Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 6 (Junio, 1968)
- Date
- 1968-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 19 THE JEWS OF AUSTRIA Mit diesem nahezu 600 Seikei und Oesterreich, Thomas ten starken Buch hat der be- Masaryk und Karl Renner, kannte Historiker des Zionisteilnahmen. mus Josef Fraenkel eine sehr Von besonderem Interesse beachtliche Leistung sind der schoene Essay ueber vollbracht. In Beitraegen von die sephardische Gemeinde in 35 Autoren werden die man- Wien aus der Feder des vor nigfachen Aspekte des Wir der Veroeffentlichung des Bu- Essays on their life, history and destruction. Edited by Josef Fraenkel. (Verlag: Valien tine, Mitchell, London, 1967). kens des oesterreichischen Judentums behandelt, dem der Nationalsozialismus ein so doch wenig Bekanntes zu Tage gefoerdert, wie etwa in Fraenkels Essay ueber die ches verschiedenen Rabbiners Professor N. H. Tur-Sinai Dr. Manfred Papo und der (Torczyner) ueber-das Wiener Beitrag ueber den Chassidis- Judentum. lNciuuiicubu^icutMUuo cm du P , , . j TTocViol brUHalnoh Auf umfefslnde”,bisher noch Es ist besonders erfreulich, wird auch vielfach Neues oder nicht ausgeWerteter Dokudass eine Reihe von Beitraementation beruht die Studie gen.im deutschen Original puvon Dr. Herbert Rosenkranz bliziert wurden. Das Werk - tt i vom Yad Waschern ueber die nfebt zuletzt gerade in Beziehungen Theodor Herzls Vernichtung des oesterreichi- Oesterreich und im uebrigen zu Oberrabbiner Guedemann, schen judentUms durch den deutschsprachigen Raum juevon dem such Herzl _Ver- Nationalsozialismus. Die von dische und mcht-juedische Lestaendnis und Foerderung der ti<,~ t> Wolff zusammen^eser *inden- Der Aufsatz ueber Verwirklichung seines Prostellte Bibliogrfphie welst “Grosse juedische A e r z t e jektes versprach, aber bald auf in Vergessenheit geratenes Wiens im neunzehnten und bitter enttaeuscht wurde. Ein Material hin. Neben den zwanzigsten Jahrhundert von anderer Beitrag gibt Einblick durchwegs auch fuer den M- Atlas Slbt eme Vorstellung in die Rolle des zu Unrecht Laien verstaendlichen Arbeivon einem besonderen nahezu vergessenen Originals ten wissenschaftlichen Cha- Nathan Birnbaum (Mathias rakters stehen persoenlicher Aeher) in der zu Beginn des gehaltene Beitraege, wie die Jahrhunderts bedeutsamen Erinnerungen Martin Freuds, oesterreichischen Nationalitaeeines Sohnes Sigmund Freuds, ten-Bewegung, an der so ueber die Einstellung seine; wichtige Persoenlichkeiten Vaters zu Judentum und wie die spaeteren Staatsprae- Antisemitismus oder der brisidenten der Tschechoslowallante kritische Essay von 6EDANKN ZWISCHEN 2 UND Modisch - allzu Modisches Wie laesst man heutzutag die Galle ueberlaufen, Wie zeigt Verzweiflung man als hochmoderne Frau? Nein, wirklich, man erwaege dieses sehr penibel und genau! Wie gerne wuerde Manche sich die Haare einzeln raufen, Doch stoppt die Hemd kurz vor dem Ziel (zum Gluecke!) Fast haette man’s vergessen: DIE PERUECKE! Ruhmeskapitel des oesterreichischen Judentums. Dr. Gustav Jellinek hat verdienstlicher Weise einen Ueberblick ueber “Die Geschichte der oesterreichischen Wiedergutmachung’’ beigesteuert, die wahrlich kein Ruhmeskapitel fuer die nach dem Sturz des Dritten Reiches neuerstandene Republik Oesterreich ist... Die Memoiren von zwei oesterreichisch-juedischen Dichtern von Rang zaehlen zu den Glanzstuecken des Werkes. Martha Hofmann stammt aus boehmischwienerischem grossbuergerlichem Milieu; Ernst Waldinger aus dem juedischen Kleinbuergertum der Wiener Vorstadt. Beide geben faszinierende Einblicke in das Familienleben von Kreisen, die vielfach “bodenstaendiger” waren als die Antisemiten, die Wien und Oesterreich “judenreim” machten. Dass die Thematik des oesterreichischen Judentums mit diesem reichhaltigen Werk noch nicht ausgeschoepft ist, wird niemandem besser ben KUNST UND LITERATUR MAHLER HERZL FREUD ämw- SCHOENBERG FANNY VON ARNSTEIN STEFAN ZWEIG wusst sein als seinem sachkundigen Herausgeber: so verdienten die juedischen Gemeinschaften des Burgenlandes und Vorarlbergs sowie das jiddische Theater wesen gewuerdigt zu werden. Aber als ein aufschlussreiches und lehrreiches Werk, geschaffen in loyaler und intensiver Eemuehung um eine wahrhaft gute Sache, verdient diese Veroeffentlichung ernstliche und nachdrueckliche Anerkennung, F. L. B-ff. Die neueste Veroeffentlichung des “Leo Baeck Instituts” Heut’ hat man Kummer und man wagt nicht mehr zu weinen, Man kann auch nicht nach Wunsch ganz schnell die Kleidung (wechseln, Die Augen-Gegend ist harmonisch angepasst in Farben- (Kleckseln Fein abgestimmt, sehr lebenswahr, so soll es scheinen, Umrandet und umschmiert in