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Sabbath-Blatt · 1843-02-25 · 8 (25.2.1843) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
8 (25.2.1843)
Date
1843-02-25
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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32 Literatur. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß nunmehr wahrheitsliebende Christen Das Wort für die Juden ergreifen, und für deren Emancipation mit edler Begeisterung streiten. So ist der Verfasser des Paria, woraus wir in voriger Nummer Einiges mitgetheilt, ein Protestant, und heute machen wir unsere Leser aufmerksam auf die Predigt eines proteftcmtifdjen Geistlichen, gehal- 1 en am Bußu. Bettage am 3. November!1842. (Hamburg, Geber, 1842.) Voll Kraft und feuriger Beredsamkeit sind folgende Schlußworte: »Jahrhunderte wohnen sie (die Juden) nun schon unter euch, in einer und derselben Stadt, in einer und derselben Straße, in einem und demselben Hause — was thut ihr! Dein Maul lassest du Böses reden und Seine Zunge treibt Falschheit! Da sitzt ihr und verl ä u m d e t sie mit liebloser Zunge. Warum? Sind die jüdischen Brüder etwa schlechtere Untertüanen als ihr? Sind sie weniger ehrlich und redlich als ihr? Sind sie etwa nicht bei der Hand, so es das Wohl der Stadt, des Landes gilt? Unterstützen sie nicht die Christlichen Armen? Pstegen sie nicht die Christlichen Kranken? Kleiden sie nicht die Christlichen Nackten? Beherbergen sie nicht die Christlichen Obdachlosen? Wenn ein Unglück da ist in der Stadt, eilen sie nicht herbei, dem Unglück abzuhelfen? Sind sie et!v« weniger wohlthärig als ihr? weniger barmherzig als ihr? Haben sie Len Mammon etwa lieber als jhr? Sind sie etwa materieller als ihr? Haben sie sich bei dem großen Elend, das unser Hamburg getroffen, weniger wacker, weniger brav, weniger großartig, we- Niger christlich gezeigt als ihr? Warum lasset ihr denn euer Maul zum Bösen aus? Warum verunglimpft, verläumdet ihr sie denn? Memel ihr etwa, ihr überragt sie an — sittlicher G ediegenheit? Stolz, und nichts als Stolz! sage ich euch! Sind unsere Jüdischen Brüder nicht mäßiger als ihr? nüchlern er als ihr? Liegen sie an ihren Sabbath und Festtagen auch betrunken aus den Straßen herum? Füllen sie an ihren Fest/ und Sonntagen die Wirthshäuser auch schon am frühen Morgen, wie so viele unsrer Christlichen Mitbrüder? Herrscht in den Häusern, in den Familien unserer Jüdischen Brüder etwa we- Niger fromme Zucht und Sitte? Sind ihre Ehen etwa weniger glücklich? ihre Weiber und Töchter weniger keusch und unschuldig? Machen die Söhne ihrer Reichen auch so viel Aufwand wie die unftigen? Erlauben sie sich auch in wilder Ehe zu leben — sei es unter groben oder seinen Formen — wie es doch unter Christen so oft geschieht? Werden ihre Kinder nicht unterwiesen in Kunst und Wissenschaft, in der Sittenlehre und der Lehre des Gotles, den wir ja auch anbeten und verehren?- Ist es des Juden Religion nicht, aus welcher die deine entstammt? Ist sie nicht der Deinen Mutter? Und du redest wider deinen Bruder, verläumdest den Sohn Leiner — Mutter? »Was wollen denn eure jüdischen Brüder? die Söhne eurer Mutter? Wollen sie Raths Herren, Senatoren werden? Syndici werden? Wollenste Bank und Börse unter ihre Obhut bringen? Wollen sie eure Patronate an sich reißen? — Emancipirt: das heißt: Entknechtet wollen sie sein; in einem freien Staate wollen sie nicht die einzigen Knechte und Selaven sein! Frei wollen sie sein! Las heißt zuerst, sie wollen frei a t h m e n , sie wollen in jeder Straße in jedem Viertel der Stadt athmen können, ohne zu befürchten, daß der Christliche Ngchbar aus dem Hamburgischen Gesetzbuch (Ist es glaublich!) ihnen beweis't, daß eine Jude nicht überall — athmen darf. — Frei wollen sie sein! das heißt zweitens: sie wollen ihre Hände, ihre Arme, ihre Leibes- und Geisteskraft frei gebrauchen, zu jeglichem ehrlichen Gewerbe, zu jeglicher nützlichen Kunst, zu jeglicherWissenschaft, damit sie thätig und arbeitsam sein können, ein Handwerk treiben können, um sich und die Kindlein zu ernähren, und nicht Andern und der G emeinde und später dem Staate zur Last zu fallen, oder Hungers zu sterben! Das wollen sie, ohne zu befürchten, daß der Christliche Mitbewerber lieblos zu ihnen sagen darf: Nur Christliche Hände, nur Christl ich e Arme dürfen ein ehrlich Handwerk treiben; nur ein Christliches Talent darf sich geltend machen! — Frei wollen sie sein, das heißt drittens: frei wollen sie sei n auch in ihrem Gewissen: wenn ihre Söhne Geist und Wissenschaft genug besitzen, um als Rechtsgelehrte, oder in einem andern gelehrten Fache Lern Vaterlande zu nützen, so sollen sie Lies als ehrliche Jsraeliten thun können, und nicht gezwungen werden, als ehrlose Christen zu agiren, das heißt, die heilige Taufe zu entweihen und Len Taufbrief als einen Erlau bnißsch ein zu nützen; sie wollen nicht heucheln, sie wollen nicht gleich von vorn herein betrügen, sie wollen sich durch kein Bubenstück in das Christenthum hineinlügen und durch dasselbe in das Bürgerliche Leben introduciren, einsmuggeln lassen! — Mit Einem Worte: sie wollen Menschen sein, denn wer nicht Bürger sein darf in dem Staate, in welchem er lebt und webt und alle Lasten tragen Hilst, dem hat man verboten — Mensch zu sein! An dessen Menschhertlichem Wesen hat man einen Mord W gangen!! Freie Menschen wollen sie sein! Und zu dieser Forderung sind sie berechtigt, waren sie längst berechtigt, und ihr seid die unchristlichften Christen, so ihr noch länger zögert, unfern jüdischen Brüdern, den Söhnen eurer Mutter, die Menschlich-Bürgerlichen Rechte einzuräumen." Synagoge in Elbing: Sonnabend, d. 25. Februar beginnt die Predigt gegen 11 Uhr Vormittags. Druck und Verlag vou Neuma nn-Hartm anu in Elbing.

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