich aber doch verstehe; Sie, Sie müssen glauben, was sie nicht verstehen, und, wenn Sie nicht glauben, in vorkommenden Fällen häucheln.׳ (Aus Feder's Ehrentempel.) Synagoge in Elbing: Sonnabend, den 13. April, (am 1. Festtage) beginnt die Predigt um 10| Uhr Vormittags. Sonntag, den 16. April, (am 2. Festtage) beginnt die Predigt gegen 11 Uhr Vormittags. Druck und Verlag van Neumann-Hartma»n in Elbing.

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