Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 13 (1.4.1843)
- Date
- 1843-04-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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02 nisch, intern er seinen 23a.it mit .der Hand strich, »Ihr scheint es ja gar nicht einmal der Mühe werth zu halten auf meine Frage einzugehen. Doch was sollen wir uns hier noch lange herumdisputiren? Ich weiß, wessen Ihr mich beschuldigt; Ihr klagt mich an, Laß ich Len Thalmud verwerfe mit seine Satzungen für nicht nothwendig zu beobachten halte. Doch dann aber irrt Ihr Euch. Ich Len Thalmud verwerfen? Nein, gewiß nicht, ich verehre ihn wie Ihr, betrachte ihn aber von einem andern Gesichtspunkle. Ihr geht von dem Grundsätze aus, daß in ihm die von Gott stammende mündliche Überlieferung niedergelegt ist; Las glaube ich auch , nur meine ich. Laß Lies in menschlicher Art und Weife geschehen ist; wahrend Ihr Euch an Len äußern Buchstaben haltet, forsche ich nach dem Geiste; dieses geht euch ganz verloren wegen eurer Ängstlichkeit;, so wie Ihr dis Deutung einer Stelle von euren Vätern erhalten habt, so gebt Ihr ste Euren Kindern und Schülern wieder; eigene Forschung, ^selbstständiges Erklären ist euch ferne, ja ist Euch <L>ünde. LlnL könnt Ihr es einem Vernünftigen verdenken, Laß er sich nicht als Hebel in diesem Maschinenwerte gebrauchen lassen will? Könnt Ihr es ihm verdenken, wenn er selbst nachschlägt und nachsieht, während Euch Eure Untergebe-- neu auf Treu und Glauben beistimmen? Ich wiederhole es, mir ist der Zhalmud heilig, und nicht eher könnt ihr mich einer Lüge zeihen, als bis chr mir nachgewiesen, wo ich ihn verletzt, wo ihn angegriffen habe. Euch krankt es nur, daß ich manche Stellen anders deute als Ihr, Ihr haltet oft die Schale für die Frucht, während ich tiefer eindringe, bis ich den köstlichen Kern gefunden habe." ״Mit dem werden wir nicht fertig/' fiel Rabbi Jakob unwillig ein. » Er hat immer eine Antwort und Entschuld:- gung bereit, weil er ein Philosoph ist, wie die Menschen sagen. Doch für deine ganze Philosophie gebe ich noch nicht einen Buchstaben unserer Genrore, und ich sag's Dir im Voraus, bleibst Du dabei, so wird Dein Ende nicht gut sein." »Das steht nicht bei Euch, sondern nur bei Gott," sagte Mendelssohn und ging weg. Er saß einsam auf seinem Zimmer, hatte die Bibel vor sich aufgeschlagen und übersetzte den dritten Psalm: Ach Ewiger! Wie sind der Feinde so viele! So viele, die sich setzen wider mich! So viele, die von mir frohlocken: »Für ihn ist keine Hilfe bei Gott!" du aber, Ewiger! bist ein Schild für mich; setzt mich zu Ehren; hebst mein Haupt empor. Mit lauter Stimme rufe ich au den Ewigen; und von seinem heiligen Berge erhört er mich. Nun lieg' ich ruhig, schlafe, erwache, denn mich hält der Ewige. Vor Myriaden Volks ist mir nicht bange, umhergelagert wider mich.— Auf, Ewiger! du rettest mich, mein Gott! Las Kinn zerschlügst Lu meinen Feinden, zerschmetterst der Verruchten Zähne! Hilfe findet man bei dem Ewigen. Deinen Segen über dein Volk! ״Wahrlich," fing er zu sich selbst an, ״ ich habe mir von einem großen Theile meiner Glaubensgenossen ein anderes Bild gemacht, als ich sie in der Wirklichkeit finde. Ich dachte nicht anders, als daß sie mir alle freudig entgegen kommen und ihre brüderliche Hand reichen würden. Aber da finde ich sie versenkt in Vorurtheilen, unzugänglich für alle und jede Belehrung. Und dennoch, Gott, Lu weißt es ja, will ich nur ihr Bestes fördern; Lu weißt s ja, daß ich Jude bin und immer sein werde; ich erfülle vielleicht deine Gebote besser, als sie alle, die mich verfolgen, weil ich nicht so abgeschmackt und sinnlos sein will als sie selbst." Bernhard trat ein, und Mendelssohn erzählte ihm den Vorfall, ״Nun, wgs denken Sie davon?" fragte er, nachdem er geendigt. ״Was ich davon denke? Ganz einfach, Laß es so kommen mußte, daß Sie es als ein großes Glück schätzen müssen, Laß Sie sich gratuliren können. Sie sind ja von Allen geliebt und verehrt, von allen, die Sie genauer kennen und mit Ihnen umgehen. Sagen Sie selbst, wenn Sie Niemanden zum Feinde hätten, wenn Alles Ihnen wohtwollte und Freund wäre, hätten Eie jemals Len obmaufgeschlagenen Psalm übersetzen können? Und dies erkannte Gott und er ließ ausstehen Len Rabbi Samuel, auf daß ste sich empöreten gegen Len Mosis und ihn anredeten also: Was erhebst Du Dich und maßest Du Dir an? Nicht genug. Laß Du im Seidengeschaft des Bernhard bist, verlangst Du auch noch Las Rabbiuerthum? " » Halten Sie ein, halten Sie ein," sprach Mendelssohn Lächelnd, »Sie lassen am Ende auch noch die Erde sich aufthun und die beiden Empörer unlergehen." Ein Diener des Hauses brachte einen Brief für Mendelssohn. Er brach ihn auf und las laut: »Ich bin Ilmen noch Antwort aus eine Frage vom gestrigen Abend schuldig. . Sie hatten Recht, die schlimmste Gewißheit ist nicht so herzzerreißend, als der Zweifel. Ihre Freundin»-aus Hamburg." Durch alle Buchhandlungen ist zu beziehen! Das Leben der Patriarchen. LrbauungstchrikL tür gebildete Ztraeliten von Dr. Hermann Sommerfeld, Prediger bei der Zsr> Gemeinde zu Elbing. (Festgabe.) Preis: 1 MK 10 $tfr. Synagoge in Elbing: Sonnabend, denk.April beginnt die Predigt gegen 10z Uhr Vormittags. Druck und Verlag von Ndrrmann-Hartmann in Elbing.