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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-02-01 · 2 (Febrero, 1968) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXX (1968)
Issue
2 (Febrero, 1968)
Date
1968-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO PORTE Inscripción PAGADO ta TARIFA PUBLICACIONES REDUCIDA PERIODICAS »»ACCION: S.CI. B' NE JISROEl AV. PORTUGAL 810 casiua 1417 - santiago cmle AÑO XXX N? 2 BOLETIN INFORMATIVO FEBRERO 1968 DR. URI NAOR VERLAESST CHILE MIT DR. il Frage: 1. Welches ist der Grund Ihrer Rueckberufung nach Israel? Es ist eine uralte internationale Gepflogenheit, diplomatische Vertreter nach einer gewissen Zeit auszuwechseln. Ich habe diesen Termin in Chile fast ueberschritten und kehre nun, nachdem ich unmittelbar hintereinander in zwei verschiedenen Laendern Israel vertreten habe, ins Aussenministerium nach Jerusalem zurueck. 2. Auf welchem Gebiet Ihrer diplomatischen Taetigkeit in Chile haben Sie die groesste Genugtuung erlangt? Als Botschafter meines Staates kann ich, bei aller Bescheidenheit, mit dem Ergebnis der Arbeit hier zufrieden sein. Israel hat in Chile sehr viele Freunde, bis in die hoechste Spitze des Staates, es gibt hier viel echtes Verstaendnis fuer unsere vitalen Probleme, es gibt viel natürliche Sympatie bis in die weitesten Schichten des Volkes. Eine besondere Genugtuung bedeutete fuer mich, dass waehrend meiner diplomatischen Taetigkeit sowohl der israelische Staatspraesident Zalman Shazar mit Gemahlin, der damalige Aussenminister, Frau Golda Meir und unser Landwirtschaftsminister Chajim Gevati Chile besuchten und sich hier von der Intensitaet der guten Beziehungen persoenlich ueberzeugen konnten. Eine weitere beachtliche Genugtuung bildete fuer mich der Ausbau der technischen Kooperation zwischen unseren Laendern und ganz besonders die Tatsache, dass waehrend meiner diplomatischen Aktivit a e t Chile seine Botschaft von Tel Aviv in die Hauptstadt Israels, nach Jerusalem verlegte. 3. Wenn Sie zwischen dem chilenischen Jischuw und anderen Jischuwin in Sued-Amerika einen Vergleich ziehen, welche Unterschiede wuerden Sie hervorheben? Ich glaube nicht, dass es wesentliche Unterschiede ausser in quantitativer Hinsicht zwischen den verschiedenen Judenheiten dieses Kontinentes gibt. Es gibt zwar auch hier einige bedenkliche Faktoren, die wir nicht uebersehen sollten, wenn wir an die unmittelbare Zukunft der juedischen Gemeins c h a f t denken, aber ich bin, im Grossen und Ganzen, nicht pessimistisch. Wir duerfen nur nicht immer mit den sogenannten “guten alten Zeiten” vergleichen, die eben vorbei sind. Es hat sich selbst im vergangenen Jahrzehnt viel geaendert. Viele Fuehrer oder Funktionaere von damals leben entweder nicht mehr oder sind in Israel, und die anderen sind-wenn ich daran erinnern darf - inzwischen aelter geworden. Das ist ein unaufhaltbarer biologischer Prozess, der sich keinesfalls allein auf das chilenische Judentum be schraenkt. Es hat sich auch in diesem Zeitraum die soziologische und oekonomische Struktur des Judentums geaendert. Ein Judentum, das - ohne generalisieren zu wollen - in nicht unwesentlichen Teilen in eine gehobenere wirtschaftliche Stellung aufgestiegen ist, reagiert auf viele Erscheinungen im Leben, und gewiss auch im juedischen Leben, anders als dies frueher der Fall war. Aber wenn Sie die Bilanz ziehen, gibt es noch immer ziemlich viel freudvolles Judentum, sehr viel juedischen Stolz, sehr viel Treue zum Judentum und die Tendenz, dem Judentum zu entfliehen oder es zu verleugnen, scheint mir eher schwaecher geworden zu sein. 4. Finden Sie, dass der chilenische Zionismus in den letzten Jahren die an ihn gestellten Erwartungen erfuellt hat? Ich glaube, dass der chilenische Zionismus noch immer ueber eine Zahl ergebener und treuer Funktionaere und eine sehr anhaengliche Gefolgschaft verfuegt, aber fuer ihn gilt wie fuer alle uebrigen juedischen Institutionen und Organisationen, dass er dem biologischen Faktor mehr Beachtung schenken und sich - besonders in den Fuehrungsgremien - immer mehr verjuengen sollte. Gewiss man spricht viel von einer Krise des Zionismus - nicht nur in Chile -, aber man vergisst dabei zu oft, dass dem Zionismus und dem gesamten Judentum in der Diaspora heute ein Faktor helfend zur Seite steht, den es fuer die frueheren Generation nicht gab: dass wir naemlich heute einen Staat Israel haben, der nicht nur im vergangenen Jahr, aber besonders in diesem letzten Jahre, die besondere Achtung fast der - gesamten Welt errungen hat. Noch nie seit einer Unzahl von Generationen is es heute so leicht und einfach fuer eine juedische Mutter, ihre Kinder zu stolzen Juden heranzuziehen, fuer die es keine Komplexe ihrer juedischen Identitaet