schwarz, gruen, blaeulich. Sobald man heult, wird es verwischt und wirkt abscheulich. Man sitzt nicht mehr bequem, so wie vor Jahren, Denn Strumpf und Rock sind viel zu kurz und neigen Die sonst tabu-verhuellten besten Teile indiskret zu zeigen, (Die, vom Knie aufwaerts, frueher jede Frau vor Blicken (lernte zu bewahren.) Man stopft und zupft und zieht, nichts hilft, der Saum rutscht (rauf, Man wirkt nicht ladylike, das hoert im Sitzen voellig auf. Der Mann von Welt traegt Kotelettes, Bart und lange Haare, Er leidet tapfer, wenn das Klima heiss, Was frueher braungebrannt, bleibt unter’m Barte weiss. Der Juengling sieht - begeistert - aelter aus um Jahre. Bequem ist’s nicht und ob es schoen, bleibt diskutabel. (Der Hippy malt sich obendrein noch Bluemchen um den (Nabel) Modisch und schick Ist jetzt das Hemd mit Spitzenkrause. Die Ho.^e traegt man eng, dass sie im Sitzen drueckt. Der Hut ist winzig, oft mit Federchen geschmueckt. Wer das nicht mitmacht, ist zu “buergerlich” und Banause, Doch wenn ein Fuenfziger mit Schmerbauch sowas traegt, Dann fuehlt zum schmunzeln man sich aufgelegt. In Stiefeln, Hosen, Haaren, Schmuck, Hut, Jacken Gleicht sich die Jugend - er, wie sie - genau, Man zweifelt wirklich oft, ob qs ein Mann, ob Frau! Da ist doch irdendwo und irgendwie ein Haken. Der “ER” ver-“sie”-t, und “SIE” ver.“er”-t, Da ist doch irgendwas verkehrt! Rabbi Akiba’s weiser Spruch bleibt immer richtig, An Neuem haben die Jahrhunderte nicht viel geschrieben, So manche laecherliche Bluete hat die Mode Schon getrieben^ Man nehme also diesen ganzen Unfug nicht zu wichtig. Zum groessten Teil ist es Protest, Sturm, Drang und Jugend ist der Rest. K.9 “LEBENSKREISE” (1891 - 1965) Abraham A. Fraenkel, Jerusalem Prof. Mit diesem soeben durch das “Leo Baeck Institut” publizierten, in der “Deutschen Verlagsanstalt”, Stuttgart, erschienenen Werke aus der Feder des am 15. Oktober 1965 verstorbenen bedeutenden Mathematik - Professors Dr. Abraham Ad. Fraenkel ist die Reihe jener Veroeffentlichungen fortgesetzt worden, die aus unserem Kulturkreise stammen, von Menschen, die nach ihrer Emigration in Erez Israel bezw. spaeter im Staate Israel wichtige wissenschaftliche Positionen einnahmen. In diesem Falle kommt noch hinzu, dass Fraenkel Deutschland schon 1929 verlassen hatte, wenn auch zunaechst auf zwei Jahre, um eine Professur an der Hebraeischen Universitaet zu uebernehmen. Die vorliegende Autobiographie spricht jedoch nur wenig von Fraenkels rund 36-jaehrigem Aufenthalte im Heiligen Lande, dafuer mehr von seiner Jugend, seinen deutschen Umversitaetss t udien, dem Eltern- bzw. Grosselternhause und den Berufungen an die angesehenen Universitaeten von Marburg und Kiel. Inwieweit der Nachlass des Gelehrten noch Aufzeichnungen ueber die Jerusalemer Lehrtaetigkeit enthaelt, entzieht sich der Kenntnis des Schreibers dieser Besprechung. In jedem Falle ist aber dieses Buch ein wertvoller Beitrag zur neueren Geschichte der deutschen Juden und ruft die Erinnerung wach an viele angesehene Familien, an hervorragende juedische und nichtjuedische Berufskollegen des Autors. Abraham Fraenkel stammte aus einer alteingesessenen, bayrischen, juedisch-traditionellen Familie, wurde im Elternhause strengreligi o e s erzogen und war zeitlebens vom hohen Wert der juedischen Lehre durchdrungen. Der beruehmt-gewordene Naturwissenschaftler blieb ein glaeubiger Jude, der z. B. im heimatlichen Muenchen die schoene, aber nicht orgelfreie, Synagoge mied, um im orthodoxen Synagogenverein “Ohel Jakob” die Gottesdienste zu besuchen. Spaeter, in Israel, machte er sich ein besonderes Vergnuegen daraus, auch jemenitische und andere orientalische Synagogen fremden Gaesten zu zeigen, um damit die religioese Einheit von Aschkenasim und Sepharadim zu unterstreichen. Die Hauptzeit seiner mathematischen Studien hat Fraenkel in Marburg zugebracht, doch auch einige Semester hindurch in Berlin und Muenchen Vorlesungen gehoert. Schon die Universitaetsjahre brachten ihn, auch privat, mit bedeutenden Lehrern zusammen, derer er in seinen Lebenserinnerung e n dankbar gedenkt. Besonders wichtig waren Begegnungen mit Pringsheim, Th o m a s Mann, Kurt Hensel, Hermann Cohen, Niels Bohr und Albert Einstein. Auch in Zeiten angestrengtesten Studi e r e n s, pflegte er, seine juedischen Forschungen nicht zu vemachlaessigen. Er besuchte, wie von Kindheit an gewohnt, talmudische Kur s e, und Fraenkel hatte es auf dem weitverzweigten Gebiete der juedischtheologischen W i ssenschaft zu ungewoehnlichen Ken ntnissen gebracht. So gruendete sich seine religioese Weltanschauung auf Tradition, ohne dem Kampf zwischen Glauben und Zweifel (Fortsetzung Seite 23)