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Sabbath-Blatt · 1843-03-18 · 11 (18.3.1843) · p. Seite 44

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
11 (18.3.1843)
Date
1843-03-18
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 er, wie sie gehört hätten, ss trefflich übersetzt habe. Mmdelssohn recirirte deren einige aus dem Kopse und alle bewunderten die Feinheit und Kraft der Sprache, ja der Doktor behauptete, sie überträfen selbst das Original. -,Ich weiß bei mir selbst," wandte Mendelssohn ein, »daß ich nur Geringes geleistet habe; aber ich kann nicht umhin Ihnen mitzutheilen, wie ich dabei verfahren bin. Siewürden sich sehr irren, wenn Sie glauben, ich hatte die Psalmen der Reihe nach, einen nach dem andern übersetzt; das wäre Mir unmöglich gewesen. Nein, ich wählte mir immer einen aus, der für meine jedesmalige Stimmung gerade zu passen schien; und wenn ich irgend mehr geleistet habe, als meine Vorgänger, so dürfen Sie es nur diesem Umstande zuschreiben. Aus seine Rechnung kommt es auch, Laß ich die Übersetzung noch nicht vollendet habe, es fehlen mir noch über dreißig Psalmen." ״Sie müssen also heirathen," unterbrach ihn eine der jüngern Damen. »-Und weshalb?" fragte Mendelssohn aufmerksam, indem eine sanfte Röche sein sonst so blasses Gesicht überzog. »Weil Sie sonst den 45. Psalm nicht übersetzen können; es ist ja ein Liebesgesang, ein Hochzeitslied. Schon Ihrer Übersetzung zu Liebe müssen, sie eine Frau nehmen." ־— Mendelssohn wollte eben antworten und die Dame machte sich auf etwas Beißendes gefaßt, denn seine Hand fuhr schon in den kleinen Barr, als der Seidenfabrikant Bernhard, sich vor Lachen den Bauch haltend, herausplatztr: »Nun weiß ich auch, wann sie den 22. und 23. Vers im neunundsechzigsten Psalm übersetzt haben. Es heißt dort: Gift reicht man mir zur Labung, Essig meinen Durst zu stillen, daß ihre Tafel ihnen eine Falle, eine Schlinge werde zur Vergeltung. Ich weiß es, das stimmt ganz genau." »Und wann wäre das gewesen?" fragte Mendelssohn verwundert. »Wissen Sie denn nicht mehr, was Sie Mir einmal erzählten? Kurz nachdem Sie von Dessau nach Berlin gekommen waren, harten Sie doch sieben Fa- Milien gesunden, von denen Ihnen eine jede einen Mittagstisch gab. Und da traf es sich einmal, daß Sie die ganze Woche hindurch jeden Mittag hatten Erbsen essen müssen. Ich kann es mir recht denken, wie Sie an diefern siebenten Erbsentage nach Hause rannten, den 69. Psalm aufschlugen und frisch darauf los übersetzten: Gift reichte man mir zur Labung, daß ihre Tafel ihnen eine Falle werde. Nach sieben. Mal Erbsen ist es aber kein Wunder, daß einem die Übersetzung solcher Verse gelingt." Alle lachten laut auf, mehr aber über den Fabrikanlen, der, man sah es ihm deutlich an, mehr über sich selbst entzückt war, als über den Witz. Nur Mendelssohn blieb ernst; er schien überhaupt die ganze Erzählung überhört zu haben, indem er verstohlen auf die Dame blickte, die ihm das -Heirathen angewiesen hatte. Es war eine junge Hamburgerilm von ungefähr 47 Jahren und Mendelssohtt traf heute nicht znm ersten Male mit ihr zusammen. Er hatte schon öfter Gelegenheit gehabt, ihren lebhaften Geist und treffenden Witz zu bemerken, und wenn er in diesem Augenblicke sich alles das vergegenwärtigte, was ihm von dieser Dame schon früher gesagt worden war, und wenn er obenein das Heutige hinzuthat, so glaubte er in dem Ganzen einen gewissen Zusammenhang zu sinden, eine Art Geschichte, einen Roman, dessen letzter Lheil heute Abend begonnen hatte. Auf der andern Seite aber, wenn er feine schmächtige Figur, seine Kränklichkeit und Schwäche mit dem blühenden Gesichte und dem schlanken Wüchse jener Dame verglich, hielt er Alles nur für ein Gebilde seiner Phantasie, und bei aller seiner Philosophie konnte er sich nicht überreden, daß es Jemandem und zumal einer Dame, möglich wäre, von dem Körper einmal ganz zu abstrahiren und nur den Geist zu lieben und zu verehren. (Fortsetzung folgt.) LesefrüchLe. sDetÜlU^. Das hiesige Wochenblatt enthalt folgende amtliche Bekanntmachung r »Der Kaufmann Herr Heinrich Meyer zu Caraccas hat in seinem Testamente der Stadt Deßau, seinem Geburtsorte, den sechszehnten Theil seines Nachlasses als Legat ausgesetzt, mit der Bestimmung, daß Lasselbe zu wohlthätigen Zwecken, ohne Rücksicht auf Reü-- gionsunterschied, von uns angelegt werde. Dieses Legat ist uns heute von dem Bruder und Testamentsvollstrecker des Verstorbenen, dem Vanquier Herrn ,Martin Meyer zu Berlin, mit 3062 Thalern 2 Groschen preuß. Cour, baar üusgezahlt worden. Wir bringen dieses erfreuliche, aus so ruhmwürdiger Gesinnung hervorgegangene Ereigniß mit. dem Bemerken hierdurch zur öffentlichen Kunde, daß wir es für eine heilige Pflicht halten, nicht allein das Legat genau nach dem ausgesprochenen Willen des edlen Gebers anzulegen und zu verwalten, sondern auch Las Gedächtniß an Liese so schöne patriotische Handlung unfern Nachkommen Lurch die zu treffenden Einrichtungen Zu bewahren, worüber wir später das Nähere bekannt machen werden. Deßau, den 23. Januar 1843־. Der Stadtrath hiesiger Herzoglicher Residenz. G. G. Richter." Die geehrten Leser, welche nur auf das 1. Quartal d. I. bei den Wohllöbl. Postanstalten pränumerirt haben, werden ergebenst ersucht, die Pränumeration in Zeiten zu erneuern. Die VerlagshaMung. Druck und Verlag von Neumanu-Hartmann in Elbing.

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