mehr gibt, die sich keineswegs ihres Judentums schaemen, die, im Gegenteil, auch von den anderen als Juden geachtet werden, wenn sie sich zum Judentum bekennen. Und dies ist umso leichter in einer Stadt, in der die juedischen Eltern noch ueberdies die Moeglichkeit haben, ihren Kindern noch tiefere und staerkere Bindungen zum Judentum in einer juedischen Schule zu bieten, auf die Sie alle sehr stolz sein koennen. Aber unser Verhaeltnis zu Israel muss, das erscheint mir eine unerlaessliche Vorbedingung, auf einer realen Basis beruhen. Wir duerfen uns nicht von jeder Zeitungsnachricht erschuettern lassen, oder, was zumindest so arg ist, ruhig und desinteressiert bleiben, wenn Israel in aer von den Juden gelesenen nichtjuedischen Presse nicht erwaehnt wird. Die Entwicklung geht naemlich auch in Israel taeglich intensiv weiter und es ist eine kritische Zeit, in der wir heute und morgen Israel weiter aufbauen und weiter staerken muessen Wir muessen darauf gefasst sein, es mit einem staendig mit Problemen ringenden Israel zu tun zu haben - vielleicht werden Ihre Urenkel es da besser haben. Aber wir wissen ja auch, dass wir uns selbst in sehr kritischen Situationen ganz auf dieses Israel verlassen koennen, weil es in jedem Momente entschlossen und stark war und ebenso auch in der Zukunft sein wird. Hier liegt das Zentralproblem: was koennen wir, was kann jeder einzelne Jude permanent dazu beitragen, um Israel noch staerker zu machen? Nicht etwa durch einmalige - und seien es noch so grossartige Aktionen - sondern durch dauernde enge Verbundenheit und Mitarbeit. 5. In welcher Rieh t u n g maesste Ihrer Meinung nach das juedische Leben in Santiago erweitert werden? Der Botschafter Dr. Uri Naor, der den Staat Israel fast fuenf Jahre lang in Chile wuerdig und erfolgreich vertreten hat, wird im Maerz nach Israel zurueckkehren. In einem Presse-Interv&ew, das der Israel-Botschafter dem Vertreter des ‘‘Boletín Informativo” gewaehrte, hatte er die Freundlichkeit, einige Fragen zu beantworten, in denen er abschliessend seine Eindruecke ueber das hiesige Judentum und die Ergebnisse seiner diplomatischen Taetigkeit in Chile zusammenfasst. 6. Bietet Ihrer Meinung nach die juedische Jugend dieses Landes eine Gewaehr fuer den Fortbestand der chilenischen Judenheit? Ich moechte diese beiden Fragen gemeinsam beantworten, denn sie haengen eng miteinander zusammen. Sie haben eine Jugend, die sehr begabt, geistig anspruchsvoll, aber so scheint es mir - auch im Leben des Alltags mehr verwoehnt ist, als es vielleicht fuer ihren spaeteren Lebenskampf, zumindest dem Aussenstehenden, adaequat erscheint. Geben Sie ihr - und das lege ich Ihnen besonders ans Herz - die Chance und die Moeglichkeit, sich auch im Judentum wohl und zu Hause zu fuehlen. Ich moechte bei dieser Gelegenheit besonders hervorheben, dass die jungen Freiwilligen aus Chile, die sich Israel in den schwierigen Zeiten des vergangenen Jahres so uneigennuetzig zur Verfuegung gestellt haben, in Israel als die besten und wertvollsten aus ganz Suedamerika qualifiziert wurden. Solche junge Menschen — immer unter der Voraussetzung, dass sie den organisatorischen Anschluss an das juedische Leben hier finden, und dabei muessten alle bestehenden juedischen Institutionen richtige und nennenswerte Anstrengungen machen — sind gewiss eine Gewaehr fuer die Kontinuitaet auch des juedischen Lebens in Chile. Aber besonders die juengeren Generationen sollten fuer keinen Moment darauf vergessen, dass Israel ohne eine permanente Alija nicht so stark sein und werden kann, wie es sein muss. Ich weiss, dass Alija ein zumeist komplizierter Prozess ist und keine Angelegenheit von leichten Entschluessen, von billiger Problematik und begeisterten Reden. Aber wir wissen heute sehr genau, dass gerade das Israel von Heute, dem Sie sich alle so nahe fuehlen und auf das Sie doch alle so stolz sind, die juengeren Generationen richtig anzusprechen in der Lage ist und dass darum in dieser his torischen Periode viele besonders aus der jungen Generation den Weg der Alija gehen werden und die grosse Befriedigung ihres Lebens in dieser Entscheidung und der Verwirklichung dieser Entscheidung finden koennen und werden. Aber nur in einer Atmosphaere, die sie nicht davon zurueckhaelt, die ihnen nicht immer neue Schwierigkeiten dabei in der Weg legt, sondern ihnen im Gegenteil dabei permanent behilflich ist, wird auch das chilenische Judentum diesen seinen groessten Beitrag fuer Israel leisten koennen. 7. Welches sind Ihre persoenlichen Plaene fuer die Zukunft? Wie ich bereits erwaehnte, kehre ich nach Israel zurueck und werde wiederum im Aussenministerium in Jerusalem arbeiten. (Fortsetzung Seite 14)

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